Roadtrip Nordosten der USA

Niagara

Die Niagara Fälle, in unserem Kopf untrennlich mit Hochzeitsreise und einem Naturwunder verbunden. Vielleicht noch mit ein paar Wahsinnigen, die in einem Fass in die Tiefe stürzen. Die Realität auf der kanadischen Seite sieht so aus: Der wiener Wurtschel Prater steht vor einem Wasserfall.

Go-Kart Bahn, Riesenrad, Dinosaurierausstellung, indische Fetzenbuden mit Billigware aus Bangladesch, Fastfood, 4D Sonic the Hedgehog Kino, Selfiemuseum, …

… Geisterbahn, Rollercoaster, Zombieattacke und Co.

Durch all den Lärm und den Geruch von Burgern, Donuts und ähnlichem muss man sich hindurchkämpfen, bis man den ersten Blick auf die Wasserfälle werfen kann. Wer eher wegen dem Wurschtel Prater hier ist, kann sich den Anblick mit der Zip-Line noch versüssen.

Ständig präsent ist das permanente Donnern der Wassermassen, die vom Eriesee zum Ontariosee fließen und hier 57 Meter in die Tiefe stürzen. Es gibt drei Fälle, die kleinen Bridal Veil Falls, die American Falls und die Horseshoe Falls, der auf der kanadischen Seite liegt. Von Kanada hat man auch den besseren Ausblick die Szenerie, weswegen wir auch diese Seite für unseren Besuch gewählt haben.
Auf einer Breite von 670 Metern donnern rund 2,5 Millionen Liter Wasser pro Sekunde über die Kante der Horseshoe Falls.

Nachdem wir die Szenerie einige Zeit auf uns wirken lassen haben, gehen wir hinter den Wasserfall. Daz fährt man mit dem Lift nach unten und kann über einen Stollen aus zwei Toren von hinten auf den Wasserfall blicken.

Durch blau beleuchtet Gänge kommt man zu den Fenstern, durch die man die Wasserwand bewundern kann.

Es ist ohrenbetäubend hier zu stehen, die Gischt spritzt weit in den Tunnel, weswegen man auch gelbe Regenponchos bekommt. Die weiß-graue Fläche sind tausende Tonnen Wasser, die in die Tiefe fallen.

Man hat auch die Möglichkeit auf eine Terrasse zu gehen, um die Naturgewalt aus der Nähe zu sehen. Wasserscheu darf man hier nicht sein.

Blickt man den Fluss nach unten, sieht man die Brücke, die Kanada mit den USA verbindet. Wir werden sie morgen nutzen, um wieder in den Bundesstaat New York zu kommen. Wenn sie so schön von der abendlichen Sonne beleuchtet ist und die Gischt hinter uns ist, dann sollte man doch …

… einen Regenbogen sehen! Eines der Ausflugsboote, die einen direkt bis vor den Wasserfall bringt, steht gerade in der Gischtzone. Keine von den kleinen roten Figuren am Boot kann den Wasserfall sehen, so peitscht das Wasser einem ins Gesicht.

Wir hier oben auf der Plattform sind in gelbes Plastik gehüllt.

Es geht wieder nach oben. Überall wird man davor gewarnt, dass es rutschig sein kann. 😉

Als wir oben ankommen, steht gerade der Vollmond knapp über dem Horizont, während die untergehende Sonne den Himmel rot färbt. Kitsch at its best.

Kaum, dass es dunkel ist, beleuchten große Scheinwerfer die Wasserwände. Wir sind uns einige, dass die imposanteste Farbe das dunkle rot ist.

Als wir am den American Falls vorbei gehen, werden sie gerade von der kanadischen Seite in Regenbogenfarben beleuchtet. Ob das dem derzeitigen Führer der amerikanischen Nation gefällt?

Wir manchen eine kurze Pause in der Niagara Brewing Company, um nach all den Stunden einmal kurz zu sitzen, denn der Tag ist noch nicht zu Ende.

Um 22:00 gibt es täglich ein Feuerwerk und das nehmen wir heute auch noch mit. Dabei sind wir nicht allein, wie man sich denken kann.

Nun noch zum Motel zurückmarschiert und dann geht ein langer Tag zu Ende. Wir wünschen eine gute Nacht. Morgen geht es wieder über die Grenze zurück in die USA.

Unmengen Wasser

Der neue Tag beginnt mit dem im Wetterfernsehen versprochenen Tiefdruckgebiet, das Regen mit sich bringen soll. Das ist mehr als Regen, es schüttet wie aus Schaffeln. Für die Natur schon mehr als nötig, denn die Feuergefahr ist hier überall schon als hoch eingestuft.
Für uns weniger gut, denn wir haben heute noch einen morgentlichen Termin im Freien.

Also die Outdoorkleidung und Regenjacken angezogen und losmarschiert. Die Straßen sind leer. Wo gestern noch Mengen an Touristen unterwegs waren, herrscht Leere. Autobus um Autobus verlässt die Stadt.

