Roadtrip British Columbia

Zurück nach Vancouver

Die letzte Etappe beginnt bei, wie üblich, morgendlich bedecktem Himmel. Rund 400 km liegen heute vor uns.

Ein besonderes Verkehrszeichen wollten wir euch noch vorstellen. Ampeln springen hier ohne grün Blinken von Grün auf Gelb auf Rot. Ok, soweit kennen wir das aus den USA. Um die Sicherheit zu erhöhen, so nehmen wir an, steht vor jeder Ampel ein Schild, das gelb zu blinken beginnt, wenn die Ampel dahinter bald auf Gelb und dann Rot schalten wird. Was für ein Aufwand, man könnte doch einfach die Gelb-Phase verlängern oder wie bei uns grün blinken. Man kann auch so die Wirtschaft stützen.

Über den Highway 3a geht es Richtung Süden. Highway klingt so groß und bedeutend, ist aber nicht mehr als eine Landstraße. In Keremeos biegen wir auf den Highway 3 ab.

Kurz vor der Kreuzung wird mit einem Schild der Früchtestand vom Peach King angekündigt. Babsys Augen beginnen zu leuchten, ‘Ein Früchtestand …’.

Wir sind nur mehr drei Tage hier und haben immer noch Äpfel, Erdäpfel und Knoblauch von einem ähnlichen Verkaufsstand seit dem zweiten Tag im Auto. Aber was tut man nicht alles für eine glückliche Ehefrau.

Hier gibt es rote Äpfel …

… und Kürbisse …

… und grüne Äpfel …

… und Knoblauch …

… und noch mehr Kürbisse und, und, und.

Die ganze Ortschaft besteht nur aus Verkaufsständen und dahinter Anbauflächen.

Von hier an geht es bergauf und ein Warnschild weist darauf hin, dass die Straße in der kälteren Jahreszeit gerne einmal vereist.

Auf einem kleinen Rastplatz machen wir Pause und kaum dass wir unser, noch verpacktes Essen für Sekunden aus den Augen lassen sitzt schon ein Stellar Jay am Tisch und schaut, was es da so gibt.

Die ganze Zeit springt er um den Tisch herum, fliegt in den Baum über uns, nur um gleich wieder zurückzukehren. Sein blaues Gefieder leuchtet wunderschön in der Sonne.

Über Hedley und Princeton fahren wir in den Manning Provincial Park.

Wir zweigen auf eine kleine und enge Bergstraße ab und es geht durch etliche Kehren weit hinauf.

Neben der Straße geht es tief in den Abgrund.

Wir erreichen den Cascade Lookout. Und somit schließt sich ein Kreis, der Jahrelang offen war. Bei unserer zweiten Reise auf den nordamerikanischen Kontinent haben wir den Nordwesten der USA erkundet. Dabei haben wir uns den Northern Cascades Nationalpark angesehen.

Die Berge im Vordergrund sind kanadisch, die zweite Reihe steht bereits in den USA, in ebendiesem Northern Cascades Nationalpark. Keine 6 km von hier ist das Nachbarland. Vor ein paar Jahren waren wir also ebenfalls so nahe, nur auf der anderen Seite dieser Berge, an der Grenze.

Auf der anderen Seite des Tals gibt es (rechts im obigen Bild) den Lightning Lake. An dem wollen wir noch eine kleine Pause mit Bewegung machen. Also wieder bergab.

Zu Babsys Freunde leuchten die Eschen wieder in ihrem herbstlichen Goldgelb.

Die Menge an Autos am Parkplatz des kleinen Sees überrascht uns, vor allem, da heute Montag ist und die Wochenendausflügler schon weg sein sollten.

Am See selbst sind nur wenige Leute anzutreffen, wir finden aber heraus, dass von hier fünf Trails in unterschiedlichen Längen und Schwierigkeitsstufen starten. Daher wohl all die Fahrzeuge.

