An die Ostküste

Voller Freude und ausgeschlafen können wir berichten, der Handwerker ist nicht aufgetaucht.

Dafür ist ein dichter Nebel aufgezogen, sodass erst gegen 10:00 die ersten Flugzeuge starten, ein sehr ruhiger Morgen. Das ist etwas, das wir aus Tofino mitnehmen, Ruhe, die Nächte hier sind totenstill.

Heute geht es an die Ostküste von Vancouver Island. Also packen wir unseren gesamten Hausrat wieder ins Auto und stellen fest, der Kofferraum wird immer voller. Aber genau aus diesem Grund haben wir auch ein so großes Auto gewählt, keine Platzprobleme. Die haben wir erst am Ende, wenn das alles in unsere Koffer passen muss.

Wenn man in Tofino ein Reiseandenken kaufen will, dann ist man wirklich gefordert. Als letzte Chance gibt es am Ortsrand noch die Touristeninformation. Wir finden ein T-Shirt und einen Magneten für unseren Eiskasten. Er zeigt einen alten Surfer-VW-Bus und das Vorbild, nach dem er gefertigt wurde, steht hier vor der Türe, fahr- und surfbereit.

Bald ist der morgendliche Nebel verschwunden und ein strahlend blauer Himmel begleitet unsere Abreise.

Vor uns liegen wieder etwa 80 Kilometer enger Straße mit drei oder vier Überholmöglichkeiten, es dauert also nicht lange, bis wir auf den ersten Wohnwagen auflaufen, der hinter zwei Wohnmobilen herfährt. Gut, dass wir keine Termine haben.

Bald haben wir den Wald und etliche Wohnungen auf Rädern hinter uns und kommen in Port Alberni an.

Eine Stadt, die sich selbst Kanadas ultimative Fischer-Stadt nennt.

Als wir die Stadt verlassen und es etwas den Hügel hinaufgeht, sehen wir im Rückspiegel einen Holz-Truck näher kommen. Was für ein Glück, dass es hier eine passing lane gibt, einen doppelspurig geführten Straßenabschnitt, der speziell dafür gebaut wird, um an langsameren Fahrzeugen vorbeizukommen. Also fahren wir schön in der rechten Spur und lassen ihn vorbeiziehen. Nerven gespart. 😉

Wir kommen wieder an Cathedral Grove vorbei, wo vor ein paar Tagen die Leute mit hunderten Autos die Straße verparkt haben, um die großen Bäume in diesem Waldstück zu sehen. Heute ist bedeutend weniger los, aber nachdem wir in den letzten Tagen mehr als genug alte Baumriesen gesehen haben, fahren wir weiter.

Wie letztens schon beschrieben, ist die Straße nach Tofino eine Sackgasse, wir fahren somit an vielen Orten noch einmal vorbei, so auch am Goat-on-the-Roof Shop. Es ist Freitag und viele Leute sind auf dem Weg Richtung zur Westküste, um dort das Wochenende zu verbringen. Der Shop ist voll, also bleiben wir nur kurz stehen, um für Arno ein paar Egg Custard Tartes zu holen, bei uns bekannt als portugiesische Pastel de Nata.

Als wir vor ein paar Tagen einer Woche auf die Insel kamen, haben wir gleich zu Beginn eine kleine Obst-Farm besucht und von der Besitzerin den Tipp bekommen, dass ihr Neffe weiter nördlich ebenfalls eine Farm mit Verkauf hat. Wir verlassen unsere Route kurz, um Silver Meadows Farm zu besuchen.

Uhh, hier gibt es Pie, leider ist er tiefgefroren und wir verbringen die Nacht in einem Hotel. Ein wahrer Schlag für die Dame des Hauses.

Dafür kommen frische Heidelbeeren in den Einkaufskorb.

Hier soll es auch ein Mais-Labyrinth geben, das wollen wir uns anschauen. Wo ist da der Eingang?

Neiiin, es macht erst am 1. Oktober auf, noch ist kein Weg durch den Kukuruz geschnitten.

Unser weiterer Weg führt uns nun direkt an der Ostküste entlang, es gäbe eine Autobahn, die zu unserem Ziel führt, aber wer will dort schon reisen? Auf einem Rastplatz machen wir einen kurzen Stopp und gehen durch die Büsche hinunter zum Meer. Im Gestrüpp finden wir ein altes Schild, das anzeigt, dass hier eine Austernfarm ist, also weiter.

Weit draußen sind die Boote und Plattformen der Austernfarm zu erkennen.

Laut dem Schild darf man keine Austern ernten, also nehmen wir nur ein paar Schalen als Deko mit.

Leichte Wolkenschleier zeigen sich am Himmel, es soll morgen weiterhin gutes Wetter geben. Darauf setzten wir, denn wir fahren nach Campbell River nicht, weil die Stadt so spektakulär ist, sondern weil hier unsere erste Whale Watching Tour startet.

Die Stadt tut alles, um uns davon zu überzeugen, dass sie mehr zu bieten hat, als nur den Pier, von dem wir ablegen. Am Meer steht ein japanisches Tori, das die Grenze zwischen dem alltäglichen und dem göttlichen symbolisiert. Das Zinnoberrot soll böse Geister und Unheil abwehren.

Der 50. Breitengrad verläuft durch diesen Markierungsstein. Campbell River zeigt, was es zu bieten hat.

Damit sind wir nun etwa auf der Höhe von London, etwas südlich von Berlin.

In einem unspektakulären Hotel gehen wir heute zu Bett.

Wir wünschen euch eine gute Nacht und freuen uns auf die Abenteuer, die uns morgen erwarten.