An den Strand

Wir starten unseren Tag mit der Beobachtung von Robben, die vor unserer Terrasse im Meer nach Futter suchen und dabei von Möwen begleitet werden, die auf ein paar einfach zu erhaschende Reste hoffen.

Gestern haben wir die kleinen Fischerboote erwähnt, die jeden Morgen die Bucht Richtung Juan de Fuca Straße aufbrechen, die zwischen der kanadischen Provinz British Columbia und dem amerikanischen Bundesstaat Washington liegt. Vor unserer Tür steht das Boot unseres Vermieters, ein klassisches Fischerboot der Gegend, in diesem Fall eher das eines sehr ambitionierten Hobbyfischers. Natürlich sind auch etwas größere Modelle unterwegs, allesamt aber eher klein gehalten.

Unser heutiger Plan ist ein Ausflug samt Wanderung durch den Regenwald, der hier bis ans Wasser reicht, also ein paar Kilometer – ja Kilometer, die Kanadier nutzen das metrische System – mit dem Auto durch den Wald gefahren …

… dann haben wir den Juan de Fuca Park erreicht.

Gleich am Beginn des Rundweges steht ein Warnschild, dass hier vor drei Tagen ein Bär gesichtet wurde.

Es geht bergab durch den dichten Wald, der sich schnell als Regenwald zu erkennen gibt. Das Klima hier ist mild, kühl und feucht, zum Teil sind die Nadelbäume, die diesen Wald ausmachen, über 1.000 Jahre alt und der Boden ist von Moosen, Farnen und Pilzen bedeckt.

Bald haben wir das Meer erreicht und finden einen kleinen Weg, der uns ans Wasser führt. Wir betreten einen Strand, der aus schroffen Felsen und Schotter besteht und voll mit Treibholz und Muschelresten ist. Ein salziger Algengeruch steig in unsere Nasen.

Wir beginnen eine Klettertour über die scharfkantigen Felsen und enden immer wieder an nur schwer zu überwindenden Stellen, manchmal versperrt und das Wasser vollständig den Weg. Wir wollen weiter nach vorne, um einen besseren Ausblick zu haben.

Das ist sie die Juan de Fuca Straße, auf der anderen Seite sind die USA mit dem Bundesstaat Washington und ziemlich genau gegenüber von unserem Standort haben wir bei unserer Reise durch den Nordwesten der USA ein paar Tage verbracht.

Wir platzieren uns ein Stück weiter oben auf einem Felsen, gleich neben 3 Vogelbeobachtern.
Sie geben sich laufend die Position von diversen Vögeln bekannt, von Pelikan bis Herons. Die Aufregung steigt, als einer von ihnen einen Storm Petrel entdeckt.

Mit unserem kleinen Feldstecher beobachten wir ein paar Robben, die im Kelpwald nach Futter suchen, bevor wir uns nach einer kleinen Stärkung wieder auf den Weg zurück in den Wald machen. Genau hinter uns ist ein Zugang zu dem Weg, über den wir gekommen sind, wir hätten uns die Klettertour über die Felsen also sparen können.

Dieser Baum hatte wohl eine Phase, in der er sich über seine Wuchsrichtung nicht ganz im klaren war, mittlerweile hat er sich aber gefangen und strebt nach oben.

Der Weg führt immer wieder hin und her zwischen Strand und Regenwald. Wir haben das Glück zur rechten Zeit hier zu sein, denn die Ebbe hat ihren Tiefstpunkt erreicht und der Fels ist bis weit hinaus begehbar, also nichts wie hin.

Der Fels ist hier mit unzähligen kleinen Löchern überzogen, in den das marine Leben sprießt. So finden wir Anthopleura elegantissima, die pink-tipped anemone, auf Deutsch unspektakulär Klonanemone.

In einem etwas größeren Pool finden wir die leuchtend grünen Mopalia muscosa, einen achtplattigen Meeresmollusk, auch mossy Chitons genannt. Sie leuchten giftgrün im UV-Licht und ernähren sich von Algen.

Auf den Resten dieser Miesmuschel (Mytilus edulis) hat sich allerlei neues Leben einen Platz gefunden.

Auch ein kleiner Krebs quert unseren Pfad. Sehr wahrscheinlich ein Hemigrapsus nudus, eine Purpur-Ufer Krabbe.

Es ist Zeit weiterzuwandern und beim Blick zurück zum Wald stellt sich die Frage unter welchem Baum war der versteckte Weg, über den wir gekommen sind?

Wir haben den Ausgang gefunden und sind wieder auf unserem Trail. Noch ein paar Mal erhaschen wir einen Blick auf den Strand, an dem sich das Treibholz oft meterhoch auftürmt.

Dann beginnt der Pfad wieder anzusteigen und das Rauschen des Meeres verschwindet langsam im Hintergrund. Dafür hören wir immer wieder die Warnrufe der Eichhörnchen, wenn wir ihren Futterplätzen zu nahe kommen.

Beim Überqueren eines kleinen Baches finden wir einen Pilz, der beschlossen hat, direkt im Bachbett zu wachsen, womit die Versorgung mit Wasser wohl sichergestellt ist. Unser Nachbar Peter oder Gottfried können uns sicher sagen, welche Pilzart das ist, die hier auf Vancouver Island wächst und wie ein Fliegenpilz aussieht.

Unser Haus ist voll mit Büchern über Schiffe, das Angeln, den Luftkrieg des 2. Weltkrieges und Schwammerl, gute Kombi. Also holen wir eines der Bücher heraus, um uns bei der Bestimmung zu unterstützen und was sehen wir da gleich am Cover des Buches? Amantia muscaria, na, wenn das kein Zeichen ist! Wir legen uns also auf den Fliegenpilz fest und freuen uns schon auf vertiefende Diskussionen mit unseren beiden Pilzkundlern.

Das Ende des Rundweges ist erreicht und wir kommen wieder am Parkplatz an, nur 50 Meter vom Einstiegspunkt entfernt. Und was sehen wir hier? Wäre das nicht am Startpunkt sinnvoller platziert? 😉

Wir kehren in unser Haus zurück und genießen den restlichen Tag. Morgen geht es weiter, mit vollem Programm.

Bis dahin wünschen wir der Leserschaft wohl zu ruhen, gute Nacht.