Roadtrip British Columbia

Auf nach Kanada

Letztes Jahr haben wir uns auf der Reise durch den Nordosten der USA mit Ontario auch ein Stück Kanada angesehen. Wir haben beschlossen dem Land dieses Jahr die ganze Reise zu widmen. Es geht in den Westen Kanadas, nach British Columbia.

Auf rund 3.600 km werden wir Vancouver Island besuchen, mit der Fähre bis an die Grenze zu Alaska fahren und die Rocky Mountains sehen. Ganz oben auf der Bucket List sind Orcas und Bären aller Art.

In den letzten 2 Monaten ist die Provinz von schweren Waldbränden heimgesucht worden, zum Glück hat sich die Situation mittlerweile entspannt.

In ein paar Tagen geht es los, was man an etlichen Ansammlungen im ganzen Haus erkennen kann, die am Wochenende im Koffer verschwinden werden.

Begleitet uns den ganzen September (und etwas länger) auf unserem Weg durch den pazifischen Westen Kanadas, wo uns viel herbstliche Natur erwartet.

Babsy & Arno

Es geht los

Frühmorgens holt uns Markus ab und bringt uns zum Flughafen. Wie in den Jahren davor haben wir auch diesmal unser Gepäck schon gestern am Flughafen eingecheckt und somit starten wir heute nur mit dem Handgepäck.

Die neuen Scanner bei der Schwechater Security bringen dem Reisenden wirklich etwas. Bis zu 2 Liter Flüssigkeit kann man mitnehmen und, wie alles andere auch, in Rucksack/Koffer/Tasche lassen. Kein lästiges Auspacken des Notebooks, etc.

Mit einem Airbus 320 der Air Baltic geht es nach Frankfurt. Als wir mit dem Bus am Vorfeld ankommen, ist die Maschine noch nicht fertig gereinigt und so warten wir fast eine halbe Stunde, bis wir einsteigen können. Dann geht es ab, zuerst der Donau entlang und schließlich Richtung Frankfurter Flughafen.

Mit beginnendem Landeanflug warnt uns der Captain, dass es bei der Landung sehr windig sein wird, so wie auch schon die zweite Hälfte des Weges recht rumpelig war.

Das Hauptfahrwerk setzt auf, doch die Nase bleibt oben, auch die Bremsklappen bekommen sie nicht nach unten. Dann schreien die Triebwerke wieder auf und wir starten durch. Hinauf in die Wolken und das Rumpeln beginnt wieder von vorne. Zwei Runden um den Platz, dann kommen wir endlich an.

Gut, dass wir genug Zeit bis zu unserem Anschlussflug haben. Draußen steht eine Boeing 747-400 der Lufthansa als das Boarding beginnt, doch es tut sich nichts.
Die Reinigung der Maschine ist noch nicht abgeschlossen, 45 Minuten delay. Ein Muster beginnt sich zu etablieren …

Ein Flugzeug dieser Größe geht ganz anders mit den Windböen um, ein leichtes Zittern, mehr ist da nicht. Ganz anders als in dem Luftmoped von heute Früh. Ruhig gleiten wir 9 1/2 Stunden über Schottland, Island und Grönland hinweg bis nach Kanada.

Die Immigration in Kanada geht schneller als die Passkontrolle in Wien Schwechat, wenn wir zurückkommen. Pass auf den Scanner legen, ein Foto gemacht und herzlich willkommen in Kanada. Wow.

Dafür warten wir laaaange auf unser Gepäck und Babsy trackt es laufend über die Air Tags, die in den Koffern stecken. Sie sind ganz nah, aber tauchen nicht am Förderband auf.

Letztlich kommt doch alles daher und wir können unser Mietauto abholen. Wir haben ein Déjà-vu, als wir das Auto abholen. ‘Wo sind denn die anderen Mitreisenden? Sie sind nur zu zweit. Das ist aber das größte Auto, dass wir in der Flotte haben, sind sie sicher?’

