Roadtrip Nordosten der USA

Route 6

Frisch, sehr frisch begrüßt uns ein nebeliger Morgen in New York. Wir packen unsere Sachen um weiter zu ziehen.

Wir lassen unser kleines Häuschen am Waldesrand zurück und fahren Richtung Süden. Der Nebel liegt dicht über dem Tal und zwei mal springen Rehe vor uns über die Straße, fängt ja gut an.

Wir kommen ein Stück höher hinauf und fahren nun über der Nebelsuppe und siehe da, strahlend blauer Himmel. Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt und die meisten Höfe schauen wirklich gut und gepflegt aus. Ein Gegenbeispiel ist dieser, mit eingefallenem Silo und haufenweise Schrott vor dem Schuppen.

Wir fahren nach Cuba NY, um die dortige Käserei zu besuchen, besser gesagt den Shop, der dazugehört. Wir kaufen Käse für unser Mittagessen, einen drei Jahre alten würzigen Cheddar und ganz frischen Cheddar Curd mit Cajun Würzung, sozusagen die Cheddar-Frischmasse.

Bald verlassen wir New York und sind wieder in Pennsylvania. Diesen Bundesstaat wollen wir heute auf der Route 6 durchqueren, also los.

Woher kommt der Name Pennsylvania? William Penn erhielt zur Schuldentilgung von König Charles II die Kolonie überschrieben. Er wollte sie Sylvania taufen. Sylvania kommt aus dem lateinischen und bedeutet Wald, davon gibt es hier mehr als genug. Der König bestand jedoch darauf, dass sie zur Ehrung von Admiral Sir William Penn, dem Vater von William Penn, Penn-sylvania heissen sollte.

Um auf die Route 6 zu kommen, müssen wir zuerst noch ein Stück auf der County Road 449 Richtung Süden fahren.

Die Karte zeigt am oberen Rand die Route 6, wir werden sie von West nach Ost befahren.

Erster Stopp heute ist das Holzfällermuseum in Ulysses PA. Es bringt dem Besuchern die Arbeit der Holzfäller und Sägewerke zum Beginn des 20. Jahrhunderts näher.

Gleich vor dem Eingang trifft Arno auf seinen Freund Smokey. Der Bär lehrt die Leute seit Jahren, wie sie Waldbrände verhindern können. Ein Blick auf Arnos T-Shirt zeigt, dass er Smokey nicht zum ersten Mal getroffen hat.

Diese Shay Lokomotive von Lima Locomotive Works aus dem Jahr 1912 wiegt 70 Tonnen und zog bis zu 22 Wagen voll Baumstämmen .

Im restaurierten Holzfällercamp sind alle notwendigen Gebäude vorhanden.

Vom Schuppen des Sägenschärfers …

… über die Unterkunft mit Stockbetten …

… bis hin zur Küche.

Nicht zu vergessen das Häusel.

In der Sägemühle ist eine große Kreissäge für die Längsschnitte, eine Kantensäge für den Zuschnitt der Breite und eine zum Ablängen der Bretter.

Betrieben wurde all dies von zwei Dampfkesseln und einem Riementrieb.

Bevor es wieder auf die Straße geht, gibt es den Käse aus Cuba als Mittagessen.

Gestärkt geht es Richtung Osten auf dem Highway 6 bzw der Route 6.

Ein Reisetag wäre nicht komplett ohne unsere Baustellen, dies ist Nr. 1 für heute und es ist nicht die letzte.

Wenn man einen Blick auf die Straßen in den Ortschaften wirft, wird einem klar, warum überall Bautrupps unterwegs sind.

Interessant, wie Mc Donalds hier nach Mitarbeitern für die Nachtschicht sucht …

Wir überqueren die erste von mehreren alten Brücken, die uns heute begegnen werden.

Oh und wieder eine Baustelle, hier werden Risse in der Fahrbahn mehr oder weniger nachhaltig mit Bitumen zugeschmiert. Zumindest verhindert es im Winter Frostschäden. Unsere erste rollende Baustelle.

Eine weitere Brücke aus Stahl, mit einer Menge Patina bringt uns über einen kleinen Fluss.

Wir machen einen kleinen Abstecher von der Route 6 und fahren in die Hügel nördlich, um eine der hier in Pennsylvania so bekannten überdachten Brücken zu sehen.

Sie sind komplett aus Holz gebaut, bis auf die Schrauben, mit denen die Balken verbunden werden. Auch die Fahrbahn ist aus Holz. Das Dach dient dem Wetterschutz für die Brücke, um ihre Lebensdauer zu erhöhen. Wir erkunden sie zuerst zu Fuss. Sie ist für 6 Tonnen ausgelegt, das geht sich mit Kurtl aus.

