Nach Kelowna

Gut 300 km liegen heute vor uns, es geht Richtung Süden nach Kelowna. Für Arno zum ersten Mal, Babsy war schon vor fast 30 Jahren einmal hier.

Vom Wohnzimmer unseres kleinen Farmhäuschens aus haben wir in den letzten Tagen regen Autoverkehr auf das Grundstück des Gegenübernachbarn gesehen. Laut Schild gibt es hier Feuerholz, Gurken, Erdäpfel und Kürbisse. Reicht das aus für sicherlich 25 Kunden am Tag?

Der morgendliche Himmel ist wieder einmal bedeckt, das soll sich zum Glück noch zum Besseren wenden.

Bald reißen die Wolken auf und präsentieren uns ein Azurblau.

Nach fast zwei Stunden Fahrt, auf der uns unzählige Häuser auf Trucks entgegengekommen sind, machen wir eine kleine Pause in Chase. Am Little Shuswap Lake gibt es einen roten Steg, den wir uns als Pause anschauen.

Hier kann man natürlich, wie an allen Seen, das Motorboot zu Wasser bringen. Wir finden ein interessantes Schild ‘Kids don’t float‘ (Kinder schwimmen nicht von selbst). Hier kann man sich einfach Schwimmwesten für Kinder kostenlos und unbürokratisch ausborgen. Einfach vom Schild nehmen und verwenden. Geniale Idee.

Wir spazieren über den langen Pier auf den See hinaus. Was uns gleich auffällt, der Wasserstand ist gut zwei Meter niedriger als er sein sollte. Die meisten Bootsstege liegen auf dem Trockenen.

Der Little Shuswap Lake wird über den Little River vom Shuswap Lake mit Wasser versorgt. Na, da waren die Namensgeber sehr kreativ.

Unsere nächste Zwischenstation ist ein weiterer Steg, diesmal in Salmon Arm am Shuswap Lake. Man sieht gleich, warum der Little Shuswap Lake zu wenig Wasser hat. Der Pier, der in den Shuswap Lake hinaus führt, liegt komplett trocken. Und das nicht erst seit gestern, denn die trocken gefallene Fläche ist schon von Gras bewachsen.

Ganz am Ende setzten wir uns zu einem kleinen Mittagessen nieder und beobachten mit dem Feldstecher einen Weißkopfseeadler.

Der Bastion Mountain trägt heute einen Wolkenkranz.

Auf unseren Reisen besuchen wir immer gerne Fabriken bekannter Produkte wie Ben & Jerry’s Zippo oder Jack Daniel’s. So waren wir auch diesmal auf der Suche nach solchen Orten, doch wir wurden auf unserer Strecke leider nicht fündig.

Aber auch Farmen für bekannte Produkte sind immer wieder auf dieser Liste. Wie eine Pistazien Farm in New Mexico. Und so haben wir uns diesmal die Apfelfarm Davison Orchards in Vernon ausgesucht.

Diesen Ort an einem Samstag zu besuchen, war eine ganz schlechte Idee. Hunderte, wenn nicht noch mehr Autos stehen auf den unzähligen Parkplätzen. Schlimmer als im St. Margarethener Family Park in den Sommerferien.

Überall schieben sich die Massen durch die Shops, das hat sehr wenig mit einer Apfelplantage zu tun, eher mit einem Obst Disneyland.

Zumindest kann man Äpfel und Birnen kaufen. Auch hier, Leute über Leute. Keifende Hunde, schreiende Kinder und drängende Massen.

Das Schlimmste für Babsy ist, dass wir kurz vor Ende der Reise stehen und keine Kiste voll Äpfel mehr brauchen können. Aber wenigstens kann sie zwei coole Einkaufstaschen abstauben.

Unsere Strecke ist gepflastert von Seen. Der nächste kurze Stopp ist am Kalamalka Lake, den wir uns von einem Aussichtspunkt aus ansehen.

Zwei kleine Monster verdienen sich auf dem Parkplatz als Mistkübel.

Der Blick von oben war gut für einen Überblick, aber um herauszufinden, wie kalt das Wasser ist, müssen wir hinunter ans Ufer. Die beigen, grasigen Hügel auf dem Weg zum Ufer erinnern uns an Douglas County in Washington.

Eine alte Eisenbahntrasse wurde in einen Wander- und Radweg umgewandelt, der von hier über fast 50 km den Seen entlang bis nach Kelowna führt. Wir gehen ihn ein Stück entlang und dann hinunter zum Wasser, das wärmer ist als befürchtet.

Aus der einspurigen kleinen Nebenstraße ist eine dreispurige Schnellstraße geworden, die uns nach Kelowna bringt. Der Großstadtverkehr hat uns wieder.

Wir wohnen direkt im Zentrum der Stadt, im super-hippen Hotel Zed. Alles in Knallfarben, vintage und Pop-Culture. Mit Ping-Pong Lounge.

Mit Wählscheiben-Telefon.

Im Badezimmer Duschgel-Spender im Stil der Batman-TV-Serien aus dem Jahr 1966 (die einzige Version von Batman die Arno gelten lässt).

Arno fragt sich, was da so hip sein soll, das ist einfach ein Abbild seiner Kindheit.

Bevor es Zeit für ein Abendessen ist, spazieren wir am Okanagan Lake entlang, der nur 100 Meter von unserem Hotel liegt.

Als Gegenstück zu der ländlich geprägten Küche der letzten Wochen haben wir einen exzellenten Inder ausgesucht, der mit einem echten Tandoori-Ofen kocht. Wir wählen die Platte für zwei Personen. Drei Currys, Tandoori Chicken, Reis, Gemüse, Raita und ein Kardamom-Milchreis als Nachspeise. Dazu Naan und Roti. Zwei dieser riesigen Portionen kosten gerade einmal € 30,-. Essengehen in Kanada ist um einiges billiger als bei uns zu Hause.

Mit vollem Bauch geht es wieder zurück über die Bernard Avenue, die voll von interessanten Restaurants ist.

Die Dunkelheit hat den See bereits verschlungen, als wir vorbeikommen.

Mit einem vollen Bauch gehen wir ins Bett.

Gute Nacht, liebe Leserschaft.