Roadtrip British Columbia

Ruhe und Ordnung

Schlechtwetter war angesagt und Schlechtwetter ist gekommen.

Viel haben wir heute nicht vor. Also geht es nach dem Wäschewaschen zum Einkaufen für das Mittagessen.

Es ist Freitag und wie alle ordentlichen Kanadier waschen wir unser Auto. Vor allem der Kofferraum mit seiner hohen Ladekante plus Tiefe des Kofferraums ist schwer zu nutzen, ohne sich anzusauen. Also fahren wir zur Tankstelle und nutzen den Hochdruckreiniger, um Vince etwas sauberer zu bekommen. Nichts Aufregendes, einfach eine Grundreinigung.

Dann geht es wieder zurück zu unserem Farmhaus, wie es an der Straße angeschrieben ist.

Und da steht er, im Glanz seines (wieder) weißen Lacks, unser Vince. Dafür schauen wir aber auch nicht mehr wie ein typisches Auto aus der Gegend aus.

Morgen geht es weiter Richtung Süden, nach Kelowna. Dort ist es derzeit vergleichbar warm wie bei uns zu Hause. Eine Weingegend, na schauen wir, was sie zu bieten haben.

Bis dahin, eine gute Nacht.

Nach Kelowna

Gut 300 km liegen heute vor uns, es geht Richtung Süden nach Kelowna. Für Arno zum ersten Mal, Babsy war schon vor fast 30 Jahren einmal hier.

Vom Wohnzimmer unseres kleinen Farmhäuschens aus haben wir in den letzten Tagen regen Autoverkehr auf das Grundstück des Gegenübernachbarn gesehen. Laut Schild gibt es hier Feuerholz, Gurken, Erdäpfel und Kürbisse. Reicht das aus für sicherlich 25 Kunden am Tag?

Der morgendliche Himmel ist wieder einmal bedeckt, das soll sich zum Glück noch zum Besseren wenden.

Bald reißen die Wolken auf und präsentieren uns ein Azurblau.

Nach fast zwei Stunden Fahrt, auf der uns unzählige Häuser auf Trucks entgegengekommen sind, machen wir eine kleine Pause in Chase. Am Little Shuswap Lake gibt es einen roten Steg, den wir uns als Pause anschauen.

Hier kann man natürlich, wie an allen Seen, das Motorboot zu Wasser bringen. Wir finden ein interessantes Schild ‘Kids don’t float‘ (Kinder schwimmen nicht von selbst). Hier kann man sich einfach Schwimmwesten für Kinder kostenlos und unbürokratisch ausborgen. Einfach vom Schild nehmen und verwenden. Geniale Idee.

Wir spazieren über den langen Pier auf den See hinaus. Was uns gleich auffällt, der Wasserstand ist gut zwei Meter niedriger als er sein sollte. Die meisten Bootsstege liegen auf dem Trockenen.

Der Little Shuswap Lake wird über den Little River vom Shuswap Lake mit Wasser versorgt. Na, da waren die Namensgeber sehr kreativ.

Unsere nächste Zwischenstation ist ein weiterer Steg, diesmal in Salmon Arm am Shuswap Lake. Man sieht gleich, warum der Little Shuswap Lake zu wenig Wasser hat. Der Pier, der in den Shuswap Lake hinaus führt, liegt komplett trocken. Und das nicht erst seit gestern, denn die trocken gefallene Fläche ist schon von Gras bewachsen.

Ganz am Ende setzten wir uns zu einem kleinen Mittagessen nieder und beobachten mit dem Feldstecher einen Weißkopfseeadler.

Der Bastion Mountain trägt heute einen Wolkenkranz.

Auf unseren Reisen besuchen wir immer gerne Fabriken bekannter Produkte wie Ben & Jerry’s Zippo oder Jack Daniel’s. So waren wir auch diesmal auf der Suche nach solchen Orten, doch wir wurden auf unserer Strecke leider nicht fündig.

Aber auch Farmen für bekannte Produkte sind immer wieder auf dieser Liste. Wie eine Pistazien Farm in New Mexico. Und so haben wir uns diesmal die Apfelfarm Davison Orchards in Vernon ausgesucht.

