Roadtrip Nordosten der USA

O Canada

Entspannt nach einer Nacht guten Schlafs setzt sich Arno auf den Topf und denkt an nichts böses – TÜÜÜT TÜÜÜT TÜÜÜT – WTF, Kurt schreit lauthals vor der Türe. Zusammenzwicken und hinauslaufen, es hilft nichts.
Leicht verzweifelt sitzt Babsy im Auto, das frühmorgens alle Nachbarn aus den Betten wirft.
Wir hatten in den letzten Tagen immer wieder Elektronikprobleme bei der ersten  morgentlichen Inbetriebnahme, aber so schlimm war es noch nie.
Arno reißt die Motorhaube auf und überlegt für einen Moment, Minuspol Batterie oder Kabel zur Hupe? Dann ist es plötzlich still. Babsy konnte Kurtl wieder beruhigen.

Wir müssen uns heute des Problems annehmen, wir haben schon eine Theorie, was hier falsch läuft.

Schweren Herzens trennt sich Babsy noch von einigen Lebensmitteln, die wir nicht nach Kanada bringen dürfen. Besonders hart trifft sie der Rest der Dose Erdnüsse. 😉

Statt direkt zur kanadischen Grenze zu fahren, machen wir einen kleinen Umweg zu einer Jeep Werkstätte, etwa 15 Minuten entfernt. Kurz bevor wir ankommen springt Babsy kurz aus dem Auto, um ein Piratenschiff voll von Skeletten und einen Kraken abzulichten.

Arno marschiert in die Werkstatt und schildert die Symptome der letzten Tage. Es dürfte wohl der FOB-Key sein, dessen Batterie zu schwach geworden ist, was in Kombination mit ein paar anderen Faktoren zu dem Problem führt. Für zehn Dollar erstehen wir einen neue Energiequelle für den Funkschlüssel und hoffen, dass es damit behoben ist. Sicher wissen wir das erst morgen früh …

Zur gleichen Zeit steht Babsy vor der Werkstatt, als ein vorbeikommender LKW eine riesige Schar Wildgänse von einem Feld aufscheucht, worauf hunderte Gänse sich lauthals schreiend in die Luft erheben. Lauthals schreiend scheint heute in Mode zu sein.

Auf der County Road 68 geht es von Potsdam zur kanadischen Grenze bei Ogdensburg. Übrigens, der rote LKW links im Bild wird bis über die Grenze direkt hinter uns herfahren.

Die USA und Kanada werden hier vom St. Lorenzstrom voneinander getrennt. Um auf die andere Seite zu gelangen, muss man über eine Mautbrücke fahren.

Auf der amerikanischen Seite ist der Grenzposten wie verlassen, wir fahren einfach nur durch, keiner kümmert sich um die Ausreisenden. Es gilt die Devise ‘Alles Böse kommt von draußen.’

Der St. Lorenzstrom (engl. Saint Lawrence River) ist einer der bedeutendsten Flüsse Nordamerikas. Er bildet den Abfluss der Großen Seen und verbindet den Ontariosee mit dem Atlantik, wobei er entlang der Grenze zwischen den USA und Kanada verläuft. Mit einer Länge von rund 1.200 Kilometern ist er eine wichtige Schifffahrtsroute. Er ermöglicht es Ozeanschiffen bis tief ins Landesinnere zu fahren.

Das erste Verkehrsschild im metrischen System taucht auf. Bei einem modernen Auto wie Kurt kein Problem, mit ein paar Klicks stellen wir den Tachometer auf Kilometer und die Temperaturanzeige auf Grad Censius um.

Nach ein paar Minuten Gespräch mit dem Zollbeamten haben wir alle Formalitäten erledigt und können einreisen. Alles sehr entspannt und einfach. Mit keinem Wort hat er uns nach Lebensmitteln gefragt, die wir mitführen. Babsy steht die Trauer um ihre Nüsse ins Gesicht geschrieben, wir hätten sie nicht zurücklassen müssen. 🙁

So fahren wir die ersten Meter auf kanadischem Boden durch Prescott, der rote LKW direkt hinter uns her.

Vorbei an Industrieanlagen, Docks und einer Raffinerie geht es direkt neben dem St. Lorenzstrom nach Westen. Hier verlässt uns der rote Begleiter durch das Einfahrtstor zu einer Fabrik.

Auch hier ist der Herbst angekommen und das Laub färbt sich gelb, orange und rot.

Wie auf der anderen Seite der Grenze gibt es immer wieder seltsame Dekorationsobjekte neben der Straße.

Auf einem keinen Parkplatz vertreten wir uns die Füsse und stehen direkt am Fluss, in dem es unzählige kleine Inseln gibt, etliche sind bewohnt, meist steht nur ein einziges Haus auf ihnen. Deshalb heißt die region auch Thousand Isands. Tatsächlich sind es 1.864 Inseln, wobei eine Insel folgende Anforderungen erfüllen muss: Sie muss ganzjährig über Wasser liegen und mindestens zwei Bäume haben.

