Roadtrip British Columbia

Landeinwärts

Ein Blick, den wir aus den letzten Tagen schon kennen. Doch diesmal kann man die Northern Adventure nur mit Mühe erkennen. Dichter Nebel hängt über der Bucht.

Unser Ziel für heute ist Smithers, gut 350 km entfernt.

Nach gut 30 Minuten hat sich der Nebel in einen Hochnebel geändert, nicht toll, aber zumindest besser als davor.

Gestern haben wir unseren Tim Horton Kaffee auf diesem Parkplatz getrunken, der gleiche Ausblick mit Nebel und bei Ebbe.

Nächste Zwischenstation ist der Exchamsiks River Provincial Park, etwa auf halbem Weg nach Terrace, bis dahin gibt es auch keine Tankstelle mehr. Gut, dass wir Vince mittlerweile auf 11,7 Liter/100 km gebracht haben, auch wenn das einen sehr sanften Gasfuß erfordert. Somit haben wir etwa 800 km Reichweite, der große Tank macht es möglich.

Ein temporäres Verkehrsschild weißt auf einen Incident on the road hin, also irgendetwas ist passiert. Ein vor Kurzem ausgebrannter alter Camper-Van steht am Straßenrand. Genau so ein Modell stand vor zwei Tagen neben uns in der Warteschlange für die Fähre, mit zwei alten Herrn darin.

Wir fahren den Skeena River flussaufwärts, an dessen Unterlauf auch die North Pacific Cannery liegt, die wir gestern besucht haben.

Immer wieder fließen kleine Flüsse in den Skeena River und werden dann von Brücken überspannt, eine für die Eisenbahn, eine für die Straße.

Auf einem Rastplatz bleiben wir stehen und sehen am schlammigen Ufer, dass der Fluss bis hierher noch von den Gezeiten des Pazifiks beeinflusst wird.

Wir kommen im Exchamsiks River Provincial Park an, der Parkplatz ist leer. Es ist neblig und kalt, also starten wir die Wanderung mit Fleecejacke und Haube. Wir spazieren durch den Regenwald, der von großen Sitka-Fichten dominiert wird, die bis zu 100 Meter hoch werden können.

Somit sind sie die Nummer 5 unter den größten Bäumen (nicht unbedingt auch höchsten), nur übertroffen von Sequoia, Redwood, Kauri und der Riesen-Thuja. Check, haben wir alle schon gesehen. Was sind wir froh, dass unsere Thujen zu Hause nicht 70 Meter hoch werden und ein Stammvolumen von 500 m³ erreichen.

Wegen der hohen Feuchtigkeit gibt es natürlich auch hier Pilze zu finden.

Apropos feucht, Prince Rupert, die Stadt, in der wir die letzten beiden Tage verbracht haben, ist die regenreichste Stadt Kanadas, in der es an 200 Tagen im Jahr Niederschlag gibt. Da haben wir bei unserem Besuch ja richtig Glück gehabt.

Als wir am Exchamsiks River ankommen, sehen wir eine Bewegung im Wasser. Einige Zeit lang beobachten wir den langsam dahinfließenden Fluss und entdecken zu unserer Überraschung eine Robbe. Sie ist wohl bei Flut den Skeena Fluss nach oben geschwommen und hierher abgebogen. Nun wartet sie die Ebbe ab, um wieder zurückschwimmen zu können.

Beim Blick in die andere Richtung sehen wir zwei Fliegenfischer unter der Brücke im Wasser stehen. Und es werden nicht die letzten sein, die wir heute dabei beobachten. In dieser Gegend eine typische Freizeitaktivität.

Als wir uns der kleinen Stadt Terrace nähern, sind wir endlich weit genug von der Küste entfernt, um den Nebel hinter uns zu lassen.

Babsys Thermounterwäsche ist in die Jahre gekommen und wir haben beschlossen, ihr etwas Neues, für die Temperaturen adäquates zu suchen. Wo findet man alles in Kanada? Bei Canadian Tire und da sich das Geschäft zu ihrem Lieblingsshop entwickelt hat, bleiben wir sofort stehen, als wir eine Filiale in Terrace entdecken.

Ist die Store-Front nicht schön mit dem blauen Himmel. 😉

Katastrophe, Canadian Tire hat keine Unterwäsche!

