Schiff ahoi

4:15 – Zeit zum Aufstehen. Wir packen schnell die letzten Dinge ein und steigen ins Auto, auf zum Fährableger.

Wir fahren mit BC Ferries, dem großen Fährunternehmen in British Columbia, von Port Hardy nach Prince Rupert. Um auf das Schiff zu kommen, muss man in einem Zeitfenster von nur 30 Minuten am Terminal ankommen und sich anmelden. Dann steht man gut 90 Minuten und wartet auf das Beladen. Da hätten wir noch schlafen können. 🙁

Da steht sie schon, die Northern Expedition und wartet Bug hoch auf uns.

Der Wartebereich für die Autos wirkt noch leer, als wir aussteigen.

Dann ist es so weit und das Beladen beginnt, wir sind Auto Nummer 16 und hinter uns stehen nur mehr ein paar wenige.

Während der Fahrt ist der Aufenthalt am Parkdeck verboten, es wird gesperrt. Also begeben wir uns nach oben und blicken in die Dunkelheit.

Langsam schließt sich das riesige Bugtor.

Es wird heller und gegen 7 Uhr legen wir ab. Dichter Nebel hüllt alles ein und schluckt die Geräusche der Umgebung. Was er nicht dämpfen kann sind die drei Signale vom Schiffshorn, das andern Booten in der Nähe zu verstehen gibt: ‘Maschine läuft rückwärts‘. Langsam schiebt sich die Northern Expedition vom Pier in die Bucht hinaus.

Der Nebel ist so dicht, dass sogar ein Ausguck an den Bug geschickt wird. Das Nebelhorn bläst regelmäßig, um unsere Anwesenheit kund zu tun.

Wir haben uns zwei Plätze in der Aurora Lounge gebucht, die direkt unter der Brücke den besten Ausblick über den Bug hat. Hinter riesigen Fenstern sitzen wir in bequemen Lederstühlen.

Die Fähre ist fast leer, rund 20 Autos und 50 Personen sind an Bord gegangen. Heute sind sicher mehr Crewmitglieder als Passagiere an Bord. Aber es ist ja auch Ende der Saison hier und die Fähre hat auch einen eingeschränkten Fahrplan. Dementsprechend haben wir unseren Trip auch so geplant, dass wir in Port Hardy sind, wenn ein Schiff ablegt.

Der erste Teil der Fahrt führt uns über die Queen Charlotte Straight, die zum Pazifik hin offen ist.

Eine Durchsage warnt, dass man sitzen bleiben und sollte man aufstehen, sich gut festhalten soll. Es wird etwas rauer.

Ein steifer Ostwind lässt die BC Ferries Fahne am Bug knattern, der Ausguck wird abgezogen. Welle rauf, zur Seite neigen, Welle runter. Dann hört man die Wucht des Wassers gegen den Bug knallen. Immer und immer wieder.

Der Kapitän beruhigt, es dauert nur eineinhalb Stunden, dann sind wir hinter den Inseln und es wird besser. Gut, dass dies eine Innenpassage ist, die den Schutz der Inseln nutzt.

Manchmal fahren wir so tief in ein Wellental, dass der Wind die Fahne nicht mehr erreicht und sie schlapp herunterhängt.

Bald schützt uns Calvert Island vor den Wellen und es wird ruhiger. Wir gehen an Deck, denn auch die große Nebelbank haben wir hinter uns gelassen.

Doch ein Blick Richtung Bug lässt uns schon die Regenfront erkennen, über die uns der Bord-Wetterbericht informiert hat.

Hoch über uns hören wir das Wummern der Schiffsdiesel aus den Schloten kommen.

Hin und wieder gibt es eine Durchsage von der Brücke, wenn Wale voraus sind. Für einen kurzen Moment sehen wir eine Gruppe Orcas an uns vorbeischwimmen. Das reicht aber nicht, um sie von der Bucket List zu streichen.

Die Überfahrt hat einen Zwischenstopp im Fischerdorf Bella Bella. Ein Container und drei Autos verlassen die Northern Expedition. Vince fühlt sich sicher schon einsam.

Nach neun Stunden haben wir den Leuchtturm von Boat Bluff erreicht, die Hälfte unserer Fahrt liegt hinter uns. Auf dieser Insel leben nur zwei Leuchtturmwärter und kümmern sich darum, dass ihr Leuchtfeuer auf 32 km zu sehen ist und den Schiffen eine sichere Passage ermöglicht.

Der Regen peitscht unaufhörlich an die Scheiben und die Durchfahrt zwischen den Inseln wir immer enger.

Links und rechts von uns stürzen unzählige Wasserfälle von den Hängen der Inseln herab.

Wie sehen eine Gruppe Dall’s Porpoise (Weißflankenschweinswal,Phocoenoides dalli), eine kleine Walart, die von ihrer Zeichnung her wie kleine Killerwale aussieht.

Mehrmals treffen wir auf schlafende Buckelwale. Einer fühlt sich von unserer Vorbeifahrt wohl so belästigt, dass er viermal mit seinem ganzen Körper aus dem Wasser springt und mit einem gigantischen Platsch wieder aufschlägt. Damit haben wir auch einen breach gesehen, wie man dieses Verhalten nennt.

Im Bordrestaurant genehmigen wir uns eine heiße Schokolade und …

… eine Dose einheimischen Biers.

Von unseren Sitzen aus sieht man mittlerweise nur noch die Schwärze der Nacht, denn wir fahren ohne Scheinwerfer oder dergleichen, nur per Radar.

Kurz nach Mitternacht geht es dann nach unten ins Parkdeck, wir haben Prince Rupert erreicht.

Zum Glück haben wir es nicht mehr weit bis zu unserer heutigen Unterkunft, nur noch 3,8 km.

Wir fahren einen Bogen durch die keine Stadt und enden bei unserem Haus, direkt oberhalb der Northern Expedition, die uns wohlbehalten hierher gebracht hat.

Nach einem langen Tag geht es in Bett, gute Nacht.