Roadtrip British Columbia

Inmitten von Walen

Mit verhangenem Himmel starten wir in unseren Hochzeitstag.

Penny vermietet noch eine zweite Unterkunft, das Baumhaus. Wir haben es uns angesehen, aber dagegen entschieden, denn da oben ist nur das Schlafzimmer. Wenn man nachts aufs Klo muss, dann gibt es ein kleines Häuschen am Boden, zwar mit allem Komfort, aber da muss man erst einmal über die Treppe hinkommen.

Rund um unsere Veranda hängen etliche dieser wunderschönen Spinnen und warten auf Beute. Auch wir werden uns heute auf die Jagd begeben, nach Walen.

Da Wale im Meer leben, brauchen wir für unsere Pirsch ein Boot und da wir als Österreicher Landratten sind, gleich noch einen Skipper dazu. Also holt uns Anthony Bucci, ein professioneller Naturfotograf, mit seinem Zodiac ab und wir fahren in den Hafen.

Schnell ist das kleine Aluminium/Schlauchboot zu Wasser gelassen.

Mit dem Wasserlassen wird es in den nächsten Stunden eher mau, denn wir ziehen uns jetzt diese Wärme/Schwimmanzüge an. Wir hoffen heute auf Buckelwale und vor allem Orcas.

Nach etwa 15 Minuten Fahrt kommen wir an eine Stelle, die bei den Buckelwalen sehr beliebt ist.

Gestern haben wir noch berichtet, dass man sie leicht an ihrem Blasen erkennen kann. Das geschieht aber erst nach dem Auftauchen. Jetzt lernen wir, wie man weiß, wo sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auftauchen werden.

Sie sind hier auf der Suche nach Heringsschwärmen, die sie verschlucken wollen. Auch Möwen sind hungrig und gierig auf diese Fische. Sobald sie welche aus der Luft erspähen, beginnen sie darüber zu kreisen und sie aus dem Wasser zu picken. Schnell bildet sich ein ganzer Schwarm. Den Fischschwarm unter Wasser nennt man bait ball (Köderball). Das sind Stellen, an denen in kurzer Zeit ein Wal auftauchen wird, um hunderte Heringe auf einmal zu verschlingen.

Wenn man noch genauer beobachtet, merkt man, dass die Vögel den Wal schon ein paar Sekunden vor seinem Auftauchen am Schatten erkennen und von der Wasseroberfläche zurückweichen, um nicht in seinem Maul zu enden. Damit kann man das Drücken des Auslösers ziemlich gut timen.

Hier sehen wir eine Variante, wie sie sich die Fische holen, einen sogenannten launch (Abheben). Dabei stoßen sie mit dem Kopf durch die Wasseroberfläche, oft zur Seite gedreht. Wie in diesem Fall, dann kommt auch gleich eine Seitenflosse mit an die Luft. Der Wal dreht uns in diesem Bild seine Unterseite zu, man sieht die weiße Unterseite der Seitenflosse.

Hier sind so viele Buckelwale, dass man gar nicht weiß, wo man hinschauen soll. Blasen links, Fluke rechts.

Steuerbord taucht kurz vor unserem Boot, das nicht einmal halb so lang ist wie der Wal, einer der Meeressäuger auf und bläst.

Er holt Luft und geht nach unten.

Die Fluke kommt nach oben und zeigt, dass er nun tiefer taucht. Er gleitet unter uns hindurch und ist weg.

Das tiefe Tauchen ist ein Verhalten, das sie eher am Anfang des Sommers zeigen, da sich ihre Beute (Krill, kleine Krebse) zu diesem Zeitpunkt tiefer unten aufhält. Im Herbst tauchen sie meist nur flach ab, da die Heringe direkt unter der Wasseroberfläche schwimmen.

Sieht man eine Fluke und geht der Wal damit tief nach unten, kann es gleich zu einem launch kommen, bei dem er mit mehr Geschwindigkeit von unten durch die Oberfläche stößt. Also Fluke und bait ball in der Nähe deuten auf einen launch hin. Wir sind schon voll im Humpback Slang.