Diesen Ort an einem Samstag zu besuchen, war eine ganz schlechte Idee. Hunderte, wenn nicht noch mehr Autos stehen auf den unzähligen Parkplätzen. Schlimmer als im St. Margarethener Family Park in den Sommerferien.

Überall schieben sich die Massen durch die Shops, das hat sehr wenig mit einer Apfelplantage zu tun, eher mit einem Obst Disneyland.

Zumindest kann man Äpfel und Birnen kaufen. Auch hier, Leute über Leute. Keifende Hunde, schreiende Kinder und drängende Massen.

Das Schlimmste für Babsy ist, dass wir kurz vor Ende der Reise stehen und keine Kiste voll Äpfel mehr brauchen können. Aber wenigstens kann sie zwei coole Einkaufstaschen abstauben.

Unsere Strecke ist gepflastert von Seen. Der nächste kurze Stopp ist am Kalamalka Lake, den wir uns von einem Aussichtspunkt aus ansehen.

Zwei kleine Monster verdienen sich auf dem Parkplatz als Mistkübel.

Der Blick von oben war gut für einen Überblick, aber um herauszufinden, wie kalt das Wasser ist, müssen wir hinunter ans Ufer. Die beigen, grasigen Hügel auf dem Weg zum Ufer erinnern uns an Douglas County in Washington.

Eine alte Eisenbahntrasse wurde in einen Wander- und Radweg umgewandelt, der von hier über fast 50 km den Seen entlang bis nach Kelowna führt. Wir gehen ihn ein Stück entlang und dann hinunter zum Wasser, das wärmer ist als befürchtet.

Aus der einspurigen kleinen Nebenstraße ist eine dreispurige Schnellstraße geworden, die uns nach Kelowna bringt. Der Großstadtverkehr hat uns wieder.

Wir wohnen direkt im Zentrum der Stadt, im super-hippen Hotel Zed. Alles in Knallfarben, vintage und Pop-Culture. Mit Ping-Pong Lounge.

Mit Wählscheiben-Telefon.

Im Badezimmer Duschgel-Spender im Stil der Batman-TV-Serien aus dem Jahr 1966 (die einzige Version von Batman die Arno gelten lässt).

Arno fragt sich, was da so hip sein soll, das ist einfach ein Abbild seiner Kindheit.

Bevor es Zeit für ein Abendessen ist, spazieren wir am Okanagan Lake entlang, der nur 100 Meter von unserem Hotel liegt.

Als Gegenstück zu der ländlich geprägten Küche der letzten Wochen haben wir einen exzellenten Inder ausgesucht, der mit einem echten Tandoori-Ofen kocht. Wir wählen die Platte für zwei Personen. Drei Currys, Tandoori Chicken, Reis, Gemüse, Raita und ein Kardamom-Milchreis als Nachspeise. Dazu Naan und Roti. Zwei dieser riesigen Portionen kosten gerade einmal € 30,-. Essengehen in Kanada ist um einiges billiger als bei uns zu Hause.

Mit vollem Bauch geht es wieder zurück über die Bernard Avenue, die voll von interessanten Restaurants ist.

Die Dunkelheit hat den See bereits verschlungen, als wir vorbeikommen.

Mit einem vollen Bauch gehen wir ins Bett.

Gute Nacht, liebe Leserschaft.

Die alte Eisenbahntrasse

Es ist Sonntag und Zeit für einen Ausflug ins direkte Umland von Kelowna.

Ähnlich wie am Kalamalka Lake gibt es eine weitere alte Bahntrasse, die in einen Wander- und Radweg umgewandelt wurde. Wir fahren in den Myra Canyon, um den Kettle Valley Rail Trail zu erwandern.

Etwa 40 Minuten von Downtown Kelowna biegen wir auf eine Schotterstraße ab und fahren stetig bergauf.

Bei wunderschönem Spätsommerwetter spazieren wir mit dem kleinen Rucksack los, ganz ohne Bear Spray. Hier sind so viele Leute unterwegs, da ist kein Bär in der Nähe.

