Entlang der Westküste
Früh sind wir munter, doch wir warten mit unserem Aufbruch, bis der morgendliche Verkehr in Victoria abgenommen hat. Dicht bewölkt mit 15° C begrüßt uns British Columbia.
Ein Stadtgärtner ist gerade damit beschäftigt den Orca aus Büschen und Blumen zurechtzustutzen.
Wie gestern schon kurz beschrieben, kommt auf Vancouver Island pro 80 Einwohner etwa ein Bär. Das muss man sich anhand der eigenen Gemeinde einmal überlegen, wie viele Bären dann auf dem Gemeindegebiet vorkommen. Wer in Wien wohnt, dem kann jetzt leicht schwindlig werden.
Aus diesem Grund werden wir uns einen Bear Spray zur Abwehr eines solchen besorgen.
‘Wo sind die anderen Sprays, die ihr immer im Gepäck mitnehmt?‘ fragt sich die regelmäßige Leserschaft. Nun ja, wir haben sie diesmal zu Hause gelassen, denn in Kanada ist man nicht so freizügig mit chemischen Kampfstoffen wie in den USA. Hier wird man registriert, wenn man einen kauft und bei der Einreise auch explizit auf Pfeffersprays und vergleichbar Produkte befragt. Also haben wir uns entschieden, diesmal ohne zwei Dosen im Koffer anzureisen.
Das bedeutet wiederum, wir müssen uns einen neuen Spray besorgen. Babsys Kollege Norbert ist ein paar Wochen vor uns nach Kanada gereist und hat uns den Tipp gegeben, dass er seinen Spray bei Canadian Tire gekauft hat. Beim Reifentandler? Wirklich? Oder will er uns vera…? Wir stehen dann dort und fragen im Reifengeschäft nach Bear Spray und werden von den Verkäufern ausgelacht. Sehr nett.
Was solls, wir probieren es. Was uns draußen gleich auffällt, die Reifenbude ist riesig.
Und drinnen noch viel größer. Eine Abteilung für Geschirr und Küche, für Home Decor, Werkzeug, Bekleidung und und und. Ah, da hinten im Eck haben sie auch etwas für Autos. Worauf man in einem amerikanischen/kanadischen Supermarkt und dergleichen setzen kann, ist das immer gleiche Layout. Also an die ganz rechte Wand, etwa in der Mitte, da ist immer Camping und Outdoor.
Bingo, da sind wir schon, Boote, Anglerbedarf, Zelte, Kühlboxen, Schrotflinten, na da kann es ja nicht mehr weit sein. Und tatsächlich, da ist er schon. Wow, nicht nur ein Bear Spray, mehrere Marken und Wirkstärken!
Der Verkäufer fragt, ob wir uns schon für ein Modell entschieden haben, na klar, Sabre Wild MAX, den mit dem höchsten Gehalt an Capsaicin! In your face, bear.
Babsy findet auch noch eine rote Variante ihrer heiß geliebten Bear Bell und packt sie mit in den Korb. Damit hört einen der Bär frühzeitig und man überrascht ihn nicht. Ein überraschter Bär ist ein schlechter Bär, fight or flight, kämpfen oder flüchten. Vor die Entscheidung möchte man einen Bären nicht stellen, also im Wald immer schön laut sein.
Wir haben für die nächsten vier Tage ein Haus in einer Bucht gebucht, werden von dort ein paar Trails wandern und am Strand entlang flanieren. Dafür brauchen wir einen Haufen Lebensmittel, einfach Schinken-Käse-Toast geht bei uns nicht.
Die heutige Wahl ist Save-on-Foods, seit 110 Jahren eine große kanadische Supermarktkette. In Vorbereitung auf den Einkauf hat sich Babsy schon eine Kundenkarte organisiert. Was man mit einer einheimischen Telefonnummer und Adresse alles hinbekommt … 😉
In der großen Gemüseabteilung schlagen wir voll zu, nicht dass wir schon einen Sack voll Grünzeugs im Auto hätten. Fleischer, Fischhändler, Bäckerei, alle Abteilungen werden abgeklappert und das Wagerl füllt sich. Was es hier alles gibt …
An einer Ecke finden wir einen Aufsteller, der uns gleich an unsere älteste Nichte erinnert. Erst heute früh haben wir von ihr eine Nachricht zum Reise-Blog bekommen. Liebe Jenny, ein kleiner Teaser, was wir dir mitbringen … Keine Angst, es ist kein grüner Troll-Poppel.