Dann trauen wir uns auch mit dem Auto über den Bach.

Ein paar Meilen lang ziehen wir eine Staubfahne hinter uns her, bis wir wieder auf eine asphaltierte Straße treffen.

In Towanda PA überqueren wir den Susquehanna River. In der Sprache der Irokesen bedeutet der Name ‘Fluss des Schlammwassers’. Er ist nicht nur einer der längsten Flüsse im Osten der USA, sondern auch sehr alt. Geologisch betrachtet ist er einer der ältesten Flüsse Nordamerikas, möglicherweise älter als das Gebirge, durch das er heute fließt.

Wir machen einen kurzen Zwischenstopp am Marie Antoinette Aussichtspunkt.

Er liegt etwa 150 Meter über dem Susquehanna River und erzählt von einem erstaunlichen Kapitel amerikanisch-französischer Geschichte. Ende des 18. Jahrhunderts, auf der Flucht vor der Französischen Revolution, planten Adelige und Royalisten in den Wäldern Pennsylvanias eine Zuflucht, genannt French Azilum. Eine komplette Kolonialsiedlung mit Straßen, Kirche, Geschäften und bis zu 200 Bewohnern. Man wollte Königin Marie Antoinette hierher bringen, um sie vor der Guillotine zu retten.

Soweit kam es nie – sie wurde 1793 hingerichtet. Einige Jahre später gewährte Napoleon den Exilanten Amnestie. Von der Siedlung blieben nur Ruinen und eine interessante Geschichte.

In Scranton PA machen wir für heute Pause, doch bevor wir ins Hotel fahren, geht es noch ins Texas Road House auf ein Steak.

Arno witzelt immer wieder über Babsys beachtliche Sammlung an Mitgliedskarten. Vor einem Jahr waren wir in Roswell schon einmal in einer Filiale und Babsy hat jetzt für ihre einjährige Mitgliedschaft einen Gutschein bekommen. Und wir konnten ihn einlösen, da ist Arno dann schmähstad.

Ein New York Strip Steak, 12 oz traditional cut, medium-rare. Mit einem baked potatoe, loaded (Butter, Sauerrahm, Speck und Cheddar) und einer Portion Chili con Carne. Nice.
Und die Bude brummt wie damals in Roswell, hier werden jeden Tag hunderte, wahrscheinlich über tausend Gäste bedient.

In einer unspektakulären Unterkunft verrbingen wir die Nacht, morgen geht es in die Catskills.
Gute Nacht.

In den Wäldern New Yorks

Die Minusgrade haben uns eingeholt, in der Früh ist Kurtls Dach mit Eis überzogen. Das morgentliche Scheibenputzen (für bessere Fotos) ist daher ein bisschen schwieriger als sonst.

Unser Ziel heute sind die tiefen Wälder in den Catskills, einer waldigen Region in New York. Die Vermieter unseres Hauses, in dem wir drei Nächte bleiben werden, haben uns vorab eine seitenlange Anleitung geschickt, wie man mit den tausenden Bären umgeht, die in der Gegend leben. Von Anweisungen für das Handling des Mülls, bis hin zum Fakt, dass auch schon einmal ein Bär im Vorraum des Hauses war.

Somit ist die erste Station des Tages schon fixiert, ein Traktorhändler, was sonst.

Er hat vor der Tür ein paar von Babsys Lieblingen stehen – Zero Turn Rasenmäher. Ob die ins Flugzeug passen?

Wegen den Traktoren und Gartengeräten der größeren Art sind wir nicht hier, laut ihrer Homepage haben sie Bärenabwehrspray im Sortiment. Also rein bei der Tür. Oh, sie haben die Hühnerskelette! Leider sind sie auch zu groß für unsere Taschen. 🙁

Was wir leider nicht finden ist der Bear-Spray. Die Dame an der Kassa und eine Kundin können uns schnell weiterhelfen, wir sollen die Straße weiter hinauffahren bis zu Shiffler Hardware und nebenan ist gleich Hunter’s Gallery. Dort gibt es den sicher. Ein paar Minuten später sind wir beim Jagdausstatter.

Das Geschäft ist groß und vollgestopft mit allem, was man zum Fischen und Jagen braucht. Arno wirft einen Blick auf die Bogenabteilung, wo gerade etliche Compundbögen für die Jagdsaison vorbereitet werden. Weiter hinten sind Regale voll von Schrottflinten, Pumpguns, Langwaffen, Sturmgewehren und Faustfeuerwaffen.

Wir finden den Spray und $40 später ist er unser. So sieht nun Babsys Rauchequipment aus, um auf die Terrasse zu gehen. Eine starke Taschenlampe und ein Abwehrspray.

