Die Temperaturen sinken, als wir zum Früstück im Nebengebäude gehen sind die Dächer und Scheiben der Autos angefroren. Das Ehepaar in Berlin hat schon erwähnt, dass es zu warm ist für einen Herbst in New Hampshire.
Bei unserer heutigen Unterkunft ist das Frühstück inkludiert, also bestellt sich Babsy einen klassichen Eier und Speck Teller, auf dem auch frittierte Erdäpfel versteckt sind. In den Staaten Eier zu bestellen ist eine wahre Wissenschaft.
– sunny side up (kassiches Spiegelei, wie wir es kennen),
– over easy (beidseitig gebraten, das Eigelb bleibt noch flüssig),
– over medium (beidseitig gebraten, das Eigelb ist teilweise gestockt, aber noch cremig),
– over hard (beidseitig gebraten, Eigelb komplett durch) oder
– scrambled (Eierspeise, weich und buttrig).
Arno bekommt heißen Porridge mit braunem Zucker und Cranberries.
Gut gestärkt geht es los, nur noch ein kleines Stück New Hampshire liegt vor uns. Über den Highway 302 geht es durch Littleton.
Hier gibt es auf der Hauptstraße noch ein Kino im klassiches Stil, kein Center am Stadtrand.
Vorbei an der 1st Congregational Church fahren wir nach Woodsville.
Wir überqueren den Connecticut River und erreichen den nächsten Bundeststaat, Vermont.
Live free or die – lautet das Motto von Vermont.
Die Landschaft wird offener, mehr landwirtschaftliche Flächen sind zu sehen. Maine und New Hampshire sind dagegen sehr dicht bewaldet.
Wir erreichen Montpelier, die Hauptstadt von Vermont und fahren direkt am Vermont State House vorbei.
Ziel Bauchweh ist erreicht, als wir auf den Parkplatz von Ben & Jerry’s in Waterbury VT fahren. Weltberühmt für ihr Speiseeis und ihr Engagement für Umwelt und soziale Themen.
Vor dem Gebäude steht der alte Bus, mit dem Ben und Jerry in den 80er Jahren von Festival zu Festival tingelten.
Es gibt die Möglichkeit sich die Produktion anzusehen, das lassen wir uns sicherlich nicht entgehen. 400.000 Pints (Packungen B&J’s) werden hier pro Tag hergestellt. Die Produktion läuft 24×7 und alle drei Tage wird die abgefüllte Sorte geändert. Dies ist eine Vorgabe der FDA (amerikanische Gesundheitsbehörde). Dann wird die gesamte Produktionslinie in ihre Einzelteile zerlegt und je nach Produkt 12 bis 24 Stunden lang gereinigt, dann geht es weiter. Wie lange und aufwendig gereinigt wird, hängt von den Sorten ab. Sind Allergene enthalten gibt es eine aufwendigere Reinigungsprozedur.
Brintney führt uns durch die Produktion, hier sind Fotos natürlich nicht erlaubt.
Die Qualitätssicherung nimmt stündlich Proben und verkostet sie unter anderem auch. So kommt jeder Mitarbeiter der Abteilung pro Tag auf eine volle Packung Eis, etwa 470 ml.
Aus diesem Grund gibt es für die Tester zusätzliche medizinische Untersuchungen und Betreuung, sowie eine Mitgliedschaft im Fitness-Center auf Firmenkosten.
Auch wir bekommen eine Kostprobe am Ende der Führung. Brokkoli, Cheddar und rote Bohnen.
Diese Tafel ist nur ein Scherz des Teams, das uns durch das Werk führt. Doch eines Tages hat die Produktion es wahr gemacht und tatsächlich das Eis produziert. Es gab ‘leere Mägen und volle Mistkübel.’ Die schräge Sorte hätten wir schon gerne probiert.
Für uns gibt es heute Santa Claus’ Favorite, Milch und Kekse.
Die neuen Sorten für 2025 sind ausgestellt. Zum ersten Mal gibt es Packungen, die größer als ein Pint (473 ml) sind. Bisher hat man an der einen Packungsgröße festgehalten. Die Haltbarkeit ist 18 Monate und B&J’s meint, wenn man in der Zeit die Packung nicht leer gemacht hat, dann stimmt mit einem etwas nicht.
