Die Sonne geht gerade auf, da sind wir schon munter und abreisebereit. Das heißt für heute mehrere Schichten zum Anziehen mit dabei zu haben, es wird kühl, draußen am Meer.
Im Hafen von Campbell River wartet schon die poho (auf Deutsch Rabe) mit Skipper Ron auf uns.
Es dauert nicht lang, da bekommen wir über Funk den ersten Tipp, wo sich ein Buckelwal aufhält. Vollgas voraus, die kalte morgendliche Luft pfeift uns um die Ohren.
Nur der harte Kern bleibt am Vordeck im Freien, die meisten gehen in die geheizte Kabine.
Dann haben wir den Buckelwal, von dem es rund 300 Stück in dieser Gegend gibt, gefunden.
Ein halbes Jahr verbringen sie in dieser Gegend, hinauf bis Alaska und fressen die ganze Zeit. Dann geht es für die restlichen sechs Monate des Jahres nach Hawaii zur Paarung, wobei sie nichts zu sich nehmen. Und dann beginnt der Zyklus wieder von vorne.
Buckelwale sind Bartenwale, sie haben keine Zähne, sondern Hornplatten im Oberkiefer. Sie reißen ihr Maul auf, nehmen einen riesigen Schluck Wasser auf, schließen das Maul und drücken das Meerwasser mit ihrer muskulösen Zunge durch die Barten. Dabei bleiben kleine Meeresbewohner (Krill und Fische) darin hängen und werden verschluckt.
Bis zu 90° können sie ihr drei Meter großes Maul dabei öffnen. Einen Menschen können sie jedoch nicht verschlucken, denn so groß das Maul auch ist, der Schlund hat den Durchmesser einer Grapefruit. Alles was sie schlucken ist sehr klein.
Nachdem der Wal vom Fressen aus der Tiefe hochkommt, bläst er, wodurch er seine Position verrät. Dieses Blasen ist einfach das Ausatmen des Tieres. Weit ist die Wasser und Luft Fontäne zu sehen.
Dann schwimmt er knapp unter der Wasseroberfläche entlang und holt 3 – 5 Atemzüge, bevor es wieder nach unten geht.
Bei diesem Atemholen sieht man nur die Rückenfinne etwas aus dem Wasser kommen.
Beim letzten Atemzug kommt der Rücken höher aus dem Wasser. Das zeigt an, dass er gleich abtauchen wird.
Das Abtauchen wird durch das Hochheben der Fluke (Schwanzflosse) eingeleitet, dann gleitet es in die Tiefe.
An Form und Farbe der Schwanzflosse kann man die Wale sehr gut identifizieren.
Fünf bis zehn Minuten dauert ein durchschnittlicher Tauchgang.
Dann ist er verschwunden. Sein Körper ist so hydrodynamisch perfekt geformt, dass er keine Bugwelle hinterlässt. Lediglich ein kurzer Streifen spiegelglatten Wassers bleibt zurück.
Nach einigen Tauchgängen erklärt uns Emma, unser Guide, dass er jetzt wohl weg ist und wir die Position wechseln werden. Was sie nicht weiß, der Wal in diesem Moment keine zwei Meter unter unserem Boot.
Plötzlich taucht er zum Blasen keine 3 Meter backbord vom Boot aus der Tiefe auf, zu überraschend, um ihn bildlich festzuhalten. Beeindruckend, denn er ist etwa so groß wie unser Boot, gut 16 Meter. Ron, der Skipper, meint, er spielt mit uns.
Auf der Suche nach Orcas fahren wir zwischen den Inseln hindurch, bleiben immer wieder stehen und suchen nach den Jägern der Tiefe. Buckelwale schwimmen zwischen den Inseln und blasen große Fontänen. Orcas schwimmen eher an der Küstenlinie entlang und stoßen beim Ausatmen viel weniger Wasser aus, wodurch die auch schwerer zu entdecken sind. Dafür haben sie ihre großen Rückenfinnen, die aus dem Wasser ragen.
Zweimal wechseln wir noch die Position, leider ohne Erfolg.