Was auch passieren kann, ist ein breach (Durchbruch), dann springt der Wal mit seinen ganzen 20 Tonnen Gewicht aus dem Wasser, um mit einem imposanten Platsch wieder aufzuschlagen. Das macht er entweder als Imponiergehabe (Männchen untereinander), wenn er sich von anderen Walen bedrängt fühlt oder um Parasiten auf seiner Haut loszuwerden.

Im Hintergrund hört man die ganze Zeit das gurgelnde Geräusch der sealions (Stellersche Seelöwen) und man kann sie riechen, über eine gar nicht so kurze Distanz.

Sie gehören zur Beute der transient (Reisende) Orcas, das sind jene Killerwale, die an der Küste auf und ab ziehen, kein festes zu Hause haben. Ihre Beute sind fast ausschließlich Säugetiere wie Robben, Seelöwen und Otter. Residents (Bewohner), die Einheimischen, bleiben in einem bestimmten Gebiet und ernähren sich nur von Fischen.

Diese Felsen mit den Seelöwen (Eumetopias jubatus) wird von den transients als Futterplatz genutzt, sind sie in der Nähe, verschwinden diese braunen Ohrenrobben sofort. Sie können die Orcas in transient und resident unterscheiden, denn kommt eine Gruppe residents vorbei, kümmert sie das gar nicht, da deren Beute eben nur Fisch ist. Wie sie das machen, ist den Forschern noch nicht klar.

Gestern Abend wurden 4 transient Orcas zwischen den Inseln weiter südlich gesehen, also Haube auf, Tuch vors Gesicht, wir machen Strecke.

Es geht hinein zwischen die unzähligen Inseln, immer auf der Suche nach den Killerwalen.

Nach 40 Minuten Vollgas kommen wir von einer anderen Seite zu der Stelle zurück, an der wir schon zuvor waren, was für ein Ritt.

Mittlerweile zeigt sich der Himmel auch von einer besseren Seite und die Anzahl der Buckelwale an dieser Stelle mit vielen Strömungswechseln hat sich weiter erhöht.

Wo man auch hinschaut oder hört, Wale. Mindestens 15 Stück sind in Sichtweite und man muss mit dem Boot richtig aufpassen, wo man hinfährt.

Schaut man einem beim Abtauchen zu, faucht ein anderer gleich hinter dem Schlauchboot.

Anthony positioniert unser Boot immer wieder etwas um und lässt den Motor im Leerlauf, damit uns die Wale am Blubbern des Außenborders besser lokalisieren können.

Diese Stelle mit den verschiedenen Strömungen bringt Wirbel, Strudel und sogar Zonen mit unterschiedlicher Wasserhöhe hervor.

Und die Wale tauchen an den Rändern entlang. Mit einem Fauchen taucht nur Meter neben uns ein Riese auf.

Holt tief Luft und beginnt seinen Kopf zu senken.

Die Finne kommt hoch und er ist verschwunden, ein shallow dive (flaches Tauchen), da er seine Fluke nicht zeigt.

Lichttechnisch besser präsentiert sich der Kollege auf der Backbordseite, wir haben die Sonne im Rücken.

Und gleich noch einer direkt vor uns.

Sie kommen sich zum Teil sehr nahe und das stresst so manchen Wal. Das hört man dann beim Blasen, wenn sie einen trumpet von sich geben. Dabei geben sie einen tiefen Ton beim Ausatmen von sich. Es kann auch ein Anzeichen sein, dass ein breach, das Springen als Unmutsäußerung folgt.

Bei der Menge an Walen auf so engem Raum wundert sich Anthony, dass noch keiner gesprungen ist, weil ihm die anderen den Fisch klauen.

Wieder sehen wir vor uns einen launch, bei der die Buckelwale die Wasseroberfläche beim Zuschnappen durchbrechen.