Aber jetzt kommen wir zum Wichtigen, dem Scoop Shop, hier gibt es alle aktuellen Sorten.
Und das in den unterschiedlichsten Formen.
Babsy wählt eine kleine Waffel mit Mochaccino.
Es gibt hier zwei richtige Portionen: Vermonster mit 20 Kugeln und Mini-Vermonster mit 4 Kugeln. Dazu unzählige Toppings.
Die Vernunft siegt und Arno bestellt sich ein Mini-Vermonster mit Half-Baked, Ultraviolet, Sweet Cream & Cookies und Phish Food. Oben drauf kommen Bananen, Kekse, Fudge, Schokosauce, Karemell, Regenbogen-Streusel, Gummibären und Schlagobers.
Es geht vorbei an der Rückseite des Gebäudes, wo die großen Lagertanks stehen, ordentlich beschriftet, was darin aufbewahrt wird.
Am Hügel hinter der Fabrik gibt es einen Friedhof für die Sorten, die es nicht geschafft haben.
Jede Sorte, die vom Markt genommen wird, bekommt einen Grabstein. Unsere geliebten Heidelbeeren aus Maine haben es leider nicht lange gemacht.
Es gibt auch sogenannte Zombie-Sorten, die auf Kundenwunsch, zum Teil mehrmals, aus ihrem Grab wiederauferstanden sind.
Mit Gefrierbrand im Magen geht es ein Stück weiter Richtung Norden, man könnte fast meinen, in unserer Heimat unterwegs zu sein.
Wir haben unser zweites Tagesziel in Vermont erreicht und blicken zum Horizont, wirklich wie zu Hause.
Einmal umgedreht und wir stehen vor der Trapp Lodge, dem ehemaligen Heim der Familie Trapp, die in den 30er Jahren von Salzburg in die USA auswanderten. Sie wurden durch ihre Konzerte berühmt und drehten auch einen Film – The Sound of Music. In Österreich unbekannt, wird er hier an jedem Weihnachtsabend im Fernsehen gesendet. Jede Familie sitzt dann vor der Glotze und singt mit. Der Film und die Trapps sind integraler Bestandteil des heiligen Abends.
Deswegen glauben die Amerikaner auch, dass wir Österreichen uns den ganzen Tag auf grünen Bergwiesen im Kreis drehen und dabei singen, während uns die Kühe zuschauen. In Dirndl und Lederhose natürlich.
Heute ist das Haus ein riesiges Hotel mit Kaffeehaus, Brauerei (da gehen wir nicht hin, schräge Biersorten hatten wir schon genug), Konzerten, Bratwurst und Co.
Wir besuchen natürlich den Gift-Shop und sind entsetzt. Hier gibt es nichts, dass etwas mit Österreich zu tun hat. T-Shirts mit schottischen Rindviechern, Geschirr, das eher aus Dänemark kommt, Pullover im Norwegerstil und diese Schokolade. Liebe Grüße an Kathrin, die hast sicher du produziert.
Es gibt einen riesigen Garten, in dem wir auch eine urtypische Alpenjurte finden, in der unsere Sennerinnen bei einem Gewitter Unterschlupf finden. 😉
Wir verlassen unsere Heimat, wie sie sich die Amerikaner vorstellen.
Endlich wieder eine Schotterstraße, so etwas haben wir schon vermisst.
Gleich neben der staubigen Piste entdecken wir einen kleinen Hain in dem Ahornsirup geerntet wird, also zumindest seine Rohform. Mit den blauen Schläuchen, die von Baum zu Baum gehen, wird der Saft der Ahornbäume gesammelt. Wir hoffen in den nächsten Tagen mehr darüber zu erfahren.
Bristol VT wird uns heute beherbergen, die kleine Stadt hat gerade einmal 4.200 Einwohner.
Nach einem kleinen Spaziergang auf der Mainstreet geht es in die Unterkunft.
Wir wünschen euch einen gute Nacht, schauen wir, wie kühl es morgen wird.