Ja, sind wir, das haben wir bewusst ausgewählt. Und wieder passt es gerade so in die Tiefgarage. Wir müssen ein Stück weiterfahren, um die Heckklappe öffnen zu können.

Ein GMC Yukon, in groß. Wenn sich Babsy neben die vordere Türe stellt, kann sie den Spiegel wunderbar nutzen, um den Sitz der Frisur zu überprüfen.

Nach all den Stunden der Anreise haben wir hier in Vancouver heute noch 3 Ziele.
1. Einen Supermarkt, um uns mit den wichtigsten Dingen wie Wasser, Küchenrolle und Keksen auszustatten.
2. ein Liquor Store, um eine Kiste Bier zu kaufen, denn die gibt es im Supermarkt nicht und
3. das Hotel für heute Nacht.

Über den Namen unseres Begleiters denken wir bis morgen Früh noch nach und gehen jetzt ins Bett. Gute Nacht.

Wir setzen über auf Vancouver Island

Wieder haben wir uns vom Kennzeichen unseres Autos bei der Namenssuche inspirieren lassen.

Unser diesjährige Begleiter heißt Vince. Eines können wir jetzt schon sagen, er ist ein kleiner Schluckspecht. Seinen V8-Motor haben wir mit einem Durchschnittsverbrauch von 19,9 Liter/100 km übernommen. Daran werden wir in den nächsten Wochen arbeiten.

Zum Frühstück gibt es im Hotel frische Scones und Muffins mit Heidelbeeren, Eierspeis, Joghurt mit Früchten und Cereals, alles sehr fein. Anders ist das bei den Heißgetränken. ‘Bah, pfui Deibel.‘ mit diesen Worten schiebt Babsy den Kaffee von sich weg und lässt ihn stehen.

Wir verlassen Vancouver frühmorgens, um die Fähre nach Vancouver Island zu nehmen. Eine lange gerade Straße führt hinaus zum Fährterminal.

Sie legt um 09:00 ab und man hat ein genau definiertes Zeitfenster, wann man am Terminal zu sein hat, nicht zu früh und nicht zu spät.

Nach ein paar Minuten sind wir durch die Kontrolle und waren auch zur rechten Zeit dort. Nun heißt es etwa eine Stunde auf das Beladen zu warten.

Über die Rampe geht es nach oben und dann in den Bauch der Spirit of Vancouver Island, einem Schiff der BC Ferries.

Wir gehen an Deck und genießen den Ausblick, während Vince etwas beengt steht.

An Deck weht eine steife Brise, die wehende kanadische Fahne ist gleich das beliebteste Fotomotiv. Im Hintergrund sieht man schon ein paar der vorgelagerten Inseln.

Weit draußen sehen wir ein paar Wale blasen, doch viel zu weit weg für unsere Handykameras. Mit so einem Objektiv hätten wir jetzt etwas zum Herzeigen.

Nach etwa eineinhalb Stunden erreichen wir den Hafen von Swartz Bay.

Es geht von Bord und sobald wir die Möglichkeit haben, verlassen wir die Hauptstraße, um zu schauen, was es hier zu entdecken gibt.

Die Insel ist etwa 100 x 460 km groß und hat um die 800.000 Einwohner. Mehr als die Hälfte davon wohnen rund um die Hauptstadt Victoria. Zum Vergleich, die Insel ist etwas größer als Ober- und Niederösterreich zusammen. Rund 10.000 Schwarzbären gibt es hier und somit die höchste Bärendichte (wenn das ein Wort ist) weltweit.

Rund um Victoria, die Hauptstadt der Provinz British Columbia, liegt Farmland und das durchstreifen wir.

Hier hat fast jede Farm einen kleinen Verkaufsstand, der am Straßenrand steht und die Waren des Bauernhofes feil bietet. Meist steht dann nur eine Kasse daneben, in die man sein Geld wirft. Wir erreichen die Silver Rill Berry Farm, wo Johannisbeeren, Kirschen und auch Knoblauch angebaut und ab Hof verkauft wird. Die Besitzerin ist gerade damit beschäftigt, die Kirschbäume für das nächste Jahr zu beschneiden.