Trotzdem dröhnt aus den Lautsprechern, die an den Laternen montiert sind schon Musik. Ein Lokal hat schon offen, Tim Hortens, eine Bank für ein Frühstück. Doch dafür haben wir keine Zeit, wir müssen wieder zu den Niagarafällen.

Auch wir wollen mit den Ausflugsboot in die Gischtzone fahren. Wir kommen an Bord des ersten Schiffs und es ist nicht einmal zu einem Drittel besetzt. Bei dem Wetter jagt man keinen Hund vor die Türe. Unsere Hosen sind vom Weg hierher schon komplett durchnässt, die Regenjacken halten. Zur Sicherheit haben wir uns den roten Plastikponcho noch darüber angezogen.

Wir legen ab, fahren an den American Falls vorbei und dann flussaufwärts bis direkt vor die Horseshoe Falls. Hier steht das Boot für gute 5 Minuten. Die Gischt peitscht einem am Bug ins Gesicht, dass man die Augen kaum offen halten kann. Klar, dass wir ganz vorne stehen müssen. Wir machen nur wenige Bilder, zum einen ist die Linse sowieso gleich nass und zum anderen wollen wir den Moment geniessen und in uns aufnehmen. Sehr beeindruckend.

Klitschnass wandern wir zurück zum Hotel. Wir hätten es uns sparen können heute frisches Gewand anzuziehen. Die Regenjacken haben gehalten, aber darüber und darunter ist alles feucht. Also trockenlegen und eine neue Garnitur angezogen.

Dann geht es los zur Brücke, die uns zurück in die USA bringt. Eine gute halbe Stunde dauert es, dann sind wir dran. Ein paar kurze Fragen später sind wir erfolgreich über den Landweg eingereist.

Es schüttet und schüttet. Unser erstes Ziel ist ein Walmart und wir füllen ein paar Lebensmittel wieder auf. Dann geht es in den Fanshop der Buffalo Bills, einem NFL Football Team. Wir sind zwar keine Fans des Teams, aber so einen Shop wollen wir uns trotzdem anschauen.

Hinter dem Fanshop steht das aktuelle Stadion der Bills. Gleich gegenüber wird gerade das neue fertiggestellt, das ab nächster Saison bespielt wird.

Die Wischer laufen auf höchster Stufe als wir Richtung Süden fahren.

Eine Straßensperre zwingt uns zu einem Umweg.

Langsam, ganz langsam wird der Regen weniger, will aber nicht aufhören.

In der kleinen Stadt Franklinville beschließen wir uns ein spätes Mittagessen zu holen und stoppen bei Barbara’s Maple Heaven. Ein klassisches Lokal für die Einheimischen. Wir kommen mit der Kellnerin Janet ins Gespräch und bekommen von ihr ein paar Tips für Ausflüge in der Gegend. Gleich holt sie ihr Handy heraus und zeigt uns die Bilder vom Ausflug am letzten Wochenende, um ihre Empfehlung zu unterstreichen. Wir erfahren hier vom jungen Koch mehr über Ahornsirup, als auf der Ahornsirup-Farm. Also nehmen wir gleich zwei Flaschen mit, nachdem wir ihn gekostet haben.

Als wir die Stadt wieder verlassen, ist gerade Schulschluss. Das bedeutet 20 Meilen Geschwindigkeitslimit im Bereich der Schule. Als wir vom Schülerlotsen angehalten werden, schießt Babsy ein Bild von der Schlange an Schulbussen, von denen gut 15 Stück auf die Kinder warten.

Wir erreichen unsere Unterkunft in Olean NY. Hier werden wir zwei Nächte bleiben und die Umgebung erkunden.

 

Ein Ausflug nach Pennsylvania

Der Morgen erwartet uns mit blauem Himmel, doch in der Ferne sieht man schon die Wolken kommen. Also schnell los zu unserem ersten Ziel des Tages.

Wir durchqueren Olean NY, die Stadt an deren Rand wir wohnen.

Es geht bergauf in die Wälder an der Grenze von New York und Pennsylvania. Wir bleiben im Rock City Park stehen, um uns die Felsformationen anzusehen.

Es geht durch The Fat Man’s Squeeze, eine enge Spalte im Felsen.

Der Blick nach oben durch die herbstlichen Bäume zeigt, dass die ersten Wolken auftauchen.

Doch die Sonne hat ihre Momente, um uns leuchtende Farben zu zeigen.

Immer wieder kommen wir an Halloween-Gärten vorbei. Die riesigen Skelette haben wir schon letztes Jahr gesehen. Die Hunde, Katzen, Hühner und Hirsch-Varianten sind neu. Babsy überlegt laufend, wo sie so etwas herbekommen und was ein 3D-Drucker so leisten kann.

Dann erreichen wir den Kinzua Bridge State Park. 1881 wurde mit dem Bau der Brücke begonnen, um das Kinzua Creek Valley mit der Eisenbahn überqueren zu können. Holz, Kohle und Eisen wollten aus der Region Richtung Norden gebracht werden.

