Roadtrip Nordosten der USA

Acadias erste Sonnenstrahlen

Hier im Acadia Nationalpark gibt es den Cadillac Mountain, von dem man die ersten Sonnenstrahlen sehen kann, die auf die Vereinigten Staaten treffen (zumindest von Oktober bis März). Dafür muss man sich ein limitiertes Ticket besorgen und seeehr früh aufstehen. Wir geniessen den Ausblick ein paar Sekunden später, dafür mit einem Heißgetränk am Balkon.

Es ist Wochenende und das Wetter großartig, also wird sich der Nationalpark sehr bald befüllen. Die Sonne steht noch tief über dem Horizont und die Schatten sind lang, als wir losfahren.

Das erste Ziel ist bald erreicht, Sand Beach und er ist noch recht leer, als wir ankommen. Am Weg hierher sind wir an einem Trail vorbeigekommen, der zu den Highlights dieses Parks zählt, dem Beehive. Dieser Bienenstock ist eine Felswand, die man über einen Klettersteig erklimmen kann. Schon jetzt windet sich eine endlose Schlange an Leuten den Berg hinauf, wer’s braucht …

Sanft rollen die Wellen vom Atlantik herein, das Wasser ist ziemlich frisch. Noch behalten wir lieber die Schuhe an.

Hier am Starnd startet auch der Ocean View Trail, der sich der felsigen Küste entlang windet. Im Schatten der Nadelbäume wandern wir los, während immer mehr Autos ankommen. Schnell weg.

Ein Blick zurück zeigt uns den Strand, an dem wir gerade noch gestanden sind.

An vielen Stellen kann man auf die Klippen hinaus gehen, um einen besseren Überblick zu bekommen. Tief unten im Wasser sehen wir die Bojen in den Wellen auf und ab tanzen, die Hummerfallen kennzeichnen.

Ein eiskalter atlantischer Strom fließt hier direkt an der Küste entlang und bringt sauerstoffreiches Wasser mit sich. Perfekte Bedingungen für Hummer, wofür der Bundesstaat Maine auch berühmt ist.

Wir erreichen Thunder Hole, einen schmalen Kanal, der tief in die Klippe eingeschnitten ist.

Am Ende gibt es eine Höhle, die unter der Wasseroberfläche liegt. Hier wird das heranrollende Wasser zuerst hineingedrückt, um sofort von der hinteren Wand der Höhle zurückgeworfen zu werden. Das Vorwärts und Rückwärts der Welle prallen aufeinander und ergeben den Donner, der dem Ort seinen Namen gegeben hat.

Zwei Stunden vor dem Höchststand der Flut soll es am lautesten sein, das ist aber erst in ein paar Stunden. Trotzdem, es donnert und spritzt ordentlich.

Als wir von der Wanderung zurückkehren ist schon die ganze Straße zugeparkt – Wochenende halt.

Für die Menge an Autos, die hier überall stehen, ist überraschend wenig Verkehr auf den Straßen. Scheinbar sind alle schon dort angekommen, wo sie hin wollen. 😉

Zum Sonnenaufgang war es uns zu früh, aber jetzt fahren wir doch noch auf den Cadillac Mountain. Ein Ticket muss man dafür trotzdem lösen und hat dann einen Slot von 30 Minuten, um hinauf zu fahren. Einmal oben kann man bleiben solange man will.
10:30 fahren wir den Berg hinauf, nachdem wir mit dem jungen Ranger am Kontrollpunkt noch etwas an seiner deutschen Aussprache gefeilt haben.

Oben angekommen hat man die Möglichkeit auf dem Ost-Parkplatz stehen zu bleiben oder auf den westlichen Ausweichplatz zu fahren. Der Ort ist auch lange nach dem Sonnenaufgang sehr beliebt, wie wir feststellen müssen. So fahren nach einer laaangsamen Runde am Hauptparkplatz zur etwas entfernteren Möglichkeit.