Einige Wale haben sich noch die Technik der trap (Falle) angeeignet. Dabei schnappen sie zuerst nach den Heringen und der restliche Fischschwarm stobt in Panik auseinander. Dann lässt sich der Wal senkrecht nach unten sinken und öffnet das Maul direkt an der Wasseroberfläche und hält es ein paar Sekunden offen. Die Fische sehen den Schatten und denken ein Versteck gefunden zu haben. Sie schwimmen in das Maul und schon ist es zu spät.

Es geht wieder zurück zum Hafen, die Orcas waren in den über vier Stunden auf dem Wasser leider nicht zu finden. Sie bleiben auf unserer bucket list.

Wir holen das Boot aus dem Wasser und genehmigen uns im lokalen Cafe ein paar Heißgetränke.

Vor der Türe brummt der Generator, denn das lokale Energieunternehmen führt heute dringende Wartungsarbeiten vor dem Winter durch und die ganze Gegend hat von 7:00 früh bis 19:00 abends keinen Strom. So sammeln sich die Leute beim Cafe, beim Foodtruck oder der Tankstelle, um etwas zum Mittagessen zu holen.

Im Winter peitschen Stürme über die Insel und der Dauerregen tut das seine, um Bäume den Halt im Boden zu nehmen. Da hier alle Stromleitungen überirdisch auf Masten geführt werden kommt es entsprechend oft zu Stromausfällen durch umgestürzte Bäume.

Wir hatten riesiges Glück mit dem Wetter, denn seit ein paar Wochen sollten Wind und Dauerregen das vorherrschende Wetter sein. Daher war bis zum Schluss nicht sicher, ob wir die heutige Tour machen können, aber wenn Engel reisen … 😉

Damit wir uns aufs Beobachten konzentrieren können, hat uns Anthony dankenswerterweise Bilder zur Verfügung gestellt, die er während der Ausfahrt geschossen hat. Diese werden wir in den nächsten Tagen nachreichen.

Wartend auf den Strom für die Zubereitung des Abendessens verbringen wir einen ruhigen Nachmittag und Penny hat uns die Feuerschale wieder mit Holz befüllt.

Und gut, dass sie das getan hat, denn es ist 19:00 und der Strom ist noch nicht wieder angeschaltet. In der Nachbarschaft rattern die Generatoren noch.

So sitzen wir am Lagerfeuer, bis wir gegen 21:00 wieder Strom und damit auch wieder Wasser haben. Penny hat uns einen Kübel voll gebracht, damit wir auf den Topf gehen können. 😉

Spät nächtens werfen wir noch eine Waschmaschine an und gehen dann ins Bett. Nach einem Tag voll unvergesslicher Momente wünschen wir eine gute Nacht.

Anthonys Bilder

Bei unserem Whale Watching Trip mit Anthony hat er für uns Fotos mit seinem etwa 80 cm langen Teleobjektiv gemacht. Wir haben sie nun bekommen und wollen sie euch nicht vorenthalten. Das ist natürlich etwas anderes als unsere Aufnahmen mit einem alten iPhone SE.

Einer der Fischotter, die wir am Weg zurück zum Hafen beim Spielen getroffen haben.

Die lauten und stinkenden Stellerschen Seelöwen.

Ein Buckelwal bei einem trap bei dem er unter der Wasseroberfläche mit offenem Maul wartet, bis die Heringe, in dem Glauben ein Versteck gefunden zu haben, hineinschwimmen. Dies ist die Unterseite des Mauls. Die Streifen ermöglichen eine weite Dehnung des Gewebes, damit er eine große Menge Wasser/Beute-Gemsich aufnehmen kann.

Die Haut von Buckelwalen ist immer von Wal-Seepocken überzogen.

Bei einem launch kommen die Buckelwale oft seitlich aus dem Wasser heraus und schnappen den Heringsschwarm. Meist strecken sie dann die Brustflosse aus dem Wasser.