Es geht weiter durch das Sunshine Valley und wo man nach oben fährt, geht es irgendwann auch wieder bergab. Oft recht rasant.

Das Tal überrascht uns mit mehreren Baustellen, meist mit einspurigem Verkehr und Wartezeiten von bis zu 20 Minuten. Aus der ursprünglich recht einsamen Fahrt wird dadurch ein Kolonnenfahren zwischen den Ampeln.

Liebe Cineasten, ja wir sind tatsächlich hier, im echten, da wo 1982 der Film gedreht wurde. Hope in British Columbia, nicht wie im Film behauptet in Washington (auf der anderen Seite der Grenze, denn dort gibt es das nicht).

Hope ist als ‘Chainsaw Carving Capital of Canada‘ bekannt und alle zwei Jahre findet hier ein großer Wettbewerb mit Holzschnitzen mit Motorsägen statt. All diese Figuren sind dabei entstanden.

Um den Film und seine Bedeutung für die kleine Ortschaft zu unterstreichen, steht auch diese geschnitzte Holzfigur hier, Sheriff Will Teasle. Klingelt es jetzt, von welchem Streifen wir hier sprechen?

Jetzt wirds aber leicht, denn hier kommt die (hölzerne) Hauptrolle. Hier wurde Rambo – First Blood, der erste Film der Serie, gedreht.

Ein Blick hinauf die Hauptstraße zeigt die Berge, in den John Rambo sich vor der Polizei versteckt hat.

Im lokalen Kino, das schon bessere Zeiten gesehen hat, zeigt man am 17. Oktober einen Livestream aus der New Yorker Met – Macbeth und am 22. dann Rambo – First Blood. Kulturell breit aufgestellt.

Für Horror-Nerds gibt es ein Fish & Chips Lokal mit besonderem Namen. Wir haben derzeit keinen Hunger und verzichten auf frittierte Deep Ones.

Von hier nutzen wir den Highway 7, um weiter nach Süden zu kommen.

Wir erreichen Agassiz und überqueren zum wiederholten Mal in den letzten zwei Wochen, den Fraser River. Mit 1.345 m der längste Fluss in British Columbia.

Ab hier fahren wir auf dem Freeway 1, dem Äquivalenten zu einer Autobahn bei uns. Keine Fahrzeuge unter 60 km/h Bauartgeschwindigkeit dürfen hier fahren. Außer Fahrräder, ja wirklich. Wenn man seines Radfahrerlebens überdrüssig ist, kann man mit dem Rad auf die Autobahn. Nett sind dann die A4-großen grünen Schilder, die Auto- und Lkw-Fahrer an Ausfahrten darauf hinweisen, dass es möglich ist, dass ein Radfahrer geradeaus weiterfahren möchte und man ihn tunlichst nicht mit 110 km/h über die Böschung schieben möge.

So einige zweifelhafte, jedoch sicherheitsrelevante Entscheidungen im Straßenverkehr gibt es in Kanada schon. So wie: Achtung! Elche, Hirsch und Bären queren die Straße. Und im selben Moment wird die Geschwindigkeitsbeschränkung von 70 auf 100 gehoben.

Wir erreichen mit einer ansteigenden Anzahl an Spuren und Fahrzeugen den Großraum von Vancouver. Eine 30 km Baustelle mit einer Mischung aus Kolonnenverkehr und Stau erinnert uns an Verhältnisse wie auf deutschen Autobahnen.

Wir nutzen die Diamond-Lane, eine eigene Spur für Autobusse und Fahrgemeinschaften, also Autos mit mehr als einer Person. 😉

Vor uns liegt die 10-spurige Mann Harbor Bridge. Die Schrägseilbrücke bringt uns wieder über den Fraser River.

Seit 2012 überspannt die 42 Meter hohe Brücke den Fluss mit einer Gesamtlänge von 2020 Metern. Mit einer Breite von 65 Metern ist sie eine der breitesten Brücken der Welt. Seit 2017 mautfrei. An der Unterseite des Bauwerks ist alles vorbereitet, um später eine Bahnlinie hinzuzufügen.