Wie schon einmal erwähnt bekommt man im Supermarkt keinen Alkohol, den muss man sich im Liquor Store holen. Zum Teil sind das wirklich räudige Buden, mit verklebten und vergitterten Fenstern und entsprechendem Klientel.
Heute wählen wir einen, der optisch ansprechender ist.
Nur kurz stehen wir vor dem Regal mit lokalen Weinen, da kommt schon eine junge Dame, um uns bei der Auswahl zu beraten. Jede Abteilung hat eine Person, die sich um die Kunden kümmert. In der letzten Tschumse war nur ein Nirvana-Typ an der Kasse ‘Ey Mann, willst du eine Rechnung oder so?‘
So auch die Bier-Abteilung, in der Babsy nach lokalen Lagerbieren fragt, die für den europäischen Geschmack passend sind.
Es wird Zeit für die erste Wanderung in der Natur und so geht es wieder auf die kleineren Nebenstraßen.
Im Sooke Potholes Regional Park gibt es ein paar kürzere Trails zum Anfangen, die schauen wir uns an.
Wir spazieren runter zum Sooke River, der hier ruhig vor sich hinfließt.
Weiter unten gräbt sich der Fluss tief in den Fels und bildet mit kleinen Wasserfällen über die Jahrtausende sogenannte Potholes, tiefe Löcher, in denen sich ein Pool ruhigen Wassers bildet.
Der alte Aussichtspunkt ist oben links zu sehen, mittlerweile nicht mehr benutzbar, da der Fels unter den Stiegen und der Aussichtsplattform schon vor Jahren nach unten gestürzt ist.
Es geht weiter in die kleine Stadt Sooke, die bei ihrem Museum zu Werbezwecken die Spitze eines alten Leuchtturms stehen hat.
Mittag ist schon seit ein paar Stunden vorbei, also suchen wir uns ein kleines Lokal, um etwas zu essen. Bei Mom’s Cafe bleiben wir stehen.
Man fühlt sich in der Zeit zurückversetzt, wenn man das Lokal betritt. Es ist echt und nicht nur ein Lokal, das auf alt hingetrimmt wurde, es hat all die Jahre wirklich auf dem Buckel.
Wir bestellen die Klassiker Cheese Burger und Cheese and Bacon Burger mit Pommes frittes und Zwiebelringen, dazu ein lokales Bier und einen Eistee. Wie in den 80ern.
Am Ende bekommen wir eine Rechnung mit Widmung. Der Umrechnungskurs zum kanadischen Dollar ist etwa 0,6, also hat uns das Essen nicht ganz € 40,- gekostet. Da ist man mittlerweile ja schon begeistert, wenn es so billig ist. 😉
Ganz in unserer Tradition nehmen wir am Schluss die Reste mit.
Über eine enge und kurvige Straße geht es an der Küste entlang Richtung Nordwesten. Hunderte Schlaglöcher und Bodenwellen schütteln uns durch, zum Teil hebt alles im Auto ab, um dann wieder satt aufzuschlagen.
Brücken sind hier nur einspurig.
Letztlich erreichen wir Port Renfrew, wo wir ein kleines Haus beziehen.
Von der Terrasse aus sehen wir das Meer vor uns. In dem Baum, keine 15 Meter entfernt, sitzt immer wieder ein Weißkopf-Seeadler und beobachtet das Wasser.
Bedingt durch das späte Mittagessen lassen wir das abendliche Kochen aus. Wir sind hier wieder einmal etwas abseits der Zivilisation, dementsprechend ist die Internetverbindung eher bescheiden. Läuft der Fernseher, dann braucht der Upload eines Bildes für den Blog etwa 1 Stunde. Arno klappt den Computer zu und verschiebt den neuesten Beitrag daher auf morgen. Gute Nacht.
PS: Es ist nun der nächste Morgen, so gegen 05:30, die Fischerboote beginnen den kleinen Hafen zu verlassen und der Internet-Zugang hat seine Geschwindigkeit vervierfacht! Ein Bild in 15 Minuten. Die Sonne geht schon auf, als der heutige gestrige Blogeintrag endlich online ist.






















