Es gibt einen großen Parkplatz samt einem Fahrradverleih. Am spannendsten sind die Leute, die mit dem Auto hier ankommen und verzweifelt versuchen so weit vorne wie möglich einen Parkplatz zu bekommen – um dann spazieren zu gehen. Auf die 50 Schritte zu viel kommt es schon an …

Der ehemalige Bahndamm wurde in einen Schotterweg umgewandelt. Da ein Zug, ob seiner Metallräder keine hohen Steigungen bewältigen kann, ist die Trasse fast eben. An der steilsten Stelle erwartet uns gerade einmal ein 2,2 % Anstieg.

In der Ferne, unter dem Wolkenband, liegt Kelowna. Im Jahr 2003 gab es hier einen Waldbrand und noch heute sieht man viele tote Stämme am Hang stehen.

Wir werden heute Holzbrücken (trestles), Tunnel und wie hier Einschnitte in den Fels sehen. Dieser cut (Einschnitt) sollte einst ein Tunnel werden, jedoch war der Fels der Tunneldecke so brüchig, dass die Ingenieure entschieden sie gleich zu entfernen.

Nach gut einem Kilometer erreichen wir die ersten Holzbrücken, die zwischen 1912 und 1914 errichtet wurden. Natürlich wurden sie über die Jahre immer wieder instand gesetzt. Ganz besonders die Trestle #15 im Hintergrund.

Sie fiel dem Waldbrand 2003 zum Opfer und wurde neu errichtet. Wenn man von der Brücke in die Tiefe blickt, sieht man noch Reste der alten Struktur am Abhang herumliegen.

Die Sonne leuchtet durch das goldene Laub der Eschen, die hier überall stehen.

Dann erreichen wir den ersten Tunnel, der auch als solcher zu Ende gebaut wurde. Kein gemauertes Portal, einfach in den Fels geschlagen.

Auch im Inneren des Tunnels wurde nicht auf die Optik geachtet. Der Fels wurde so gebrochen, wie es seine Struktur vorgab.

Längere Brücken sind meist gekrümmt, um der Form des Hanges zu folgen. Diese Holzkonstrukte wurden etwa zur gleichen Zeit wie die Kinsol Trestle errichtet, die wir vor ein paar Wochen besucht haben.

Bald durchwandern wir den zweiten Tunnel, dessen Portal 1941 mit Beton abgesichert wurde.

Da wir nicht den ganzen Kettle Valley Rail Trail mit seinen 12 km Länge (one-way) machen wollen, drehen wir nach etwa der Hälfte um.

Babsy ist vor allem an den leuchtenden Farben der Eschen interessiert.

Immer wieder finden wir neue Farbabstufungen.

Wieder am Parkplatz angekommen, ist dieser schon gut befüllt.

Wir schauen bei der lokalen Soma Cidery vorbei, in der etliche Varianten des gebrauten Apfelschaumweins verkauft werden.

Das Gebäude ist von Reihen um Reihen an Apfelbäumen umgeben.

Zwischen all den Bäumen wohnt eine Gruppe Alpakas.

Wieder zurück in Kelowna bekommen wir im Kin & Folk gerade noch einen Tisch, ab 16:00 ist hier immer alles ausgebucht. Na dann hoffen wir, dass dieser Umstand im guten Essen begründet ist.

Babsy bestellt sich Dan Dan Lumache, ein Nudelgericht mit Schweinefleisch Szechuan Art.

Ein bisserl mehr Salz und Pfeffer hat es dann gebraucht. Da es hier keine Gewürzstreuer gibt, greift Babsy auf ihren Notvorrat in der Handtasche zurück. Keiner hat’s gesehen. 😉

Arno holt sich das Saigon Street Chicken und war so hungrig, dass er zu spät sein Foto gemacht hat, da war die Hälfte schon verputzt. Sehr fein, kein Nachwürzen erforderlich.

Als Abschluss des Tages spazieren wir mit einem Eis am See entlang durch den Kelowna City Park.

Warum auch immer, aber die Mistkübel hier sind 2,7 Meter tief und das ist auch extra angeschrieben. Sicher nicht leicht zu entleeren. Also nicht den kleinen Bruder reinstopfen, der kommt da nicht mehr raus. 😉

Über den Parkplatz des Hotel Zed mit seinem beeindruckenden Mural kehren wir in unser Zimmer zurück.

Morgen geht es auf die letzte Etappe der Reise, zurück nach Vancouver. Nur mehr ein paar Tage, dann ist dieser Roadtrip zu Ende.

Gute Nacht, bis morgen.