Gestern stand da noch unsere Northern Expedition, doch irgendwann in der Nacht gab es einen Wechsel und nun steht da unten die Northern Adventure, etwas kleiner und älter.
Wir sind ausgeschlafen und machen uns auf den Weg zu einer alten Fischfabrik, um uns anzusehen, wie im letzten Jahrhundert Fischdosen hergestellt wurden.
Also verlassen wir die Wohngegend am Hafen und holen uns bei Tim Hortons, einer kanadischen Institution was den morgendlichen Kaffee und das Frühstück angeht.
Auch hier hat die Potter-Mania voll zugeschlagen. Mit so einem Hogwarts 12er-Pack Donuts mit schlanken 4.000 kcal würden wir unserer Nichte Jenny wohl eine Freude machen, aber bis wir zurückkommen …
Wir holen uns einen Cappuccino und eine Hot Chocolate, ganz normal, ohne Zauber. Auf einem Rastplatz mit entsprechender …
… Aussicht bekommen wir dann unser Frühstück.
Am Meer entlang führt uns die Straße an die Mündung des Skeena River in Port Edward.
Die Straße dorthin ist in einem erbärmlichen Zustand, so tiefe Schlaglöcher haben wir seit 1986 in der tiefsten Tschechoslowakei nicht mehr gesehen. Vor uns fahren zwei Pick-Ups der kanadischen Eisenbahngesellschaft CN. Sie fahren teilweise im Schritttempo. Und diese Straße führt zu einem historischen Erbe Kanadas …
Gut durchgeschüttelt erreichen wir die North Pacific Cannery, die älteste noch erhaltene Lachskonservenfabrik an der Westküste Nordamerikas.
1889 wurde sie errichtet und war bis 1968 in Betrieb.
Wir bekommen einen Stempel und sind für die 2 Uhr Führung eingetragen. Bis dahin erkunden wir die Fabrik auf eigene Faust.
Manche Gebäude, wie diese Fischöltanks sind sehr gut erhalten.
Bei anderen kann man nicht einmal mehr erahnen, welche Funktion sie einmal hatten.
Zu Beginn war diese Anlage nur während der Lachssaison in Betrieb. Der Fisch wurde direkt im Fluss mithilfe von Holzbooten und Netzen gefangen und sofort in Dosen verpackt.
Der Manager der Fabrik hatte hier sein eigenes Haus.
Ausgestattet mit modernster Technik wie Funkgerät und Schreibmaschine. Babs hat sicher schon erkannt, dass es sich um eine Remington Noiseless handelt. Der Klassiker auf dem auch Winston Churchill tippte.
Es gibt auch noch die alte Messe, in der das Essen gekocht und ausgegeben wurde. Auch heute noch dient es diesem Zweck und wir finden uns zum Mittagessen ein.
Die Einrichtung ist rustikal und auch Mama, die Köchin/Eigentümerin/Kellnerin hat einen entsprechenden Charme.
Einmal Flatbread mit Käse und den Taco von der Tageskarte.
Entgegen allen Vorhersagen bleibt das Wetter draußen bestens.
Die Glaskugel, die oben links am Fenster hängt, ist ein gläserner Schwimmer für ein Fischnetz. Sie kamen aus Japan und wurden bald durch hölzerne ersetzt, denn der Fluss ist zu steinig und daher zerbrachen sie schnell.
Mit der Führung kommen wir dann auch in Gebäude, die so nicht zugänglich sind. So etwa das Netzhaus, in dem Netze hergestellt und repariert wurden. Da der Raum recht groß ist, wurde hier auch Basketball gespielt oder zum Tanz aufgespielt.
Hier waren Arbeiter aus Europa, Japan, China und Einheimische der First Nations stationiert.
Die Chinesen waren für das Butchering zuständig, das Zerlegen der Lachse. Sie wurden singing blades (singende Klingen) genannt, denn sie konnten in einer Minute sechs Lachse komplett ausnehmen. Das heißt: Kopf und Schwanz ab, die Bauchflossen entfernt, Rückenflosse runter, ein Bauchschnitt, um die Innereien zu entfernen und diese auch gleich herausholen. In 10 Sekunden das Stück.
Nun kamen die vorbereiteten Lachse in das Schleimbecken, wo sie entschuppt und gewaschen wurden.
Dann wurden die Fische von einem drehenden Messer in Stücke geschnitten.
Die Arbeiterinnen füllten den Fisch manuell in Dosen. Ein Tray hat 24 Dosen, drei Trays pro Minute. Akkordarbeit. Wenn eine Dose nicht ausreichend befüllt war (1 Pfund Lachs) wurden sie für das gesamte Tray nicht bezahlt.
Die Dosen wurden mit einem Deckel versehen.
Um sie dicht zu verschließen, wurden die Dosen von einer Kette durch eine Rinne mit flüssigem Blei gezogen und dabei gedreht.
Dann folgte das Haltbarmachen im Druckkessel und das Etikettieren für den Versand in die ganze Welt.
In der direkten Umgebung gab es bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts vier weitere Fabriken, im Nordwesten über 30. Heute ist davon nichts mehr übrig.
Sehr spannend und lehrreich.
Wieder zurück in unserer Unterkunft heißt es wieder Wäschewaschen.
Da wir nun landein fahren, werden wir das Meer erst wieder ganz zum Schluss sehen. Bis zum Sonnenuntergang ist die Hafenmeisterin daher damit beschäftigt, zu schauen, dass da unten alles mit rechten Dingen zu geht.
Mit dem letzten Sonnenuntergang am Pazifik geht der Tag für uns zu Ende.
Wir wünschen euch eine gute Nacht.


