Bevor es in unsere letzte Unterkunft geht, fahren wir direkt zu unserem Abendessen im Shazde House, einem persischen Lokal.

Als wir die Girlande ‘Happy birthday‘ sehen und das Mikrofon für den Alleinunterhalter, beschließen wir zügig zu essen. Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie persische Geburtstagsfeiern ausgehen können. 😉

Soltani Kebap für Arno.

Vaziri Kebab für Babsy, beides hervorragend. In diesem Viertel von Vancouver reiht sich ein persisches Lokal an das nächste.

Machen wir einen Sprung in eine ganz andere Kultur, die der First Nations. Unsere letzte Unterkunft hat etwas Spezielles, einen Totem im Wohnzimmer. Er stellt Mother Bear und damit den mütterlichen Schutz, bedingungslose Liebe und die heilige Verbindung von Tier und Mensch dar.

Das ist kein hipper Einrichtungsgegenstand, denn das Haus gehört der Tochter von Häuptling Khot-La-Cha (Man with a Kind Heart) vom Salish Tribe und ist seinem Gedenken gewidmet.

Fun fact: Er war als Schauspieler in zwei Folgen von MacGyver zu sehen, Staffel 3 – Folge 4 und 17.

Wir werden im Schutz von Mother Bear sicher gut schlafen und wünschen euch ebenfalls einen behüteten Schlaf. Gute Nacht.

Durch Vancouver

Der letzte Ausflug steht an und Vince ist diesmal nicht mit von der Partie. Wir erkunden Vancouver zu Fuß und mit den Öffis.

Wir starten mit dem Bus und steigen dann auf den SeaBus um, eine Fähre, die alle 15 Minuten zwischen North Vancouver, wo wir wohnen und den Stadtzentrum verkehrt.

Die Überfahrt ist unspektakulär und hat den Charme einer Wartehalle.

Das Erste, worüber wir stolpern, ist ein Shop der Royal Canadian Mounted Police, den schauen wir uns an.

Hier geben Polizisten aus aller Welt Patches ab, links unten ist die Österreich Ecke. Von der guten alten Gendarmerie, über die Cobra und die LVA Steiermark bis hin zur Justizwache ist hier so einiges aus der Heimat vertreten.

Der Ausblick zurück Richtung North Vancouver lichtet sich langsam und die Sonne kommt durch.

Natürlich gibt es auch hier, wie in jedem Hafen, Wasserflugzeuge. Im Hintergrund schwimmt eine Bootstankstelle von Chevron.

Wir spazieren an der Waterfront weiter an den Hochhäusern entlang, bis wir dann in das Zentrum abbiegen.

Unser nächstes Ziel ist die Dampfuhr, die im Stadtteil Gastown steht. Sie wird mit Dampf betrieben und pfeift alle Viertelstunden die Big-Ben-Melodie vor sich hin.

Wir marschieren quer durch Downtown zum Robson Square, um uns bei einem Foodtruck ein Mittagessen zu holen.

Wir ergattern einen der wenigen Tische, die auf dem Platz zu finden sind.

Es ist die Hoisin Chicken Roll geworden und nach ein paar Bissen ist sie auch schon wieder verschwunden.

Gestärkt geht es weiter zum Granville Island Public Market. Den False Creek, einen zwei Kilometer langen Meeresarm, gilt es dafür noch zu überqueren. Dafür nutzen wir den Aquabus. Kurz warten wir am Anleger, dann kommt die Mini-Fähre auch schon angetuckert.

Platz für gerade einmal 20 Personen zahlt man ein paar Dollar und wird in wenigen Minuten auf die andere Seite geschippert.

Granville Island ist gar keine Insel, wie der Name vermuten lässt, im besten Fall eine Halbinsel.