Eben haben wir noch über das Fischen und seine Beliebtheit gesprochen, hier ein Blick auf das Angelrutensortiment des Reifenhändlers.

Wir kehren in Kathleen’s Grill ein. Das Lokal hat ein ganz eigenes Feeling. Günstiges Essen, 10% Rabatt für über 60-Jährige und dementsprechenden Gästen.

Janine, unsere Kellnerin ist stets zum Scherzen aufgelegt und bringt uns nach etwas Wartezeit ein Philly Cheese Sandwich und ein Club House Sandwich.

Das Tagesmenü ist eine Minestrone mit reichlich Gemüse und Nudeln. Dazu gibt es noch ein Thunfisch-Sandwich, für zusammen gerade einmal € 6,-.

Als wir weiterfahren, hat uns das schlechte Wetter wieder, es beginnt heftig zu regnen. Dementsprechend lassen wir unsere nächste Wanderung im Kleanza Creek Provincial Park aus.

Für einen kurzen Abstecher verlassen wir den Highway 16, um zum Hagwilget Canyon zu fahren. Er wird von einer Hängebrücke überspannt, die mit ihren 140 Metern Länge seit 1931 den Bulkley River überspannt, der 80 Meter unter ihr hindurchfließt. Was an ihr besonders ist, sie ist einspurig und hat eine Fahrbahn aus einem Metallgitter.

Hinter einem Wohnmobil und einem Auto überqueren wir sie nach kurzem Abwarten des Gegenverkehrs.

Auf der anderen Seite des Canyons gibt es einen Aussichtspunkt, von dem aus man einen guten Blick in die Tiefe hat.

Wir überqueren die Brücke ein zweites Mal und bleiben auch dort auf einem kleinen Parkplatz stehen, der als Aussichtspunkt gekennzeichnet ist, in der Hoffnung einen Blick auf die Brücke selbst werfen zu können. Doch leider kann man sie nicht sehen.

Damit wir nicht ohne ein Bild von der beeindruckenden Konstruktion weiterfahren müssen, holen wir unsere Drohne aus dem Auto (ja, die haben wir die ganze Zeit mit dabei und nicht genutzt – wir vergessen immer wieder darauf).

Hat sich ausgezahlt und den leichten Regen hat sie gut überstanden.

Der letzte Ausflug für heute soll uns das Lachsfischen der Witset First Nation näher bringen. Dazu besuchen wir das Widzin Kwah Diyik Be Yikh, ein Museum, in dem gezeigt wird, wie mit langen Holzstangen, an deren Ende große Metallhaken montiert sind, die Lachse aus dem Fluss geholt werden.

Nach einem kurzen Gespräch mit der Dame, die das Museum betreut, über Sound of Music, gehen wir den Hügel hinunter zum Fangplatz des Stammes.

An Seile gebunden klettern die Fischer hinunter zum reißenden Wasser und warten, bis ein Lachs vorbeikommt. Dann werden sie mit den Stangen eingefangen und nach oben geworfen.

Einfach und sicher ist anders.

Am frühen Abend kommen wir in Smithers an und checken im Hotel ein. ‘From Austria?’ fragt uns die ältere Dame am Empfang. ‘Dann können wir ja Deutsch reden.’ Dem Dialekt nach kommt sie aus Schwaben und sie betreibt mit Norbert aus Österreich das Haus.

Nach einer halben Stunde des Kämpfens gibt Babsy auf, ihren Google TV Streamer mit dem alten Sony Fernseher zum Laufen zu bringen. Keine NFL heute.

Mit ein paar Kochsendungen vom flavour Kanal aus dem lokalen Kabelfernsehen gehen wir ins Bett. Gute Nacht.

Glück gehabt, kleiner Bär

Heute ist Prince George unser Ziel, etwa 370 km Strecke liegen vor uns.

Zum Aufwärmen starten wir noch in Smithers mit dem Weg zu den Twin Falls. Eine enge Straße führt durch den nebeligen Wald, immer bergauf.

Der Wanderweg schaut nicht viel anders aus, geht steil bergauf und führt in immer dichter werdenden Nebel.

Am Ende des Weges angekommen sind die beiden Wasserfälle kaum noch zu sehen und mit jeder Minute wird die Nebelsuppe dicker.