Und dann sehen wir den Blick, wegen dem hier täglich so viele Frühaufsteher herkommen. Es gibt Orte die östlicher liegen und somit früher die Sonne sehen sollten. Da dieser Ort aber mit 466 m höher liegt, sieht man sozusagen weiter hinter die Erdkrümmung.

Der Hauptort hier ist Bar Habor und wir schauen einmal, ob wir dort einen Parkplatz bekommen. Das Glück ist uns hold und wir bekommen einen zum Schnäppchenpreis von nur $4 pro Stunde.
Manchmal läuft es einfach und das hier ist eines dieser Male. Nicht nur, dass wir Kurt gut untergebracht haben, gibt es hier natürlich unzählige Shops für die Dame des Hauses. Und wir sind in alle hineingegangen. Bis auf den Hippie-Shop und die Wahrsagerin.
T-Shirts, Magneten für den Kühlschrank, Stofftier, Krimskrams und eine coole gelbe Regenjacke für eine strahlende Babsy. Was will man mehr?
Die Aufregung war so groß, dass wir nicht einmal ein Bild von den Geschäften gemacht haben. Erst am Ende der Hauptstraße haben wir uns gefangen und ein Bild vom Hafen geschossen.

Die örtliche Feuerwehr zeigt, was sie so zu bieten hat – Ladder No. 4, Engine No. 5 und die beiden Ambulanzwägen.

Wir kehren mit unserer Beute zu unserer Unterkunft zurück und gehen über eine Treppe hinunter zum Meer, derzeit ist die Flut auf ihrem Maximum. Das Wasser ist klar, ruhig und kühl.

Das ist die Chance, um unser traditionelles Füsse im Wasser Foto zu machen.

Morgen geht es hinauf in den östlichsten Zipfel der USA. Wir wünschen eine gute Nacht.

 

Ganz in den Osten

05:30 und der Wecker läutet, wir hoffen erneut auf einen großartigen Sonnenaufgang. Da unser Bett genau auf die Balkontüre ausgerichtet ist, reicht ein kurzer Blick. Der Himmel mit dichten Wolken verhangen. Wir können uns das frühe Aufstehen sparen, also die Augen noch einmal zugemacht.

Als wir uns in Richtung Osten aufmachen, hat sich die Wolkendecke schon etwas gelichtet.

Unser heutiges Ziel ist Lubec ME, die östlichste Ortschaft der USA. Sonst ist dort nicht viel, also füllen wir unsere Vorräte bei Walmart noch einmal auf. Am Parkplatz sehen wir einen kurzen alten Schulbus, umgebaut zu einem Camper. Nice.

Wir folgen weiterhin dem Highway 1, machen jedoch ein paar Umwege, die uns über kleine Nebenstraßen direkt an der Küste entlang führen. Orte wie Jonesport und Co sind alles andere als touristisch. Hier gibt es außer Privathäusern nichts, keine Lokale, keine Geschäfte. Vielleicht einmal einen Dollar General, eine General Store Kette der eher kleinen Art. Er taucht dort auf, wo die anderen Ketten keine Kundenbasis mehr sehen.
Dafür gibt es sehr nette kleine Häfen zu entdecken.

Hier sind auch die Reusen aufgestapelt, mit denen der Hummer gefangen wird. Der einzige Foodtruck weit und breit, bei dem man eben diese Schalentiere erwerben kann, hat geschlossen. 🙁

Je weiter nördlich wir kommen, desto mehr verfärbt sich das Laub, der Indian Summer kommt.

Es gibt noch ein zweites Lebensmittel, für das diese Gegend bekannt ist, Heidelbeeren. Die Felder sind schon abgeerntet, auch das Laub der Sträucher verfärbt sich schon rot. Beide müssen wir an unsere Jugend denken, als wir mit unseren Müttern in den Wäldern von Niederösterreich und der Steiermark nach eben solchen Heidelbeeren gesucht haben.
Man kann sich bei vielen der Farmen hier als Erntehelfer bewerben, nein wie schade, dass die Zeit dafür schon vorbei ist. 😉

Wir wollen uns die Rückenschmerzen beim Brocken ersparen. Also fahren wir zu einem der Bauern und kaufen uns in seinem Schuppen einen frisch gebackenen Heidelbeerkuchen. Blue Barrens Farm bietet eine solchen mit 500 g um $ 25 an.