Dafür bekommen wir den Hinweis auf einen weiblichen Wal mit Kalb und beobachten sie ein paar Tauchgänge lang. Bedingt durch das Junge sind sie kürzer, als des einzelnen Exemplars zuvor.
Zum Schluss geht es noch zu einer Insel, auf der sich Seelöwen und Hafenrobben aufhalten.
Seelöwe und Grizzlybär sind nahe miteinander verwandt. Der Schädel eines Seelöwen sieht dem eines Grizzlys zum Verwechseln ähnlich. Nur die vorderen Mahlzähne eines Seelöwen sind spitzer, da er sich nicht primär vegetarisch ernährt, wie der Bär.
Nach gut vier Stunden kehren wir zurück, nur zwei Personen sitzen noch immer an Deck und suchen nach weiteren Walen. Einmal sehen wir in der Ferne mehrere Buckelwale blasen, zu weit, um noch hinzufahren.
Kurze Zeit springen ein paar Weißseitendelfine (Lagenorhynchus acutus) neben dem Boot aus dem Wasser und sind verschwunden, bis das Boot zum Stillstand kommt.
Wieder zurück im Hafen genehmigen wir uns als Mittagessen klassische Fish-n-Chips am schwimmenden Pier.
Mit Coleslaw, Pommes frites und Sauce Tartar. Sehr fein.
Als wir das Dock verlassen und an der Warteschlange für die Fähre, die hier ablegt, vorbeikommen steht da eine Harley-Davidson Flathead aus den 1940er Jahren mit laufendem Motor, ein Traum.
Bei all dem, was wir heute schon erlebt haben, ist es erst Mittag und wir müssen noch ein gutes Stück Richtung Norden, bis nach Port McNeill. Also fahren wir los, weiter an der Küste entlang.
Bald geht es weiter ins Innere der Insel. Ab hier sieht man nur mehr ganz wenig Touristen, wenn dann Einheimische auf dem Weg zu einem Campingplatz.
Bei uns gibt es Schilder, die warnen vor Wildwechsel auf den nächsten 2 Kilometern, hier sind die Distanzen etwas anders, 65 km.
Wir erreichen den kleinen Ort Woss, in dem es zwei alte Lokomotiven der Englewood Logging Division zu besichtigen gibt, die einst Holz über die Insel gezogen haben. Wir haben die Schienen in den letzten Tagen öfters gequert und sie sind meist von Büschen überwuchert. Seit den späten 1980er Jahren ist hier wohl kein Zug mehr gefahren.
Die erste ist eine Diesellok Modell 303 aus dem Jahr 1958.
Davor war ab dem Jahr die Loci 113 im Dienst, eine 2-8-2 Dampflokomotive.
Für einen Moment geht Arno aufs Klo und schon ist Vince von Babsy gekapert.
Auf dem Weg kommen wir unter ein paar Brücken hindurch, die erste hat als maximale Durchfahrtshöhe 5,32 Meter angegeben. Die nächste 5,28 m, dann nur mehr 5,23 m, gefolgt von 5,21 m und schließlich 5,20 m. Als Schwertransport muss man hier genau wissen, bis wohin man fahren will. Aber nicht das zwischen den Brücken mehrere Ortschaften wären, nein, nur Wald.
Kurz bevor wir unser Ziel erreichen geht es noch über eine frisch bemalte Brücke …
… hinter der auf einem kleinen Parkplatz ein Totem steht.
Wie erreichen unser Haus für die nächsten Tage.
Mit großem Garten samt Meerblick. Ja, Babsy hat ihre kanadische Tarnjacke an.
Penny unsere Vermieterin hat uns für heute Abend eine Feuerschale vorbereitet. 🙂
Sobald die Sonne untergegangen ist, entzünden wir unser Feuer.
Ein paar Stunden später ist nur noch Glut übrig, wir haben viel geredet, überdacht und geplant.
Mit den letzten Funken wünschen wir eine gute Nacht.