Wir nehmen jeweils ein Glas Johannisbeeren-Marmelade und Gelee mit, sowie einen Johannisbeeren-Sirup, der sehr gesund sein soll, und eine Knolle frischen Knoblauch mit.

Schnell kommen wir mit ihr ins Gespräch über die antioxidative Wirkung von Johannisbeeren, auf welche Märkte sie hier in der Umgebung fährt und dass sie nächste Woche beginnt die eingefahrene Knoblauchernte zu verarbeiten. Dass wir aus Österreich kommen findet sie großartig, sie war auch schon einmal bei uns zu Besuch und ihr könnt nun raten, wie ihr absoluter Lieblingsfilm heißt, den sie schon als Kind geliebt hat. Richtig, The Sound of Music. Hätte Arnos Freund Helmut ihm nicht vor 20 Jahren von dem Film erzählt, als sie gemeinsam durch Malaysia gereist sind, wir hätten bis heute keine Ahnung. Auch sie ist von dem (Un)Bekanntheitsgrad des Filmes in unserer Heimat mehr als überrascht. Wieder haben wir die Vorstellung einer reifen Dame zerstört, dass wir in Österreich den ganzen Tag im Dirndl über grüne Wiesen tanzen. 😉

Doch das reicht noch nicht, wir finden noch einen etwas größeren Farmers Market, der lokale Produkte anbietet.

Mit Äpfeln, Schalotten, heurigen Erdäpfeln und noch ein paar Obst- und Gemüsesorten geht es bald weiter.

Victoria ist eine sehr grüne Stadt, wirkt eher wie eine Kleinstadt.

Früher als gedacht können wir unser Hotelzimmer beziehen und Vince am Parkplatz abstellen. Das Haus und natürlich auch unser Zimmer hat einen ganz besonderen Charme.

Nicht nur das Gemäuer ist hier etwas älter, wir sind hier wohl mit Abstand die jüngsten Gäste. Der Ausblick aus dem Fenster wirkt auch nicht gerade so, als wären wir in Gehweite des Zentrums einer Hauptstadt.

Von hier aus spazieren wir ins Zentrum von Victoria. Vorbei am Parlament mit der Statue von Königin Victoria davor. Die Sonne überstrahlt den Glanz der Königin, sodass man ihr Antlitz kaum erkennen kann.

Wir schlendern durch den Hafen, vorbei an Fähren, Fischerbooten, Kanus und Yachten. Im Hintergrund thront das Hotel Empress, in dem man sich gegen einen nicht unbeachtlichen Obolus zur Tea Time einfinden kann, Gurkensandwiches auf Etagere inklusive.

Nach einer Runde durch die Andenkenläden melden sich unsere Mägen und fordern ein Mittagessen ein, gefühlt ist es Mitternacht. Also kehren wir im Hafen im Finn’s ein.

Die Dame des Hauses ist ob der gemeinsamen Vorspeise, Shrimp und Schweinefleisch DimSum sichtlich erfreut.

Es folgen ein Rockfish Burger und eine Poke Bowl mit geflämmtem Thunfisch.

Von hier hat man einen direkten Blick in den Hafen. Laufend kommen Wasserflugzeuge an.

Wir gehen hinunter zum Terminal der Harbour Air, die von hier alle 10 bis 15 Minuten ein Flugzeug startet.

Dann wandern wir zurück zu unserem Hotel. Die Stadt ist eine Mischung aus gepflegten kleinen Häuschen und solchen die eher in einem Dornröschenschlaf dahin schlummern. Die Bewohner scheinen etwas älter zu sein. Immer wieder hat man die Möglichkeit die Tea Time in entsprechendem Rahmen zu zelebrieren, wie hier im Pendray Restaurant nahe am Hafen.

Ein Asphalt-Wandertag geht zu Ende und sehr zur Freunde von Babsy mit den ersten Spielen der NFL-Saison.

So endet ein ereignisreicher Tag nach dem vierten Viertel 49ers gegen LA Rams. Gute Nacht.