Der Public Market ist mit dem wiener Naschmarkt vergleichbar, jedoch in einer Halle. Stand reiht sich an Stand, von Fisch über Fleisch, Obst, Gemüse und Käse gibt es auch fertige Speisen aus aller Herrn Länder.

Hier holen sich viele Touristen etwas zum Essen und …

… setzten sich im Freien auf einen der vielen Tische. Begleitet wird das Ganze von wechselnden Alleinunterhaltern mit Gitarre.

Bei einem Stand mit Kuchen und Süßspeisen aller Art holen wir uns einen Karottenkuchen, einen Cannellono und zwei Pastel de nata.

Wir treten mit dem Aquabus und dem normalen Autobus die Heimreise an.

Zu Hause machen wir uns über die Beute, die wir am Markt gemacht haben, her. Zuerst wird das französische Baguette verarbeitet und es ist das erste Brot seit einem Monat, das nicht nur weich ist. 🙂

Am Abend werfen wir dann alles auf einen Haufen, was sich in den letzten vier Wochen so angesammelt hat. Wie wir das in zwei Koffer und zwei Taschen bekommen sollen? Morgen steht wohl eine Runde Tetris an.

Morgen ist Packtag und übermorgen geht es wieder ab nach Hause.

Wir wünschen euch eine gute Nacht.

 

 

 

 

 

 

Auf Wiedersehen

Der letzte Morgen hier in Kanada. Die Nähte jeder einzelnen Tasche sind bis ans Limit gespannt, aber wir haben es geschafft.

Gegen Mittag fahren wir los und biegen gleich auf die Lions Gate Bridge.

Sie bringt uns hinüber in den Stanley Park, den wir durchqueren und bald sind wir am Flughafen.

Hier heißt es nun nach fast 4.200 km von Vince Abschied zu nehmen. Wir haben gemeinsam viel erlebt und er hat uns bestens durch British Columbia gebracht. Mach es gut, alter Freund.

Ein kleines Hoppala passiert uns dann noch auf den letzten Metern. Nachdem wir das Gepäck aufgegeben haben und den Sicherheitscheck hinter uns gebracht haben bemerkt Babsy, dass wir unsere Pullover nicht mehr bei uns haben.
‘Vergessen Sie nicht, alles aus dem Auto zu nehmen.‘ hört Arno die Worte des Hertz-Mitarbeiters, dem wir Vince übergeben haben.

Also macht sich Arno auf dem Weg zurück zur Vermietung und bekommt nach einer kleinen Odysee die Sweater wieder. Eine Prüfung für Babsys Nerven.

Die Boeing 747, die mit Verspätung angekommen ist, hebt ab und fliegt mit uns zwischen Vancouver Island und dem Festland Richtung Norden. Unter uns sehen wir die Cascade Mountains, bis wir nach Osten abbiegen.

Bald hat uns der Jet Stream erfasst und schiebt uns über den Atlantik. Mit gut 1.080 km/h geht es so stundenlang nach Europa. Der Wind ist so stakr, dass wir nicht nur die Verspätung aufholen, sodern sogar noch 45 Minuten früher ankommen.

Die Heimat hat uns nach einmal Umsteigen in Frankfurt wieder.

Zu Hause angekommen öffnen wir die erste Tasche und finden ein Formular, dass anzeigt, dass die Tasche durchsucht wurde. Und es ist genau die, in der wir den Bear Spray versteckt haben – na super. Doch das Glück ist den Schmugglern hold und die Security hat nichts entdeckt. 😉

So können wir unsere Sammlung um eine weitere Dose erweitern.

Nach einem Monat Road Trip durch British Columbia kommen wir erholt und voll mit neuen Eindrücken zurück. Wir haben Kanada sicher nicht zum letzten Mal besucht. Ob wir nächstes Jahr die Rocky Mountains besuchen? Wer weiß.

Wir danken für die Aufmerksamkeit und kümmern uns jetzt um das Wäschewaschen und unser Jet Lag.

Gute NAcht.