In unserer modernen Welt geht das kontaktlos, Zahlung mit Kreditkarte oder Handy ist kein Problem. Babsy ist etwas entäuscht, hätte sie doch so gerne die alte Bäuerin getroffen, die den Kuchen gebacken hat. 😉

Heute Abend werden wir sicherlich einen blau verschmierten Mund haben. 😛

Damit aber noch nicht genug zu dem Thema, es gibt noch das Wild Blueberry Museum mit Shop, nicht weit von hier in Columbia Falls ME. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen.
Das leuchtende Blau des Gebäudes tut schon fast in den Augen weh.

Wir verlassen die kleine Ausstellung mit einem Glas Heidelbeermarmelade und einem Heidelbeereissandwich.

Kaum ein landwirtschaftliches Produkt kommt ohne eine Königin oder Prinzessin aus, die es repräsentiert und so nutzt Babsy die Chance und besetzt den leeren Thron.

Was hat man hier in der Einfahrt stehen? Eine alte Corvette, einen rostigen Stapler und ein Fischerboot. 🙂

In der kleinen Stadt Machias ME kommen wir zufällig an einem Supermarkt vorbei, den wir noch nicht kennen – Hannaford. Daran kommt Babsy natürlich nicht vorbei, da gibt es sicher etwas zu entdecken, also stehengeblieben.

Ein recht brauchbares Baguette, ein Sack mit 2 kg Äpfeln von lokalen Bauern und ein frischer Krebsaufstrich kommen in den Einkaufswagen. Die großen Schalentiere lassen wir lieber hier.

Immer kleiner und einsamer werden die Straßen, die wir nehmen.

So einsam, dass die Seeadler auf den Strommasten ihre Nester bauen, weil sie keiner stört.

Am Nachmittag erreichen wir unser Ziel, Lubec. Wenn man hier einmal falsch abbiegt steht man an der kanadischen Grenze. Bevor wir unser Quartier beziehen, gehen wir in The Inn on the Wharf um etwas zu essen.

Was wir es wohl werden? Babsy bekommt eine Lobster Roll, Hummerfleisch mit Mayonaise in einem getoastetem Brötchen.

Arno geht all-in und bestellt sich den ganzen Hummer mit einem Maiskolben. Lediglich $ 39 stehen dafür auf der Rechnung.

Wir sind uns einig, dass uns die Crawfish in Louisisana besser geschmeckt haben.
Auf dem Tischset steht der Hinweis ein Lätzchen zu verwenden, da im unpassendensten Moment Wasser herausspritzen kann und man sich damit auch gleich viel jünger fühlt. Überraschend sauber geht Arno aus seiner ersten Konfrontation mit einem so großen Schalentier heraus, obwohl er auf das Plastiklätzchen verzichtet hat.

Gleich daneben beziehen wir unser heutiges Quartier mit dem Namen Smuggler, mit direktem Blick auf den Atlantik.

So geht für uns nach einem ereignisreichen Tag die Sonne unter.

Morgen haben wir den längsten Stint der Reise vor uns, also heißt es früh losfahren. Wir gehen deswegen bald ins Bett und wünschen eine gute Nacht.

Quer durch ganz Maine

Ein neuer Tag beginnt mit einem weiteren Sonnenaufgang. Da man ihn von unserer Terrasse aus nicht gut sehen kann, spazieren wir noch im Dunkeln zwei Piers weiter und warten, bis sich die Sonne über dem Horizont zeigt. Es ist ein ruhiger, leicht kühler Morgen.

Zum Frühstück gibt es Heidelbeerkuchen, wir haben ihn gestern nicht ganz aufgegessen. Dazu ein großes Glas Milch und der Tag kann beginnen.

Es ist fast 8 Uhr, als wir Lubec verlassen. So ist auch Lubec, verlassen, niemand ist auf der Straße zu sehen. Es dauert ein paar Meilen, bis wir einem anderen Auto begegnen.