In nur 94 Tagen wurde die damals höchste und längste Eisenbahnbrücke der Welt aus Eisen erbaut. Die 20 Pfeiler sind fast genauso hoch wie Lady Liberty. Die Höchstgeschwindigkeit auf der Brücke war 5 Meilen, dann begann sie zu stark zu schwanken.

1900 war die Kapazität der Brücke erreicht, die Züge wurden zu groß und schwer. Also wurde das Bauwerk Stück um Stück abgebaut und aus Stahl neu errichtet, in nur 105 Tagen.
Der Schienenstrang bestand aus zwei äußeren und zwei inneren Schienen, um bei einer Entgleisung den Zug aufzufangen. 1959 war es dann vorbei mit der kommerziellen Nutzung und das Viadukt wurde zu einer Touristenattraktion.
Wir marschieren auf das Viadukt, das heute ein Skywalk ist.

2001 wurden strukturelle Probleme entdeckt und eine Renovierung gestartet. Blickt man am Ende des Skywalks über die Brüstung sieht man das:

Am 21 Juli 2003 kam während der Arbeiten ein Tornado der Klasse F1 das Tal entlang und riss 11 der 20 Stützen um. Der Stahl verbog sich in alle Richtungen. Die Bolzen, welche Steher und Fundament verbanden, waren noch immer die originalen aus 1881. Sie wurden beim Upgrade der Brücke nicht ausgetauscht und waren die Schwachstelle die brach.

Man machte aus einem Problem eine Lösung. Statt die gesamte Brücke zu renovieren nutze man die verbleibende Brücke um den Skywalk zu errichten. Die elf umgefallen Stützen ließ man liegen. Die Besucherzahlen sind seither gestiegen.

Wir fahren weiter nach Bradford PA und kommen wieder bei etlichen Baustellen vorbei. Sie entwickeln sich langsam zum Thema dieses Roadtrips.

Einige Zeit lang fahren wir hinter einem LKW her und scherzen schon, dass er genau dorthin fährt, wo auch wir hin wollen.

Und tatsächlich, er biegt auf das Firmengelände von Zippo dem Feuerzeughersteller ein.

Wir fahren eine Einfahrt weiter zum Zippo Museum, um mehr über diese amerikanische Ikone zu erfahren.
Der Ursprung und Inspiration für das Zippo ist ein Feuerzeug aus Österreich! Anfang der 1930er Jahre ärgerte sich der Firmengründer George Blaisdell darüber, dass zwei Hände nötig sind, um es zu bedienen. Das änderte er in seiner Entwicklung, damit man es mit nur einer Hand benutzen konnte, ein Welterfolg.

Trotz der Wirtschaftskrise gründete Blaisdell ein Unternehmen und gab auch noch lebenslange Garantie für das Produkt. Über die Jahre versuchte er es mit weiteren Produkten, wie Lippenbalsam oder einem Schmiermittel für Zippverschlüsse, doch nichts kam auch nur annähernd an das Feuerzeug heran.

Da halfen auch die Golfbälle oder der Golfballwärmer (links unten) nicht.

Das Zippo ist in der Popkultur tief verwurzelt und begegnet uns immer wieder. So auch in Filmen wie Matrix, Indiana Jones und am bekanntesten in Stirb langsam mit Bruce Willis.

Um das Garantieversprechen, dass man sein Zippo ein Leben lang zur Reparatur einsenden kann zu erfüllen, gibt es die Zippo Clinic. Hier werden die Feuerzeuge, die aus 22 Teilen bestehen, wieder funktionsfähig gemacht.

Einige der schwierigeren Fälle, die dann doch ausgetauscht statt repariert wurden sind hier ausgestellt. Vom Müllschlucker über Straßenwalzen und Bulldozer bis hin zu Stahlpressen und Lokomotiven, hier die stärksten Gegner gelistet.

Natürlich gibt es auch einen Shop, in dem wir einen Pullover, ein T-Shirt und ein Zippo als Erinnerung mitgenommen haben.

Babsy ist ja ein großer Fan von den grün-gelben John Deere Zero-Turn Rasenmähern, also haben wir uns für ein entsprechend gebrandetes Feuerzeug entschieden.

Wir kehren wieder in den Bundesstaat New York zurück. Gestern haben wir noch darüber gesprochen, ob es hier wohl Bären gibt und das Verkehrsschild beantwortet die Frage klar und deutlich.

Zu viele Skelette und Spinnennetze haben Babsy unruhig gemacht, also fahren wir zu einem Halloween-Shop, um zu schauen, was wir so bekommen.

Ein riesiges Geschäft, doch primär gibt es Verkleidungen. Aber wir haben trotzdem einen großen Sack mitgenommen. Nach unserer Heimkehr werdet ihr unsere Beute an und in unserem Haus sehen.

Morgen geht es über den Highway 6, einen Scenic Byway, durch Pennsylvania. Wir wünschen eine gute Nacht.