Roadtrip Nordosten der USA

Der Herbst im Norden

Schon lange haben wir eine Reise durch den Herbst auf unserer Bucket-List. Und dieses Jahr schaffen wir das endlich. Wenn dann gleich richtig und so haben wir den Indian Summer im Nordosten der USA und Kanada gewählt, vor allem nachdem wir uns beim letzten Trip in Colorado in das goldene Laub verliebt haben. 

Auch diesmal sind ein paar touristische Ziele wie New York City und die Niagara-Fälle dabei, aber primär geht es wieder um die versteckten Straßen, die uns tief ins Land führen, weitab der ausgetretenen Pfade. Kitsch, Feuerzeug, Bauchweh und Big Blue sind nur ein paar Dinge, die uns auf diesem Roadtrip begegnen werden.

Wir waren noch niemals in New York

Unser Haus und Garten ist reisefertig und als letztes verabschieden wir uns von der grünen Elise, die den ganzen Sommer am Fenster von Arnos Büro verbracht hat. Bevor die Rollos runtergefahren werden, wird sie vorsichtig in die morgentliche Sonne gesetzt. Hoffentlich haben wir auch nächstes Jahr wieder eine neue Generation im Garten.

Unser Flug bringt uns in lächerlichen 9 Stunden direkt von Wien nach New York. Doch nicht so schnell. Wir haben am Sonntag unser Gepäck vorab eingecheckt, damit wir am Abflugtag nur noch mit dem Handgepäck durch den Sicherheitscheck müssen.

Bei den ausgedruckten Tickets ist Arno aufgefallen, dass unter dem Eintrag Selectee SSSS steht. Was auch immer das heissen soll. Auf Babsys Boardingkarte ist es nicht zu sehen.

Beim Boarding stellt sich dann gleich heraus, was dieses SSSS bedeutet. Arno wurde von der TSA – der amerikanischen Transportation Security Administration, die für die Sicherheit im Transportwesen zuständig ist, für ein Sicherheitsscreening ausgewählt. Also geht es mit dem Handgepäck in einen eigenen Kontrollbereich mit allen Arten an Sicherheitsscannern, die ein Flughafen zu bieten hat. Der Rucksack muss vollständig ausgeräumt werden und jede darin befindliche Tasche ebenso. Die Drohne wird in allen Einzelteilen aufgelegt, alle Kabel heraus, das Handy muss sogar aus der Hülle. Dann geht es für Arno durch den Scanner, samt Sprengstofftest. Die Schuhe fahren durch das Röntgengerät. Die Spezial-Boardingkarte wird einbehalten und eine neue ausgestellt.

Nur eine Stunde später sind wir bereits hoch über den Wolken und auf dem Weg nach Westen.

Nach einem ruhigen Flug landen wir in New Ark NJ, etwa eine Autostunde von New York entfernt. Bessere Flugzeiten haben uns zu diesem Flughafen gebracht. Wir landen um 13:00 Lokalzeit und haben somit den ganzen Nachmittag für die ersten Erkundungen. Wären wir nach New York geflogen, hätten wir erst nach 22:00 aufgesetzt.

Die Immigration ist in 25 Minuten erledigt, eine nette ältere Dame befragt uns zu unserem Trip und wieder ist es sehr wichtig die Adresse der ersten Unterkunft bereitzuhalten.

Mit einem Limosinenservice fahren wir nach New York City, direkt zu unserem Appartment, das wir für 4 Tage gemietet haben. In NYC herrscht derzeit mehr Verkehrschaos als sonst, denn es findet zur Zeit die UN-Generalversammlung statt. Alle Unterkünfte sind ausgebucht und die Stadt ist voll, wirklich voll von Polizei. An jeder einzelnen Kreuzung, an der wir heute vorbeikommen steht zumindest ein Polizist, oft auch mehr.

In der 52. Straße, wo wir wohnen, ist der Anreisekorridor für die Delegierten, das heißt vollkommenes Parkverbot, Sperrgitter an beiden Seiten der Straße, alle 100 Meter 2 Polizeiautos und 4 Polizisten, Tag und Nacht. Zusätzlich fahren ständig weitere Polizeifahrzeuge aller Art durch die Gegend, Sirenengeheul ohne Ende. Auf jeden Fall fühlen wir uns sicher.

Unser Appartment ist nicht groß, aber sehr nett. Leider ist die Dachterrasse noch immer im Umbau und wir können uns am Abend nicht gemütlich aufs Dach setzte. 🙁

Direkt gegenüber ist das ungarische Konsulat. Ein etwas anderer Blick aus dem Fenster als zu Hause.

Nach einer Stunde Pause geht es in den nächsten Shop, um ein paar kleine Besonrgungen zu machen. Dann machen wir uns auf in die Schluchten von New York.

Wir spazieren am Rockefeller Center vorbei, keine Eisfläche zu sehen.