Wir beginnen unsere Reise Richtung Osten, wieder auf einer kleinen Nebenstraße. Der Himmel ist strahlend blau, auch wenn es nur zwei Grad hat. Ein paar Mal laufen uns wilde Truthennen vor das Auto. Gut, dass wir über längere Zeit eine Einheimische in ihrem Auto vor uns haben, ihre Bremslichter zeigen uns an, wo wir einen Wildwechsel haben.

Einmal abbiegen und wir sind wieder auf der Route 6, doch nach Westen? Falsche Richtung? Nein, nur ein kurzes Stück geht es zurück, dann sind wir wieder auf dem richtigen Weg.

Auf der 652 geht es nach Osten.

Die Straßen sind wieder leer, als wir unterwegs sind. Upstate New York ist aber auch nicht der am dichtesten besiedelte Teil des Bundesstaates.

Auf eines kann man sich verlassen, in jedem noch so winzigen Ort gibt es eine kleine weiße Kirche. Oft ist auch nicht mehr als nur das Gotteshaus vorhanden, der Treffpunkt für die Farmer der Umgebung.

Es wird kurviger und enger, ein paar Mal fahren wir mit Kurt so nah am Straßenrand wie es nur geht, um LKWs auszuweichen. Hin und wieder staubt es kurz hinter uns, wenn wir aufs Bankett kommen.

Drei Whitetails (Rehe) stehen vor uns auf der Straße und starren uns an. Erst als wir langsam näherrollen gehen sie weiter. Gehen, nicht springen oder laufen. Sie schauen weniger verschreckt als fragend, was wir hier machen.

Aber auch hier im bewaldeten Nirgendwo gibt es eine Baustelle für uns. Sogar mit Ampel.

Unzählige Kurven bringen uns durch den einsamen Sundown Wild Forest.

Wir erreichen den Highway 28, der etwas breiter ist und folgen ihm einige Meilen.

Wir machen einen kurzen Stopp bei einem Eisenbahnmuseum.

Hier kann man mit einer Draisine fahren. Sie ist um einiges moderner als die Modelle mit denen wir vor Jahren unsere, damals noch kleinen Nichten herumkutschiert haben. Leichtbaurahmen, Scheibenbremsen an allen Rädern, Liegesitze und ein E-Motor, das ist eine ganz andere Liga.

Das kleine Museum selbst hat leider unter der Woche geschlossen, ab morgen ist es wieder geöffnet.

Auf dem Schienenstrang neben dem Museum steht eine Caboose.
Eine Caboose war bei amerikanischen Güterzügen jahrzehntelang der letzte Wagen – ein rollendes Büro und Aufenthaltsquartier. Dort saßen der Zugführer und der Bremser, führten Papiere und Frachtlisten mit, überwachten den Zug und seine Bremsen durch die seitlichen Fenster oder den erhöhten Ausguck. Sie diente zugleich als Werkstatt, Schlafplatz und Küche, ausgestattet mit Ofen und Betten.

Sie wurden durch eine kleine elektronische Box, die am letzten Wagen angebracht wird ersetzt. Diese messen den Bremsdruck und senden ihn per Funk an den Lokführer. Sie blinken rot als Schlusslicht und sind damit auch eine optische Kontrolle für Bahnpersonal außerhalb des Zuges. Ist da kein Blinklicht, dann fehlt wohl ein Teil des Zuges.

Heute sieht man eine Caboose hin und wieder als Diner oder in Museen.

Hier sehen wir auch den Hit des Sommers. Diese Holzsessel stehen in jedem zweiten Garten und bei jedem Händler, der etwas mit Gartenmöbel zu tun hat. Dies ist das zweisitzige Modell, es gibt sie auch als Einzelsessel. Was sie alle gemein haben, sind knallige Farben. Wir können sie zum ersten Mal ausprobieren, recht bequem, aber auch zu groß zum Mitnehmen.

Da wir ein paar Tage in einem Haus wohnen werden, geht es gleich noch zum Einkaufen, Hannaford ist der Markt unserer Wahl.

In der Gewürzabteilung schauen wir, was es zu finden gibt. Wir packen alle Gewürzdosen für Apple- und Pumpkin Pie von McCormick ein, die im Regal stehen, um sie Norbert mitzubringen. Die Dame an der Kasse hat ganz schön geschaut, was für ein riesiges Thanks Giving Fest wir scheinbar planen.

Es geht tief in den Wald, hier gibt es nicht einmal mehr Fahrbahnmarkierungen.

Dann haben wir unser Häuschen erreicht.