Und weiter auf den Rücken gedreht.

Und der nächste. Hier kann man gut die Barten sehen, mit denen das Wasser/Beute Gemisch beim Herausdrücken des Wassers gefiltert wird.

Maul zu und weiter zum nächsten bait ball.

Dieser Wal wurde im Jahr 2008 von einer Schiffschraube getroffen. Die tiefen Narben trägt er bis heute.

Vielen Dank an Anthony für den Trip und die Bilder. Was für ein Erlebnis.

 

 

 

Nach Port Hardy

So wie gestern die letzten Holzscheite in Rauch aufgegangen sind, hat sich auch unser Wetterglück aufgelöst. Und man kann wirklich von Glück sprechen, denn der feuchte Herbst hier im Nordwesten hat sich um Wochen nach hinten verschoben, um uns großartige Ausflüge zu ermöglichen.

Als wir uns auf den Weg machen, um Port McNeill zu verlassen, klatschen die ersten Regentropfen auf die Windschutzscheibe.

Gleich um die Ecke von unserer Unterkunft gibt es ein Haus, vor dem dieses Schild steht. Babsy ist sich nicht sicher, welche Schwammerl hier aufgekauft werden.

Viele Stopps gibt es heute nicht, der erste ist Telegraph Cove, eine kleine Ortschaft, die ein wichtiger lokaler Knotenpunkt der Telegrafenleitungen im 2. Weltkrieg war. Kurz bevor wir ankommen gehen drei Rehe, eine Mutter mit zwei Jungen, vor uns auf der Straße. Sie lassen sich auch nicht von uns stören und es dauert eine ganze Weile, bis wir langsam an ihnen vorbeifahren können, denn sie bewegen sich in die gleiche Richtung, immer vor uns her.

Nun, eine Ortschaft ist das eigentlich nicht, denn vor ein paar Jahrzehnten wurde hier alles aufgekauft und ein Ressort daraus gemacht. Alle historischen Gebäude sind jetzt mietbare Zimmer. Hmmm.

Vor zwei Jahren gab es in Telegraph Cove ein Feuer, dem einige historische Gebäude zum Opfer gefallen sind. Zum Teil sind sie wieder neu aufgebaut worden.

Was uns hierher gebracht hat, ist ein kleines Wal-Museum, das wir uns anschauen möchten. Vor der Türe gibt es das Modell einer Orca-Finne.

Unter den vielen Exponaten ist auch ein Orca-Schädel.

Bald sind wir wieder unterwegs, denn das Museum hat nur einen Raum.

Ein Regenbogen zeigt uns den weiteren Weg durch die Nadelwälder der Insel.

Wir erreichen unser heutiges Ziel, Port Hardy und sind am nördlichen Ende von Vancouver Island angekommen.

Kurz vor der Stadt kommt die Sonne durch und wir sehen den blauen Himmel wieder.

Die nächste größere Stadt ist weit und die Heilsarmee hat hier einen Standort, bei dem gerade die Essensausgabe beendet wird, als wir im Stadtzentrum ankommen. Dementsprechend sind so ziemlich alle gescheiterten Existenzen der umgebenden 100 km hier versammelt.

Das, was die Stadt für uns zu bieten hat, ist das Fährterminal, von dem wir in zwei Tagen in Richtung Festland aufbrechen werden.

Wir gehen ein paar Kleinigkeiten einkaufen, darunter auch die Taschentuchbox am Armaturenbrett von Vince, denn Babsys Nase rinnt.

Etwas außerhalb haben wir uns für die nächsten zwei Nächte eine kleine Hütte gemietet.

In der kleinsten Küche, in der wir je gemeinsam gekocht haben, zaubern wir uns Spaghetti Carbonara, eines unserer Soulfoods.

Wir hoffen, dass uns das Wetter wieder ein bisschen hold ist, damit wir einen Ausflug an das Meer machen können.

Bis dahin, eine gute Nacht.