Wir erreichen die Stadt Kingston und machen kurz Stop bei Tim Hortons. Die Fastfood-Kette hat sich vor allem auf Kaffee und Früstück spezialisiert, sozusagen der kanadische Mc Cafe, nur mit einem weitaus größerem Angebot.

Von der Einrichtung her nicht anders, als andere Ketten.

Aber hier gibt es viel mehr Donuts etc als anderswo (es gibt noch eine weitere Vitrine in dieser Größe) und eine große Anzahl an Kaffeevarianten.

Da wir unsere Lebensmittelvorräte ausgedünnt haben und in Kanada für 4 Tage ein Haus gemietet haben, müssen wir einkaufen. Die Dame des Hauses hat sich für Farm Boy entschieden. Frische, regionale, gesunde und hochwertige Waren werden hier angeboten. Der Marktcharakter hat etwas europäisches und es gibt gutes Brot, etwas das wir schon seit Beginn der Reise vermissen. Gut, wenn man in einem Land ist, das seine Wurzeln unter anderem auf Frankreich zurückführt, da weiß man Baguette zu backen. In diesem Geschäft sucht man übrigens vergeblich nach Coca Cola und Co. Von den Giganten der Lebensmittelindustrie wird hier wenig angeboten.
Und sie haben coole Einkaufstaschen, von denen Babsy sich gleich ein paar gesichert hat.

Von hier an führt uns die Reise Richtung Norden und auch in Kanada begleiten uns die Baustellen. Überland sind 80 km/h erlaubt, der durchschnittliche Kanadier fährt da aber ohne mit der Wimper zu zucken 95+ km/h.

Die Straßen werden wieder kleiner, als wir uns dem Sharbot Lake nähern.

Bald sind sie nicht mehr als ein Waldweg zu unserem Haus.

Weit abseits der Hektik und Zivilisation werden wir ein paar Tage in diesem Haus am Sharbot Lake verbringen, Kajaks und große Terrasse inkludiert.

Dieser Ausblick verspricht Ruhe, die wir geniessen werden.

Und wir haben endlich wieder die Möglichkeit sebst zu kochen. 🙂

Gute Nacht, ihr Lieben, bei uns ist es mittlerweile stockdunkel, keine Lichter zu sehen, nur die Sterne.

Polka und Tretboot

Direkt am Sharbot Lake steht unser Haus, gleich da, wo der Pfeil hinzeigt.

Viel haben wir uns für die Tage hier nicht vorgenommen. Der Nachbar hat uns ein paar Tips zur Gegend gegeben, darunter auch den lokalen Fleischer, der Sternelokale im ganzen Land mit seinen Wurstwaren beliefert. Bei unserer Ankunft haben wir dort Rauch von Grillern aufsteigen gesehen. Also schauen wir zu Seed to Sausage. Vielleicht gibt es da ein Mittagessen für uns.

Und tatsächlich, auch heute qualmen hier die Feuerstellen vor dem unauffälligen Gebäude. Der Parkplatz ist gut besetzt.

Die Jahreszeit in Betracht ziehend, was kann das wohl sein? Oktoberfest, was sonst. Also besuchen wir zum ersten Mal ein Oktoberfest und dann gleich eines in Kanada. 😉
Jeder für so eine Veranstaltung erforderliche Kitsch, von Plastiktischtüchern im bayrischen Design bis hin zu Schürzen mit Dirndlaufdruck ist mit dabei. Polka kommt aus dem Lautsprecher.

Die folgende Zeile muss man mit einem kanadischen Akzent lesen: Bratwurst with Sauerkraut.
Warum auch immer, auf dieser Seite des Atlantiks packen sie immer Sauerkraut in Hot Dogs.

Also probieren wir es, so wie es die lokale Spezialität vorgibt. Die Wurst ist wirklich gut, selbst für unsere Verhältnisse, das Sauerkraut muss nicht sein.

Zurück im Haus kochen wir uns ein etwas weniger fancy Abendessen, eine asiatische Reisbowl.

Während die Waschmaschine läuft schauen wir uns die Kajaks an, die unten am See liegen. Da sie verkehrt herum gelagert wurden, sind sie voll mit Blättern, Piniennadeln und Wasser. Also entscheiden wir uns um.

Wir nehmen das kleine Tretboot. 🙂

An ein paar kleinen Inseln vorbeitretend nutzen wir das schöne Wetter und befahren den Sharbot Lake. Kein anderes Boot ist unterwegs außer uns. Gestern Abend waren noch ein paar Fischer am See.

Langsam geht es am herbstlichen Ufer entlang.

Nach einer netten Runde körperlicher Betätigung kehren wir zum Haus zurück.

Es ist Sonntag und somit heißt es jetzt Bier, Tacos und Fernbedienung zur Dame des Hauses – Football-Time. Sehr zu Babsys Freude gibt es hier bequeme Fernsehsessel mit Schaukelfunktion.

Morgen geht es zu den Niagara-Fällen. Eine gute Nacht aus Kanada.

 

Auf nach Niagara

Die Schotterstraße bringt uns aus dem herbstlichen Wald und weg von unserer kleinen Auszeit am Sharbot Lake.