Im Dunkel des Abends wundern wir uns, woher die Unmengen Autos kommen, die am Haus vorbei fahren. Egal, wir sind müde und es geht ins Bett. Bis morgen.

Columbus Horror

Heute wollen wir die Catskill Region erkunden. Das erste Ziel sind die Kaaterskill Falls, ein kleiner Wasserfall.

Als wir auf die Zufahrtsstraße einbiegen wollen, kommen uns eine Menge Autos entgegen und sie biegen alle in die kleine Straße ab, neun Autos nacheinander?
Schnell wird uns klar was hier abläuft. Hunderte Autos stehen links und rechts der Fahrbahn, ein langer Stau zieht sich in das Tal. In der Einfahrt zu einem Haus drehen wir um und brauchen dann noch 15 Minuten, um aus dem Chaos zu entkommen. Zwischenstopp gestrichen.
WTF? Kolonnen kommen uns entgegen. Stau auf jeder Straße. Dann wird uns klar: New York City ist nur 100 Meilen entfernt, das Wetter ist recht gut und am Montag ist auch noch Feiertag – Columbus Day. Und wir haben uns gestern nacht noch gewundert, woher all die Autos kommen.

Wohltätige Organisationen nutzen dieses Wochenendchaos, um es noch weiter zu verschlimmern und bauen AUF der Straße Spendensammelpunkte ein. Sie halten jedes Auto auf und erklären, wofür oder -gegen sie sammeln. Man kann sie sogar im Navi/Google Maps als Stau gekennzeichnet sehen. Herrlich.

Wir haben uns einen Leuchtturm am Hudson River zum Besichtigen ausgesucht. In einem Industriegebiet, neben einem großen Gasverteiler stehen wir hinter einem Stacheldrahtzaun. In der Mitte des Bildes sieht man ein kleines Gebäude, das ist der Leuchtturm. Ob die Karte uns da fehlgeleitet hat? Na, heute läuft es …

Dann kommen wir zum nächsten Spendensammelpunkt, diesmal von der Feuerwehr in Port Ewen. Hier kann Babsy als Fire Brigade Fan nicht nein sagen und wir werfen ein paar Dollars in den Feuerwehrhelm, der uns vor das Fenster gehalten wird.

Wir bekommen ein Kärtchen als Dank für die Unterstützung.

In der Gegenrichtung ist der Stau noch schlimmer. Wo wir auch hinkommen, es ist mehr ein Parkplatz als eine Fahrbahn. Babsy sucht laufend nach Ausweichrouten. Als wir uns dem Walkway Over the Hudson nähern, einer Fussgängerbrücke über den Hudson River, ist die Straße mit ihren Schrägparkern schon über einenthalb Kilometer vor dem Eingang vollgeparkt. Wir drehen gleich um, nächster Punkt gestrichen.

Wir stauen uns wieder in Richtung unserer Unterkunft, in Ortschaften, zwischen den Ortschaften, egal wo, alles steht.

Babsy findet ein paar kleine Wege durch die Wälder, auf die sich die normalen Autofahrer nicht verirren. Hier kommen wir besser voran.

Außer jemand aus New York City nutzt die gleiche Straße und hat so viel Angst vor den Kurven, dass wir zeitweise fast stehenbleiben. Wieso tut man sich so etwas an, wenn nicht autofahren kann und so viel Angst vor Kurven hat?

Auch wenn der Parkplatz voll von New Yorkern ist, bleiben wir bei dem Bauernhof der Saunderskill Farms stehen. Die Familie betreibt die Farm seit 1680. Es soll Kuchen und ähnliches zu kaufen geben.

New Yorker Ahornsirup und ein Frühstückskuchen finden ihren Weg in unser Auto.

Ein Motorrad Club mit hunderten Mitgliedern kommt uns auf einer der kurvigen Waldstraßen entgegen. Auch Rennradclubs ziehen hier ihre Runden. Voll, voll, voll.

Wir streichen alle weiteren Aktivitäten für das Wochenende. Kochen, Wäschewaschen und Fernsehen sind angesagt. Es macht keinen Sinn.

Bei unserer Unterkunft sind alle Außentüren als Doppeltüren ausgelegt und sie haben Mechanismen, die sie sofort, schnell und mit Kraft zuziehen. Dann schnappen die zusätzlichen Sperrhaken ein. Bärensicher.

Die vordere Türe hat einen Vorraum, in dem man sich die schmutzigen Schuhe ausziehen kann (mudroom). Auf der äußeren Türe sieht man die Abdrücke einer Bärentatze mit ihren Krallen. Am Foto ist es leider nicht so deutlich zu sehen.

Montag in der Früh geht es zu unserer letzten Unterkunft auf der anderen Seite des Hudson Rivers.