Weiter geht es zum Time Square, voll von leuchtender Werbung und Menschen.

Es gibt eine rote Treppe, auf der man sich hinsetzten und die Lichtershow bewundern kann. Auch wir verweilen ein paar Minuten und dann geht es weiter durch die Stadt.

Wir wandern weiter zur Grand Central Station und werfen einen kurzen Blick ins Innere.

Über dem Informationsschalter in der Mitte der rieseigen Halle prangt eine auffällige Uhr mit Opalglas, geschätzter Wert rund 20 Millionen Dollar. Der Kiosk hat keine Türe, die Mitarbeiter kommen über eine kleine Wendeltreppe von unten an ihren Arbeitsplatz.

Nur 100 Meter entfernt vom Bahnhof finden wir unser Abendessen, Tacos, bei Los Tacos No. 1.

1x Carne Asada, 1x Pollo Asado, 1x Adobada und 1x Nopales.

Während wir diesen Blogeintrag schreiben, wird es laut in der Straße. Sicherlich 40 Polizeimotorräder, gefolgt von ebensovielen Polizeiautos, 2 Trucks mit SWAT Teams, 2 Rettungswagen, etliche ungekennzeichnete Vans und eine große schwarze Limosine mit amerikanischen Flaggen fahren unter unserem Fenster vorbei. Hubschrauber kreisen über den Dächern. Wer das wohl war? Und dann etwa noch einmal soviel Poliezeiautos. Die Nachbarn hängen alle auf den Feuerleitern oder aus den Fenstern.

So das war der erste Tag, morgen geht es gleich in der Früh auf das Empire State Building, gute Nacht.

Bis die Füsse rauchen

Unser Einschlafen war von ständigen Sirenen begleitet, gegen Mitternacht wurde es dann ruhiger in der 52. Straße, die Polizei ist abgezogen.

Kaum ist die Sonne aufgegangen, machen wir uns auf den Weg, der/das Jetlag macht uns das frühe Aufstehen noch leicht. Die Straße wirkt leer und verlassen.

Vorbei an klassichen New Yorker Häusern geht es einmal um die Ecke in einen kleinen Supermarkt, um ein paar Flaschen Wasser für den Tag zu holen, 28° erwarten uns heute.

Unsere erste U-Bahn Fahrt führt uns in die Gegend um die Sixth Avenue.

Bei Mikes Sandwiches holen wir uns ein Frühstück. Das Lokal ist keine 20 Quadratmeter groß und doch arbeiten 4 Mann in der Küche. Die Front zur Straße ist ein Fenster, gerade einmal 2 Meter breit. Mit unserer Beute machen wir uns zu Fuß auf die Gegend zu erkunden.

Wie Obdachlose essen wir jeweils einen halben Sandwich auf einen Betonblock, mit dem das NYPD die Straßen absperrt. Das muss besser gehen, also spazieren wir zu Macy’s und setzten uns dort auf bereitgestellte Gartenmöbel, das hat mehr Stil.

Wir haben einen Termin um 10:00, bis dahin ist es noch eine gute Stunde, und so geht es weiter zum Bryant Park, wo wir unter den Bäumen eine kleine Pause einlegen. Mitten in dieser hektischen Stadt einen solchen kleinen Ort der Entspannung, nicht der Ruhe, zu finden, ist schon etwas Feines.

Der Park ist für seine Schachtische und -partien bekannt, zu so früher Stunde messen sich die lokalen Meister jedoch noch nicht.

Kurz vor 10 Uhr stehen wir am Gehsteig vor dem Empire State Building und warten auf Einlass. Wir haben gleich für den ersten Termin Tickets besorgt, um ganz nach oben zu fahren und einen Blick auf die Stadt zu erhaschen.

Wir lassen die Ausstellung im 2. Stock aus und fahren gleich nach oben in den 80. Stock.

Von hier hat man durch etliche Fenster einen Ausblick in alle Richtungen, doch dafür sind wir nicht hier, wir wollen höher hinauf. Im 86. Stock gibt es eine Terrasse und man sieht die Stadt ganz ohne Glas dazwischen.

Noch liegt ein leichter Schleier über der Stadt, den wird die Sonne aber bald vertreiben. Richtung Süden sieht man in der Ferne die Freiheitsstatue und den Atlantik.

Beim Blick nach Osten sieht man das Gebäude der Vereinten Nationen, direkt am East River und auch die Nachbarschaft, in der wir wohnen. Das auffällige Dach des Chrysler Buildings ist zu erkennen.

Zwischen all den Hochhäusern entdecken wir den Bryant Park wieder, in dem wir gerade noch gesessen sind.

Und auch Macy’s finden wir. Es ist spannend all die Orte, an denen wir schon vorbeigekommen sind zu suchen und zu erkennen, wie die Stadt aufgebaut ist.

