Schon frühmorgens sitzt die Hafenmeisterin auf ihrem Platz und stellt sicher, dass alles in geordneten Bahnen verläuft. Flugzeuge, Lastkähne, Wassertaxis, Whale Watching Touren und Kajakausflüge, da ist viel zu tun.
Vor allem die Wasserflugzeuge, die mit Sonnenaufgang ihren Flugbetrieb aufnehmen, werden streng beäugt. Aber auch ein Seeotter schwimmt vor unserem Haus vorbei und holt sich vom Grund Muscheln herauf, um sie dann in Rückenlage zu verspeisen. Ein frecher Waschbär sucht am Strand nach Futter.
Der Plan für heute ist eine Wanderung, um drei Strände entlang der Küste zu erwandern. Vamos a la playa haben wir den heutigen Eintrag genannt und hoffen, dass es besser läuft, als im gleichnamigen Song von Righeira aus dem Jahr 1983.
Tofino ist eine sehr touristische Stadt und schon bei der gestrigen Anreise war uns schnell klar, dass wir das Auto hier am besten stehen lassen. Das heißt auch, dass wir bis zum Beginn des Trail marschieren werden, heute werden uns noch die Füße rauchen.
Den Rucksack gepackt gehen wir los und kommen durch einen kleinen Park, in dem es einen Platz für das Hufeisenwerfen gibt, Anmäuerln für Fortgeschrittene sozusagen. Leider gibt es vor Ort keine Eisen zum Werfen, vielleicht ein anderes Mal.
Bald haben wir den Rundweg erreicht und gut, dass wir nicht mit dem Auto gekommen sind, gerade einmal sieben Parkplätze gibt es hier und die sind alle vergeben. Wir starten in den dichten Wald.
Bald ist der erste Strand erreicht, Tonquin Beach. Drei weitere wollen wir auch noch besuchen, also halten wir uns nicht zu lange auf.
Zurück im Wald sehen wir etwas, das ganz typisch für die Regenwälder dieser Region ist. Die Böden sind eher arm an Nährstoffen und daher wachsen neue Bäume oft auf den umgefallenen Stämmen ihrer Vorfahren. Diese stellen in ihrem Verrotten der nächsten Generation die lebenswichtigen Grundbausteine des Lebens zur Verfügung.
Pilze wachsen recht gut und somit gibt es wieder ein Bilderrätsel für unsere Kundigen. In unserem derzeitigen Haus gibt es leider keine Bestimmungsbücher für Pilze und Schwammerl, also können wir nur die Bilder zur Verfügung stellen.
Der Trail hat mehrere Aussichtspunkte, an denen man von oben auf Buchten blicken kann. Die beiden Balken dieses hölzernen Geländers wurde mittlerweile vom Wald schon wieder absorbiert. Auch der Ausblick ist komplett zugewuchert, was wir hier wohl verpassen?
Diese Wälder sind, wie schon erwähnt voll von skurril verbogenen Ästen …
… und manchmal sogar ganzen Bäumen.
Man kann den Wald hier fast als Urwald bezeichnen, denn er entwickelt sich ohne menschlichen Einfluss. Fällt ein Baum um, so bleibt er einfach liegen und verrottet langsam. Die einzige Ausnahme ist, wenn er über den Weg fällt, dann wird das Stück über dem Pfad ausgeschnitten und zur Seite geworfen. Schnell wird so eine Baumscheibe von neuem Leben bevölkert.
Der zweite Strand ist erreicht und seltsamerweise heißt er Third Beach. Also hätte man von dem überwucherten Aussichtspunkt wohl einen Second Beach sehen können.
Ein steiler Pfad voll rutschiger Steine führt hinunter zu einem sehr kleinen Stück Sandstrand, das von hohen Felsen umgeben ist. Wir sind alleine, der Abstieg ist vielen wohl zu anstrengend.
Und so erreichen wir mit dem Middle Beach den dritten (oder vierten Strand) des Wanderweges. Er ist der größte und ist auch der Wendepunkt des Trail, von hier an geht es wieder zurück.
Eine einsame Wanderin, die wir schon zuvor im Wald getroffen haben, macht ihre Yogaübungen, als wir kommen.
In unserem Rucksack ist immer eine Decke für ein Picknick auf solchem Untergrund mit dabei. Dankenswerterweise hat jemand zwei große Holzstücke mitten auf dem Sand platziert, somit sitzen wir gemütlich, während wir Cracker und getrocknete Wurst essen.
Wir lassen den stillen und einsamen Strandabschnitt hinter uns und gehen wieder zurück in den dichten Wald.
Dieser Baum liegt zwar über den Weg, aber wenn man sich bückt, kommt man leicht darunter durch, also kann er bleiben, wie er ist.
Der Trail liegt hinter uns und wir starten den zweiten Teil unseres Ausfluges, das Einkaufen von Grundnahrungsmitteln wie Brot. Dazu gehen wir in die kleine Bäckerei Common Loaf Bake Shop …
… und holen uns das Three Grain Bread.
Nachdem es schon ein gutes Stück nach Mittag ist, gehen wir weiter an andere Ende der Ortschaft, um dort etwas zu essen.
Unterwegs kommen wir an einem der Unternehmen vorbei, die Whale Watching Touren anbieten. In dieser Gegend sind Orcas sehr selten, im besten Fall sieht man ein paar Buckelwale. Daher machen wir unsere Touren an anderen Orten.
Wir kommen im Shelter Restaurant zu einem späten Lunch an.
Neben einer Bowl mit lokalem Wildlachs, der orange ist wie eine Warnweste, probieren wir ein Tuna Tataki, das in diesem Bild durch den roten Sonnenschirm etwas bleich ausschaut. Leicht geflämmter Thunfisch auf Reiscrackern mit eingelegten Jalapeños.
Nach fünf Stunden Wandern und einem Essen später sind wir wieder zurück und die Hafenmeisterin nimmt mit ihrem Feldstecher wieder den gewohnten Platz ein. Unsere Nachbarn, die Coast Guard, wird in den nächsten Minuten vorbeikommen und eine Meldung über die Vorkommnisse der letzten Stunden geben.
Kurz vor Sonnenuntergang gehen 7 Seeleute der Coast Guard an Bord der Cape Ann und legen Richtung Westen ab.
Für morgen ist schon ein Boot gebucht, das uns Meares Island bringen wird.
Bis dahin lassen wir unsere Hax’n ein bisserl ausruhen. Gute Nacht.
PS: Das Brot war leider ein Reinfall, kein Gramm Salz, Zucker, Gewürz oder Malz. Einfach nichts, nur Mehl, Wasser und Hefe. Die drei Getreidesorten bringen enttäuschenderweise keinerlei Geschmack in den Teig.

