Zumindest haben wir uns mit dem Erreichen der beiden Wasserfälle einen goldenen Token verdient. 😉

Wie bei jedem Ausflug gibt es ein Schwammerl für Peter und Gottfried und wer auch immer sich auch so gut mit Pilzen auskennt. Der schaut schon ein bisserl räudig aus.

Wie oft haben wir das Wort Nebel heute schon verwendet? Viel mehr hat unsere Strecke heute wohl nicht zu bieten. Einmal dichter, einmal hoch oben, einmal in Fetzen über die Straße ziehend – wir hatten alle erdenklichen Varianten.

Es geht einen Hügel nach oben und zum ersten Mal sehen wir unseren Stern am Himmel über uns stehen. Immer höher hinauf.

An der Kuppe brechen wir durch das Grau und über uns eröffnet sich ein blauer Himmel. Die letzten Fetzen lösen sich auf.

Der Tag ist wie verändert. Die Sonne bringt das gelbe Laub der Eschen zum Leuchten, es ist Herbst.

Gegen Mittag erreichen wir unsere zweite Wanderung für den Tag, es geht rund um den Kager Lake. Über eine breite, nasse Schotterstraße geht es in den Wald.

Plötzlich springt ein junger Bär in vollem SchweinsBärengalopp aus den Büschen und rennt direkt vor uns auf die Straße. Schotter knirscht unter den blockierenden Reifen und Vince kommt mit vollem ABS-Einsatz zum Stehen. Nur Zentimeter vor dem rechten Reifen wetzt der kleine Bär auf der anderen Seite ins Dickicht – Glück gehabt, kleiner Bär.

In den zwei Sekunden, die wir ihn gesehen haben, hat er sehr niedlich gewirkt, wie ein Teddybär. Wuschelig und schwarz.

An der Nordseite des Sees parken wir uns ein und marschieren los und bald haben wir einen der Stege gefunden, die uns einen Blick auf das Ufer ermöglichen.

Ein dichter Nadelwald umgibt das blaue Wasser.

Unsere Bärenglöckchen bimmeln fröhlich vor sich hin, während wir weiter gehen und auch hier gibt es Pilze zu finden. Der schaut besser aus, als der morgendliche.

Rund um diesen See gibt es zwölf Zeltplätze, die man nutzen kann. Es sind einfache flache Stücke Waldboden unter den Bäumen, kein Luxus, einfach nur Natur.

Immer wieder hat man einen wunderschönen Blick auf den See. Bis auf unser Bimmeln ist es still, niemand ist hier.

Ein leichter Wind kräuselt die Wasseroberfläche und damit verabschieden wir uns von diesem schönen Rundweg. Den kleinen Bären haben wir nicht mehr gesehen und auch seine Mama hat unseren Weg nicht gekreuzt.

Wenn wir schon beim Thema ‘Tiere, die einem vor das Auto laufen können‘ sind: Nicht nur sind die Distanzen, die hier angegeben werden ganz andere Dimensionen als bei uns, auch die Anzahl der möglichen Arten ist höher. Also Elch, Bär und Hirsch auf 69 km. Ein Schild und erledigt.

In Vanderhoof machen wir bei Tim Hortons einen kurzen Zwischenstopp auf ein Heißgetränk und fahren damit ein paar hundert Meter weiter an den Nechako River, um ein paar Minuten Pause zu machen.

Am späteren Nachmittag erreichen wir Prince George, in der Ferne sieht man die nächste Regenfront auf uns zukommen, eine haben wir gerade hinter uns gebracht.

Bevor wir für die heutige Übernachtung ins Hotel fahren, kehren wir noch bei Mr. Chibap, einem koreanischen Lokal ein.

Für Babsy gibt es frittierte Gyoza (endlich, gnä’ Frau war schon auf Entzug, weil sie ihre Lieblingsspeise seit zwei Wochen nicht mehr bekommen hat) und Pork Kimchi Aburi.

Arno bekommt Gochujang Beef Bibimbap, alles sehr fein und scharf.

Unspektakulär residieren wir heute in einem Best Western Hotel, in dem ein Essenslieferant nach dem anderen die Sackerl an der Rezeption abgibt.

Eine gute Nacht euch allen.