Wir fahren an der kanadischen Grenze entlang nach Norden, bis wir den Highway 1 endgültig hinter uns lassen und auf die County Road 9 wechseln. Von nun an geht es zurück Richtung Westen. Hier an der Grenze sind mehr Nadel- als Laubbäume zu sehen. Dementsprechend sieht es wieder grüner aus.

Wieder reisen wir unter einem strahlend blauen Himmel, es hat zwischen 18° und 20°. bald haben wir die Laubbäume wieder gefunden, die Gelb- und Rottöne kehren zurück.

Ein Schild warnt vor dem erhöhten Unfallaufkommen durch Wildwechsel hin. Zwei Rehe, ein Stachelschwein und ein Stinktier haben wir schon gesehen, die es nicht über die Straße geschafft haben. Also aufmerksam sein.

Als würde er in Flammen stehen …

Nachdem wir die Stadt Bangor ME mit ihren rund 30.000 Einwohnern durchquert haben, bekommt die County Road 9 noch den zusätzlichen Namen des Highway 202. Die gerade Nummer zeigt, dass der Highway in Ost-West Richtung verläuft.

Tankstopp. Kurti ist durstig, er braucht um die 14 Liter auf 100 km, kein Wunder bei den über 500 PS, die er auf die Straße bringt. Und dann will er auch nur den besseren Sprit mit höherer Oktanzahl – Luxusauto, Luxussprit.
Arno entdeckt einen Scheibenputzer, der dem in Texas hinsichtlich der Größe in nichts nachsteht.

Bisweilen führt uns Google Maps auf kleine Nebenstraßen, nur um nach ein paar Meilen wieder auf der ursprünglichen Straße zu enden, auf der wir schon unterwegs waren. Wir haben heute ein paar Wohngebiete bewundern können, mit oftmals sehr aufwendiger Halloween Dekoration im Garten. Wir nennen sie Google Umfahrungen, wahrscheinlich sind sie rechnerisch um ein paar Meter kürzer.
Manchmal sind die Brücken so klein und/oder alt, dass sie nur ein LKW auf einmal überqueren darf.

Bei so mancher Straße sind wir froh, dass sie noch asphaltiert ist, so klein und schmal sind sie.

Und genau solche Wege führen an die besten Orte, wie diesen kleinen See, den North Pond bei Locke Mills ME.

Hin und wieder ist ein Briefkasten in seiner Ausgestaltung kreativer als andere. Dieser Hauseigentümer kommt wohl aus Arizona, denn dort wachsen solche Saguaro Kakteen. Auf unsere letzten Reise haben wir sie uns in der Sonora Wüste angesehen, hier im Nord-Osten trifft man sie wohl nur als Briefkasten.

Bevor wir ins Motel fahren, bleiben wir noch bei Butcher Burger stehen. Nach einer Woche in Amerika gibt es den ersten Burger. Einen klassischen Cheeseburger mit Pickles für Arno.

Einen Bacon Bacon mit karamellisierten Zwiebeln für Babsy. Die Hälft davon kommt mit ins Motel, als Mitternachtssnack. 😉

Ein klassiches Motel ist es heute geworden, in West Bethel ME. Keine Terrasse, kein kleiner Hafen vor dem Fenster, kein romantischer Sonnenaufgang. Der Highway 2 ist es, den wir vom Fenster aus sehen.

Nun beginnt der weniger abenteuerliche Teil des Tages, Wäschewaschen. 🙁
Eine volle Ladung in einer großen 8 kg Trommel und zwei Trocknerladungen später stehen wir um unser Bett und legen die Wäsche zusammen, während im Fernsehen Golden Girls läuft.

Morgen verlassen wir Maine und fahren weiter nach New Hampshire. Arnos Vater hat hier in seiner Studentenzeit in einem Jugendcamp als Reitlehrer gearbeitet, nun sehen wir uns den Bundestaat ein paar Jehrzehnte später an.

Im Duft der frischen Wäsche gehen wir ins Bett und wünschen euch eine gute Nacht.