Die Minusgrade haben uns eingeholt, in der Früh ist Kurtls Dach mit Eis überzogen. Das morgentliche Scheibenputzen (für bessere Fotos) ist daher ein bisschen schwieriger als sonst.
Unser Ziel heute sind die tiefen Wälder in den Catskills, einer waldigen Region in New York. Die Vermieter unseres Hauses, in dem wir drei Nächte bleiben werden, haben uns vorab eine seitenlange Anleitung geschickt, wie man mit den tausenden Bären umgeht, die in der Gegend leben. Von Anweisungen für das Handling des Mülls, bis hin zum Fakt, dass auch schon einmal ein Bär im Vorraum des Hauses war.
Somit ist die erste Station des Tages schon fixiert, ein Traktorhändler, was sonst.
Er hat vor der Tür ein paar von Babsys Lieblingen stehen – Zero Turn Rasenmäher. Ob die ins Flugzeug passen?
Wegen den Traktoren und Gartengeräten der größeren Art sind wir nicht hier, laut ihrer Homepage haben sie Bärenabwehrspray im Sortiment. Also rein bei der Tür. Oh, sie haben die Hühnerskelette! Leider sind sie auch zu groß für unsere Taschen. 🙁
Was wir leider nicht finden ist der Bear-Spray. Die Dame an der Kassa und eine Kundin können uns schnell weiterhelfen, wir sollen die Straße weiter hinauffahren bis zu Shiffler Hardware und nebenan ist gleich Hunter’s Gallery. Dort gibt es den sicher. Ein paar Minuten später sind wir beim Jagdausstatter.
Das Geschäft ist groß und vollgestopft mit allem, was man zum Fischen und Jagen braucht. Arno wirft einen Blick auf die Bogenabteilung, wo gerade etliche Compundbögen für die Jagdsaison vorbereitet werden. Weiter hinten sind Regale voll von Schrottflinten, Pumpguns, Langwaffen, Sturmgewehren und Faustfeuerwaffen.
Wir finden den Spray und $40 später ist er unser. So sieht nun Babsys Rauchequipment aus, um auf die Terrasse zu gehen. Eine starke Taschenlampe und ein Abwehrspray.
Wir beginnen unsere Reise Richtung Osten, wieder auf einer kleinen Nebenstraße. Der Himmel ist strahlend blau, auch wenn es nur zwei Grad hat. Ein paar Mal laufen uns wilde Truthennen vor das Auto. Gut, dass wir über längere Zeit eine Einheimische in ihrem Auto vor uns haben, ihre Bremslichter zeigen uns an, wo wir einen Wildwechsel haben.
Einmal abbiegen und wir sind wieder auf der Route 6, doch nach Westen? Falsche Richtung? Nein, nur ein kurzes Stück geht es zurück, dann sind wir wieder auf dem richtigen Weg.
Auf der 652 geht es nach Osten.
Die Straßen sind wieder leer, als wir unterwegs sind. Upstate New York ist aber auch nicht der am dichtesten besiedelte Teil des Bundesstaates.
Auf eines kann man sich verlassen, in jedem noch so winzigen Ort gibt es eine kleine weiße Kirche. Oft ist auch nicht mehr als nur das Gotteshaus vorhanden, der Treffpunkt für die Farmer der Umgebung.
Es wird kurviger und enger, ein paar Mal fahren wir mit Kurt so nah am Straßenrand wie es nur geht, um LKWs auszuweichen. Hin und wieder staubt es kurz hinter uns, wenn wir aufs Bankett kommen.
Drei Whitetails (Rehe) stehen vor uns auf der Straße und starren uns an. Erst als wir langsam näherrollen gehen sie weiter. Gehen, nicht springen oder laufen. Sie schauen weniger verschreckt als fragend, was wir hier machen.
Aber auch hier im bewaldeten Nirgendwo gibt es eine Baustelle für uns. Sogar mit Ampel.
Unzählige Kurven bringen uns durch den einsamen Sundown Wild Forest.
Wir erreichen den Highway 28, der etwas breiter ist und folgen ihm einige Meilen.
Wir machen einen kurzen Stopp bei einem Eisenbahnmuseum.
Hier kann man mit einer Draisine fahren. Sie ist um einiges moderner als die Modelle mit denen wir vor Jahren unsere, damals noch kleinen Nichten herumkutschiert haben. Leichtbaurahmen, Scheibenbremsen an allen Rädern, Liegesitze und ein E-Motor, das ist eine ganz andere Liga.
Das kleine Museum selbst hat leider unter der Woche geschlossen, ab morgen ist es wieder geöffnet.
Auf dem Schienenstrang neben dem Museum steht eine Caboose.
Eine Caboose war bei amerikanischen Güterzügen jahrzehntelang der letzte Wagen – ein rollendes Büro und Aufenthaltsquartier. Dort saßen der Zugführer und der Bremser, führten Papiere und Frachtlisten mit, überwachten den Zug und seine Bremsen durch die seitlichen Fenster oder den erhöhten Ausguck. Sie diente zugleich als Werkstatt, Schlafplatz und Küche, ausgestattet mit Ofen und Betten.
Sie wurden durch eine kleine elektronische Box, die am letzten Wagen angebracht wird ersetzt. Diese messen den Bremsdruck und senden ihn per Funk an den Lokführer. Sie blinken rot als Schlusslicht und sind damit auch eine optische Kontrolle für Bahnpersonal außerhalb des Zuges. Ist da kein Blinklicht, dann fehlt wohl ein Teil des Zuges.
Heute sieht man eine Caboose hin und wieder als Diner oder in Museen.
Hier sehen wir auch den Hit des Sommers. Diese Holzsessel stehen in jedem zweiten Garten und bei jedem Händler, der etwas mit Gartenmöbel zu tun hat. Dies ist das zweisitzige Modell, es gibt sie auch als Einzelsessel. Was sie alle gemein haben, sind knallige Farben. Wir können sie zum ersten Mal ausprobieren, recht bequem, aber auch zu groß zum Mitnehmen.
Da wir ein paar Tage in einem Haus wohnen werden, geht es gleich noch zum Einkaufen, Hannaford ist der Markt unserer Wahl.
In der Gewürzabteilung schauen wir, was es zu finden gibt. Wir packen alle Gewürzdosen für Apple- und Pumpkin Pie von McCormick ein, die im Regal stehen, um sie Norbert mitzubringen. Die Dame an der Kasse hat ganz schön geschaut, was für ein riesiges Thanks Giving Fest wir scheinbar planen.
Es geht tief in den Wald, hier gibt es nicht einmal mehr Fahrbahnmarkierungen.
Dann haben wir unser Häuschen erreicht.
Im Dunkel des Abends wundern wir uns, woher die Unmengen Autos kommen, die am Haus vorbei fahren. Egal, wir sind müde und es geht ins Bett. Bis morgen.

