 

Das Haus am See

Nach zwei Tagen im Hotel geht es heute endlich wieder in ein Haus und dann gleich in eines am See, dem Big Lake.

Unser Best Western Hotel hatte einen Pool und der war von spät bis früh voll mit Kindern. Jedes Mal im Lift, Kinder mit nassen Haaren und Badehose/-anzug. Uns kommt fast vor, die Familien buchen hier eine Nacht, nur wegen diesem Schwimmbecken, das sogar eine Rutsche hat.

Scheinbar funktioniert das Wetter hier in British Columbia so: Wolken und Nebel in den Morgenstunden. Nach dem Volltanken geht es weiter auf dem Highway 97 Richtung Süden.

Eine große Baustelle stoppt uns für fast 10 Minuten, dann geht es weiter.

Die Fahrt führt uns entlang des Fraser Rivers und bald haben wir die Stadt Quesnel erreicht. Auf den heutigen 250 km gibt es nicht viel Aufregendes, aber damit wir hin und wieder eine Pause machen, schauen wir uns hier die Fraser River Fußgängerbrücke an. Pferde dürfen sie übrigens nur in Schrittgeschwindigkeit überqueren.

Unweit des Übergangs startet gerade ein Güterzug Richtung Süden.

Wir stoppen etwas außerhalb von Quesnel bei Kersley, um einen Wanderweg zu gehen. Wir suchen an einem Ende der Ortschaft und am anderen, letztlich enden wir vor dem General Store und können den Einstieg nicht finden. Da haben wir uns wohl irgendwo verplant, nichts zu finden.

Zumindest hat sich das Wetter gebessert, so wie jeden Tag, ab Mittag wird es besser.

Binnen 30 Minuten von bewölkt zu strahlend blau. 🙂

In Williams Lake kehren wir im Howdy Cafe ein, geführt von einer pakistanischen Familie.

Ein Smash-Cheeseburger und ein Howdy’s Finest Smash-Burger mit Jalapeños samt selbstgemachten Zwiebelringen …

… führen zu einer gut gefüllten Box, das überrascht jetzt niemanden.

Beim Verlassen von Williams Lake kommen wir an mehreren Sägewerken vorbei, Baumstämme, Balken, Bretter und Sägemehlhaufen soweit das Auge reicht.

Von hier ist es nicht mehr weit bis an den Big Lake und wir wechseln auf eine kleine Nebenstraße, die zwischen Farmen hindurchführt.

Dementsprechend wird auch nicht vor Bären oder Elchen gewarnt, sondern vor Vieh, das die Straße überqueren kann.

Dann können wir den See schon vor uns sehen.

Hier gibt es keinen Handy-Empfang und der Weg zu unserem Haus ist eher ein Pfad.

Ein klassisches Blockhaus, aus dicken Balken. Wie es sich hier gehört mit Motorboot und Quad.

Unten am See, ein Steg mit Sitzplatz.

In der Sonne ist es angenehm warm und Arno legt sich auf das Sofa um zu entspannen. Ein Eichhörnchen pirscht sich langsam heran, springt auf den kleinen Tisch neben dem Sitzmöbel und wirft die Limonadenflasche um. Das soll den kleinen Nager aber nicht stören.

Die Flasche liegt und es klettert weiter auf die Armlehne, schaut sich Arno an und klopft ihm zweimal auf die Schulter. Nach dem Motto ‘He, weg da, das ist meine Couch!‘

Als Babsy die Türe zum Balkon öffnet, läuft es schimpfend zum Geländer und setzt sich obendrauf.

Bellend und pfeifend sitzt es minutenlang da und lässt sich auch nicht davon stören, dass sich Arno aufsetzt und zu reden beginnt. Weiter wird geschimpft.

Irgendwann gibt es entnervt auf, nachdem Arno nicht vom Sofa verschwindet.

Eine halbe Stunde später kommt es noch einmal vorbei und klettert auf das Möbelstück, läuft darauf herum und verschwindet wieder. Ob unter den Polstern ein Nusslager ist?

Diese Gegend ist bei Astro-Fotographen sehr beliebt, da es hier stockdunkel wird und keine Lichtquellen gibt. Na schauen wir einmal, was uns der nächtliche Himmel zu bieten hat.

Eine gute Nacht.