Das ist wohl der beste Ort für den einen Selfie, den wir auf jeder Reise machen. Also herausfinden, wie man die Selfie-Kamera und Timer aktivert – klick!

Wer weiter oben genau aufgepasst hat weiß, dass es noch weiter nach oben geht. Also hinein in den Lift und in den 102. Stock. Auch hier hat man einen Rundumblick, steht aber hinter dickem Glas, das von Boden bis Decke geht und damit besondere Ausblicke erlaubt.

Auch den, 16 Stockwerke nach unten auf die Aussichtsterrasse, auf der wir gerade waren.

Was wollen wir mit dem angebrochenen Tag machen? Gefühlt ist es schon 4 Uhr Nachmittag, tatsächlich ist es gerade erst Mittag, also noch genug Zeit etwas zu entdecken.

Ab in die Subway, diesmal eine moderne Garnitur und in Richtung Central Park gefahren.

Bei der 72. Straße steigen wir aus und überqueren den Central Park Way, an dem einige prächtige Gebäude stehen. Hier ist das Wohnen sicher alles andere als günstig.

Wir lassen uns auf einer Parkbank nieder und blicken über die Bäume hinweg auf die Hochhäuser.

Der Park ist eine Welt für sich, schnell vergisst man, dass man mitten in einer der größten Städte der Welt ist. Bücken spannen ihren sanften Bogen über einen See, auf dem Ruderboote fahren.

Die Giganten aus Stahl, Beton und Glas spiegeln sich im flachen Wasser wieder. Es ist gerade einmal 4 Fuß tief, rund 120 cm. Alles hier wurde von Architekten geplant, nichts hier ist eine natürlich gewachsene Landschaft. Ein großer Architekturwettbewerb in den 1850er Jahren war der Startschuss für den Park, in dem wir heute stehen.

Nur die großen Felsen gab es schon und selbst diese wurden freigelegt und teilweise bearbeitet. Ein ganzer Stadtteil, das Seneca Village, wurde geschliffen, um Platz für das 341 Hektar große Erholungsgebiet zu machen.

Schildkröten sonnen sich im flachen Wasser.

Gute gepflegte Wege werden von Spaziergängern genutzt, breite Radwege führen durch den Park und es gibt genug Sitzmöglichkeiten, um zu Mittag hier Pause zu machen. Freche Eichhörnchen wuseln um uns herum, als wir hier in der Mitte des Parks sogar die Sirenen von den Straßen außerhalb nicht mehr hören – schon eher unsere Welt als die der Straßenschluchten.

Wir erreichen die Ostseite des Parks und beschließen eine Mischung zwischen Mittag- und Abendessen zu suchen. Bei Tamam, einem veganen Imbiss/Restaurant werden wir fündig.

Arno holt sich ein Pitabrot mit Shawarma, angebratenem Karfiol, mit Tahini und gepickelter Gurke, Pefferoni etc. Für Babsy gibt es ein Pitabrot mit knusprig gebratener Aubergine.

Zum Schluss plaudert Arno mit dem Koch und holt sich ein paar Tips, wie man die beiden Gerichte zubereitet – mit Liebe ;-). Den sauren Krautsalat würden wir weglassen und etwas mehr Salz/Gewürze verwenden.

Die Sonne sticht gnadenlos vom Himmel, als wir uns zu Fuß auf den Weg nach Hause machen. Wir lernen ja nicht aus unseren Fehlern. Jedes Mal, nachdem wir an einem Tag über 15 km durch eine Stadt gehatscht sind, sagen wir uns ‘Nie wieder.‘ Auch im Vorfeld der Reise nach New York war uns klar, das wir es diesmal nicht so machen werden …

Wir werden es niemals lernen. 😉

Die Sirenen der Polizei interessieren hier in New York niemanden, kein New Yorker schaut in die Richtung des Geheuls. Doch wenn das Fire Department kommt, dann schauen sie schon. Mit Folgetonhorn und mit wehenden amerikanischen Fahnen am Heck donnern die Fahrzeuge der New Yorker Feuerwehr an uns vorbei.

Babsy hat als NYFD-Fan schon gestern eine kleine Feuerwache abgelichtet, nicht mehr als eine Garageneinfahrt in einer Seitenstraße.

Heute ist im UN-Gebäude die große 80er Jahrfeier, mit all den Mächtigen und so ist unsere Straße als Anreisekorridor wieder von der Polizei abgesichert. Demonstranten haben sich mit Transparenten an den Gittern eingefunden, um dem amerikanischen Präsidenten, der heute wieder mit seinem Konvoi unter unserem Fenster durchgerauscht ist, ihre Meinung zuzurufen.

Das war unser zweiter Tag in New York. Morgen wir es wieder supertouristisch, es geht in den Nationalpark auf Liberty Island, um die Lady Liberty zu erklimmen. Schlaft gut.