Unzählige kleine Seen, Tümpel und Sümpfe sind in den Wald eingebettet, ein leichter Nebelschleier liegt über dem Wasser.

Die Straßen sind einsam und leer, obwohl heute Montag ist, gerade einmal 8 Uhr. Entweder sind alle schon in der Arbeit oder eben noch nicht.

Der Herbst zeigt am Straßenrand all seine Farben.

Unser erstes Ziel für den Tag sind die Forest Mill Falls und die Mühle, die dort steht. Über die kleine Brücke mit der fraglichen hölzernen Fahrbahn gilt es noch zu überqueren …

… und wir stehen in einer Baustelle. Keine Chance zur Mühle oder zum Wasserfall zu kommen. 🙁 Also fahren wir weiter, wir haben ja noch weitere Punkte auf der Liste.

Zum Beispiel den West Zwick’s Island Park in Belleville.

Ein Sabre Jet, der von der Kunstflugstaffel Golden Hawk verwendet wurde, wir hier ausgestellt. In so einer F-86 Sabre durchbrach 1953 Jacqueline Cochran als erste Frau die Schallmauer.

In den Park gibt es ein Dorf aus Containern für Pop-Up Foodstores. Montag in der früh ist leider keiner der Stände offen, also begnügen wir uns mit selbstgemachten Sandwiches. Die Eichhörnchen beobachten uns genau und kommen immer näher. Sie werden offensichtlich gefüttert und haben wenig Scheu.

Wir machen einen kleinen Spaziergang unter der Norris Whitney Brücke hindurch.

Weiter geht es zu dem kleinen Bond Head Leuchtturm, der am Ufer des Ontario Sees steht. Der Ontario See ist der östlichste der großen Seen, die noch auf unserer Bucketlist stehen.

Um Zeit zu sparen nehmen wir heute den Freeway 401, den Queen Elisabeth Way, um nach Toronto zu gelangen. Überland mit Tempo 80 und den Ortschaften, die einen weiter bremsen würden wir sonst über 8 Stunden brauchen, also rauf auf den Asphaltstreifen.

Ursprünglich hatten wir geplant kurz vor Toronto bei The Joint BBQ mittag zu essen. Hier gibt es eine Pizza, die wie ein Joint gerollt wird. Es wird vom BBQ-Meister Ted Reader geführt und es gibt auch einen BBQ Shop vor Ort. Aber wie das bei uns so ist, nicht alle Lokalitäten haben auch offen, wenn wir kommen. Arno hat noch sehr schmerzlich das Potato Museum in Blackfoot ID in Erinnerung. Eines Tages, eines Tages, …

Wir erreichen Toronto und werden von der Skyline begrüßt.

Was bei einem Blick auf das Navi gleich auffällt, in unsere Fahrtrichtung sind es 8 Spuren und ebensoviele in die Gegenrichtung. Und es hat am 6. Oktober in Toronto 29°C.

Auf dem Freeway darf man 100 oder 110 fahren. Wir erinnern uns, dass Überland 80 erlaubt sind und sich kein Hund auch nur im geringsten um diese Beschränkung kümmert. Auf dem Freeway ist das komplett anders, alle halten sich an das Limit – keine Ahnung warum. Weder gibt es unzählige Radars noch hohe Polizeipräsenz, nichts dergleichen.

Wie das in der Nähe und in Großstädten so ist, ein Stau, da helfen die 8 Spuren auch nichts. Was es hier, wie auch in den USA immer wieder gibt, ist eine sogenannte Diamond Lane, gekennzeichnet durch die Raute (Diamond) am Asphalt. Sie ist für Fahrgemeinschaften reserviert und werden Videoüberwacht, damit man es auch nicht missbraucht. In Nordamerika ist ein Auto mit 2 (in Worten zwei) Personen bereits eine Fahrgemeinschaft. Also nutzen wir die Chance und kommen im Stau somit viel schneller voran.

Und dann ist unser heutiges Ziel auch schon angeschrieben, weiter geht’s. Links im Bild ist übrigens unsere Mautbox zu sehen, die auf elektronischem Weg eventuelle Maut bezahlt. Das trifft uns eher selten, wir nutzen sie höchstens, um schnell durch große Städte zu kommen. Wenn wir bei einem Urlaub auf $15 kommen, ist es viel.

Letztes Zwischenziel ist eine Farm für Ahornsirup. Wir hatten auf eine Führung gehofft, doch leider ist uns der Tag nicht hold.

Zumindest holen wir uns etwas im Shop der White Meadows Farm.

Obwohl Niagara nicht mehr weit ist, finden wir doch noch eine staubige Nebenstraße durch die Felder.

Noch über eine alte Zugbrücke, die Allanburg Bridge, die den Welland Kanal überspannt.

Wir erreichen unsere Unterkunft im Cadillac Motel in Niagara.

Der Tag ist noch nicht zu Ende, wir haben noch viel vor. Was wir heute noch erlebt haben, erzählen wir euch in einem zweiten Eintrag zum heutigen Tag, um diesen nicht zu sehr in die Länge zu ziehen. Also, noch nicht ins Bett gehen.